Retro-Konsole Vega Plus: Die verbesserte Neuauflage des ZX Spectrums

Im Dezember 2014 kündigte Sir Clive mit dem Sinclair Spectrum Vega einen Nachfolger zu seinem erfolgreichen Heimcomputer ZX Spectrum als Retro-Konsole an. Mein Kommentar dazu fiel ziemlich negativ aus. Jetzt sammelt Sir Clive erneut über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo, um einen (verbesserten) Nachfolger zum Vega zu finanzieren. Das Sinclair ZX Spectrum Vega Plus getaufte Gerät ist wieder eine Konsole, aber diesmal zumindest kein Versuch einen ZX Spectrum in einem abgespeckten Zustand wiederzubeleben. Am 16. Februar startete die Kampagne mit dem Ziel £100,000 zu sammeln. Heute haben über 2000 Unterstützer bereits mehr als das doppelte dieses Betrags zusammengetragen.

Das Gerät verfügt über ein LC-Display und kann zusätzlich an einen Fernseher angeschlossen werden. Über 1000 Spiele werden bereits fest installiert mitgeliefert. Mit Hilfe einer microSD können weitere Spiele installiert werden, wobei sowohl 48K- als auch 128K-Spiele – u.a. in den Formaten .TAP, .Z80 und .SZX. – unterstützt werden.

Das Gehäuse wurde von Rick Dickinson entworfen, der auch für das Design der Gehäuse des ZX 80, ZX 81 und ZX Spectrum in den 1980ern verantwortlich war.

Im Gegensatz zum Vorgänger verfügt der Vega Plus über ein D-Pad, zusätzliche Aktionstasten und ein paar Knöpfe zum Ein- und Ausschalten und zum Aufruf eines Menüs. Ebenso gibt es einen Lautstärkeregler, einen Kopfhöreranschluss, ein Netzteilanschluss zum Laden des internen Akkus und einen TV-Anschluss (Composite Video).

Das Gerät kostet £100 (ca. 130 EUR) und wird voraussichtlich im September 2016 ausgeliefert.

Bild: Retro Computers

Kommentar:

Auch diese Neuauflage ist wieder ein Mock-up des Speccy. Aber diesmal wurde die Konsole als tragbare Retro-Konsole entworfen; sie besitzt kein lieblos abgespecktes Gehäuse mit ein paar Radiergummi-Tasten, das an einen Speccy erinnern soll.

Diese Konsole versucht gar nicht erst wie ein Speccy auszusehen, sondern geht dank des Designs von Rick Dickinson eigene Wege. Einzig die Regenbogen-Ecke und der Schriftzug „sinclair“ deuten an, was sich in dem Gerät versteckt.

Sicher, es ist kein ZX Spectrum: Zu einem echten ZX Spectrum Feeling gehört halt auch die Radiergummi-Tastatur des Originals, aber eine bessere Lösung wieder die Klassiker aus den 1980er zu spielen, kann ich mir nicht vorstellen. Wer nur mal eben in BASIC programmieren möchte, kann auf eine Emulation zurückgreifen (z.B. einen der vielen Emulatoren unter Windows oder auch per FPGA-Emulation). Wer das echte Retro-Feeling möchte, muss derzeit das Original wieder in Betrieb nehmen.

Aber vielleicht erhört Sir Clive seine Fans noch und bringt einen „echten“ – vielleicht auch etwas aufgemotzten – ZX Spectrum heraus oder, wie schon in meinem Kommentar zum Vega vorgeschlagen, ein passendes Speccy Gehäuse für einen Raspberry Pi.

Webtipp: Kung Fury, eine Hommage an die 1980er Jahre Trash-Movies

Kung FuryKung Fury ist ein schwedischer Kurzfilm von David Sandberg aus dem Jahr 2015, der als Kickstarter-Projekt finanziert wurde und kostenlos im Web, z.B. auf YouTube, verfügbar ist. Der Film ist eine Parodie, oder besser gesagt, eine Hommage auf die Trash-Actionfilme aus den 1980ern. Zur Realisierung des Projekts waren 200.000 US-Dollar notwendig, letztendlich sammelte Sandberg aber mit 630.019 US-Dollar über den dreifachen Betrag ein.

Der Film beinhaltet alles, was Actionfilme aus den 1980ern ausmachte: Spielautomaten, die sich in Roboter transformieren können, Dinosaurier, Nazis, Vikinger und deren Gottheiten, Mutanten und einen Kung-Fu Kämpfer, genannt Kung Fury, als Polizist. Und was in einen Hommage nicht fehlen darf, ein DeLorean kommt auch vor. Der Titelsong „True Survivor“ wurde von David Hasselhoff beigesteuert, dessen Video ebenfalls auf YouTube angesehen werden kann.

Wikipedia schreibt zum Inhalt:

Als zwei Jugendliche in einem Spielcasino nach dem Ende des Spiels den Automaten traktieren, mutiert dieser zur Kampfmaschine und versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Kung Fury wird zu Hilfe gerufen und setzt dem Automaten ein Ende.

Im Büro der Polizei wird er jedoch von seinem Chef für den Schaden, den er angerichtet hat, zusammengestaucht. Als Adolf Hitler, Meister des Kung Fu und bekannt unter dem Alias Kung Führer, über das Telefon die Polizeiwache unter Beschuss nimmt, beschließt Kung Fury Hitler zu stoppen. Mit Hilfe von Hackerman, einem Hacker, reist Kung Fury in die Vergangenheit. Aufgrund eines Fehlers landet Fury jedoch im Wikinger-Zeitalter, wo er von einem Laser-Raptor angegriffen wird. Barbarianna, eine Wikingerin, rettet ihn jedoch und vermittelt ihn an ihre Freundin Katana, die Thor beschwört, um Fury zu helfen. Thor öffnet mithilfe von Mjölnir ein Zeitportal und schickt Fury in die richtige Zeit zurück.

Im Dritten Reich angekommen, attackiert Fury die Zuhörer einer Rede von Hitler. Als er von Hitler tödlich getroffen wird, kommen ihm seine Freunde zu Hilfe. Fury wird gerettet und gemeinsam besiegen sie den Kung Führer. Zurück in der Gegenwart stellt sich jedoch heraus, dass Hitler überlebt hat und sich wieder in den 80er-Jahren befindet.

Ohne das Internet wäre niemand auf diesen Film aufmerksam geworden und vermutlich hätte sich kaum jemand diesen Film überhaupt angesehen. Anders auf YouTube, hier wurde er bereits 22 Millionen Mal angeklickt.

Das alles wäre keine Erwähnung auf 8Bit-Museum.de wert, wenn da nicht die Spielautomaten und Heimcomputer (Apple Mac (8:36), mehrere MicroBees und ein ZX Spectrum (10:17)) wären, die im Film auftauchen.

Bild: Kung Fury, A Laser Unicorns Production

Vor 70 Jahren: Der ENIAC wird der Öffentlichkeit vorgestellt

Der ENIAC (Electrical Numerical Integrator And Calculator) wurde im Auftrag der US-Armee von J. Presper Eckert und John W. Mauchly an der University of Pennsylvania ab 1942 entwickelt. In der New York Times berichtete dann am 14. Februar 1946 der Reporter T.R. Kennedy jr. über den bis dato geheim gehaltenen Computer.

1946 gründeten Eckert und Mauchly die Eckert-Mauchly Computer Corporation, die später von Remington Rand übernommen wurde. Sie meldeten 1947 ein Patent an, dessen Gültigkeit nach langjährigen Gerichtsverfahren für ungültig erklärt wurde. Mauchly hatte 1941 den Atanasoff-Berry-Computer (ABC) studieren können und sich von diesem für den ENIAC zumindest inspirieren lassen. Dadurch sah das Gericht den ENIAC als abgeleitetes Werk an und der Ruhm für  die Erfindung des ersten elektronischen Rechners ging an Atanasoff über.

Nach einem Umzug von Philadelphia nach Aberdeen im Jahre 1947, verrichtete der ENIAC im  Ballistic Research Lab seinen Dienst und wurde erst am 2. Oktober 1955 abgeschaltet. Seit November 2014 kann im Field Artillery Museum der US-Army der ENIAC wieder besichtigt werden.

Bild: ENIAC (US Army)

Windows 3.11 Software im Browser ausprobieren

Das Internet Archiv stellte vor knapp zwei Jahren bereits zahlreiche klassische Spiele aus den 1970er und 1980er Jahren online. Jetzt folgt eine Software-Sammlung für Microsoft Windows 3.11, das vor nun über 22 Jahren, am 8. November 1993, erschien.

Wer neugierig ist, kann die Programme in einem im Browser laufenden Emulator ausprobieren. Außer dem Desktop mit seinen zahlreichen Werkzeugen, werden etliche Spiele und einige Anwendungen angeboten. Auch wenn die meisten Programme recht unbekannt sind, macht es Spaß auszutesten, wie PC-Software Mitte der 1990er aussah, zu einer Zeit, in der Atari ST und Commodore Amiga in Sachen Grafik und Sound dem PC weit voraus waren.

Link: Software-Sammlung auf Archive.org

Verschollen geglaubtes Präsentationsvideo zum NeXT Computer aufgetaucht

Im Rahmen der Dreharbeiten zum „Steve Jobs“-Film ist der Technikhistoriker Tom Frikker auf eine bisher verschollen geglaubte VHS-Aufzeichnung der Original-Präsentation des NeXT Computers gestoßen, die jetzt im YouTube Kanal „The ReDiscovered Future“ veröffentlicht wurde.

Diese zweieinhalb Stunden umfassende Präsentation fand drei Jahre nachdem Steve Jobs Apple verlassen hatte statt und zeigt Jobs, wie er sichtbar stolz seine neueste Schöpfung präsentiert.

Video: The NeXT Introduction – October 12, 1988, The ReDiscovered Future, YouTube

Jobs stellt in seinem Vortrag nicht nur die damals sehr leistungsfähige Hardware und den aufwendigen Fertigungsprozess des Mainboards heraus, sondern geht auch ausführlich auf sein neues Betriebssystem NeXTSTEP ein, das auch heute noch in OS X und iOS wiederzufinden ist. Leider war der Rechner in der einfachsten Ausstattung mit weit über 6000 US-Dollar sehr teuer, denn dazu kam noch ein ebenso teurer Monitor sowie ein Drucker und weitere Peripherie, wie ein CD-ROM Laufwerk. Aus  diesem Grund versuchte Jobs den Rechner auch zunächst an Universitäten zu positionieren.

Jobs verkaufte NeXT am 7.2.1997 an Apple und arbeite dann wieder, zunächst als Berater, dann als Übergangs-CEO (interim CEO, iCEO), für Apple.

Mehr über NeXT und den NeXT Cube gibt es in diesem Beitrag.

Bild: Wikimedia, CC-BY-SA, allaboutapple.com

Retro: Produkte, die Jugendliche nicht mehr kennen

1. Heimcomputer

Commodore 64Bevor ab den 90ern das PC-Einerlei vorherrschte, gab es ab Ende der 70er viele interessante Computer. Diese Heimcomputer wurden, wie der Name schon suggeriert, hauptsächlich zu Hause verwendet. Sie wurden aber auch häufig in Schulen und teilweise auch in Büros eingesetzt. Als günstige Alternative zu den damals sehr teuren „professionellen“ Geräten (den ersten günstigen IBM PC gab es erst 1983 und kostete ca. 2500 US$) waren sehr günstige Heimcomputer bereits ab ca. 200 DM zu haben (ein voll ausgestatteter C64 kostete trotzdem immerhin knapp 2000 DM).

2. Audio-Kassette

Compact CassetteDie Audio-Kassette – oder genauer Compact Cassette (CC) – wurde 1963 von Philips entwickelt und diente Anfangs nur zur analogen Aufzeichnung und Wiedergabe von Musik. In den 80er Jahren wurden Kassetten auch zur Datenspeicherung von Heimcomputern verwendet. Dazu wurden die digitale Daten in analoge Tonsignale gewandelt, die auf der Kassette aufgezeichnet wurden. Bis in die 90er Jahre waren Kassetten sehr verbreitet: Noch lange nach Einführung der CD, als diese in den Wohnzimmern die Kassette schon abgelöst hatte, waren Kassettenabspieler noch in Autoradios verbreitet.

3. VHS-Videokassette

VHS-Kassette1976 brachte JVC in Japan ein analoges Aufzeichnungs- und Wiedergabesystem für Videorekorder auf den Markt. Auf den dafür verwendeten Kassetten konnten bis 4 Stunden (Shortplay) bzw. 8 Stunden (Longplay) aufgezeichnet werden. Es gab auch einige spezielle Kassetten mit noch längere Aufzeichnungszeiten. Durch die simpel konstruierten (und dadurch preisgünstigen) Geräte, konnte VHS sich gegen Konkurrenten wie Betamax (Sony) und VCR/Video 2000 (Grundig/Philips) als Standard durchsetzen. Es gab auch Videokameras, die auf spezielle, kleinere Kassetten aufzeichneten.

4. Schallplatte

SchallplatteDer Franzose Édouard-Léon Scott de Martinville meldete im März 1857 den Phonautograph als Patent an. Schon 1860 gelang es ihm, das Kinderlied Au Clair de la Lune mit Hilfe eines großen Trichters einzufangen und mit einer Membran, die die Schwingungen auf eine Schweineborste übertrug, auf eine rußgeschwärzte Walze zu kratzen. Allerdings konnte sein Phonautograph den aufgezeichneten Schall nicht wiederzugeben. Das schaffte erst John Kruesi, der 1877 die Erfindung von Thomas Alva Edison, baute. Edison wurde mit dem von ihm patentierten Phonographen weltberühmt. 1880 machte der amerikanische Physiker Charles Sumner Tainter die Entdeckung, dass sich viele Nachteile der Edisonischen Walzen vermeiden lassen, wenn man die Tonspur spiralförmig in eine runde Scheibe eingraviert. Nach einigen Versuchen mit Prototypen, gab er das Vorhaben aber aufgrund technischer Probleme wieder auf. Trotzdem gelten die von Tainter hergestellten Wachsplatten als die ersten Schallplatten der Welt. Die Schallplatte war bis Anfang der 90er Jahre das Hauptmedium für Musik. Es gab sie u.a. als Single (i.d.R. je ein Musikstück pro Seite) und Langspielplatte bzw. LP (i.d.R. ein ganzes Album von 40-50 Minuten).

5. Polaroid Kamera (Sofortbildkamera)

Polaroid Spectra AFDie erste Sofortbildkamera wurde im Februar 1947 von Edwin Herbert Land entwickelt und von seinem Unternehmen Polaroid auf den Markt gebracht. Die ersten Land-Cameras fotografierten noch in schwarzweiß (zuerst genau genommen sogar noch sepiafarben). Die revolutionäre Neuerung lag darin, dass der Film noch vor Ort das Negativ in ein Positiv übertrug. Noch bis weit in die 90er Jahre waren diese Sofortbildkameras die einzigen Kameras, die vor Ort eine Betrachtung eines Fotos ermöglichten ohne Umweg über ein Labor.

6. Walkman (Kassettenabspielgerät)

WalkmanWas heute der iPod ist, war in den 80er Jahren der Walkman von Sony unter den Jugendlichen. Kaum ein Jugendlicher wollte auf dieses Statussymbol verzichten, das unter der Bezeichnung „TPS-L2“ am 1. Juli 1979 auf den Markt kam. Der Walkman konnte Compact Cassetten abspielen. Spätere Kassettenabspielgeräte anderer Firmen besaßen Doppelkassettenspieler, zusätzlichen Radioempfang und Equalizer. Mit erscheinen der CD gab es später noch Geräte für CDs und MiniDiscs.

7. Akustikkoppler

Dataphon s21/23dDer Urgroßvater des DSL Modems ist der Akustikkoppler, mir dem Daten Anfang bis Mitte der 80er Jahre über eine Telefonleitung verschickt wurden. Der Akustikkoppler wurde nicht direkt an die Telefonleitung angeschlossen, sondern der Telefonhörer wurde in zwei Muscheln gelegt. Dadurch bedingt konnte die Rufnummer auch nicht automatisch gewählt werden, sondern gewählt werden musste manuell über die Wählscheibe des Telefons.

Bauartbedingt waren Akustikkoppler sehr störanfällig gegenüber externen Geräuschen. Die Datenübertragungsraten lagen i.d.R. nur zwischen 300 bis zu 2.400 Bit/s (ca. 30 – 240 Byte/s). Der vermutlich bekannteste Koppler war das Dataphon s21/23d.

8. Modem

US Robotics Courier v34Nach den Akustikkopplern wurden Modems mit elektrischen Anschluss an das Telefonnetz zur Datenübertragung eingesetzt. Durch den direkten Anschluss an die Telefonleitung stand der Frequenzbereich von 300 Hz bis 3400 Hz zur Verfügung (an einer digitalen Vermittlungsstelle sogar 0 bis 4000 Hz) und sie konnten bis zu 56 kbit/s (ca. 5,5 KByte/s) im Download und ca. 40 kbit/s im Upload übertragen. Die Geräte wurden ca. Mitte der 80er bis Ende der 90er Jahre eingesetzt.

Bilder: Polaroid (Wikimedia, Andrew Butitta), Schallplatte (Wikimedia, Ramon Vasconcellos), Videokassette (Wikimedia, KMJ), Compactcassette (Wikimedia, Thegreenj), Modem (Wikimedia, Bortzmeyer), Akustikkoppler (Jürgen Klöpper)