Camputers

Camputers Ltd.

Richard Greenwood

In den 1960er beginnt Richard Greenwood seine Karriere mit einer Ausbildung bei Pye Electronics in Cambridge. In dieser Zeit lebt er in einer Wohngemeinschaft mit Geoff G. Sore, der ebenfalls als Auszubildender bei Pye Electronics arbeitet.

Im Juli 1977 gr├╝ndet Greenwood seine erste eigene Firma GW Draughting Services (GWDS), die als Auftragsfertiger Platinen entwirft und fertigt. Die Platinen werden in der damals ├╝blichen Fertigungstechnik mit rotem und blauem Klebeb├Ąndern auf Klarsichtfolie meistens im Ma├čstab 2:1 entworfen und dann fotografisch auf die korrekte Gr├Â├če verkleinert. Eine zeitraubende und m├╝hsame Arbeit, da die Wege aller Leiterbahnen per Hand bestimmt werden m├╝ssen. Ab dem Oktober 1979 konzentriert sich Greenwood immer mehr auf den Entwurf von Platinen, so dass der Zusatz „Draughting“ im Firmennamen schlie├člich durch „Design“ ersetzt wird.

Auch Sore verl├Ąsst Pye Electronics und arbeitet eine Weile als Vertriebsleiter f├╝r ein Philips Unternehmen in Malmesbury, Wiltshire, was ihm aber alles andere als zusagt.┬áEr k├╝ndigt dort und beginnt als Auftragnehmer Platinen zu entwerfen. Bei einem Treffen mit Greenwood, wird er von diesem gefragt, ob er nicht f├╝r GWDS arbeiten m├Âchte. Im Januar 1981 wechselt Sore zu GWDS.

Die Gr├╝ndung von Camputers

Im Fr├╝hjahr 1981 gr├╝ndet Greenwood ein weiteres Unternehmen. Es soll zun├Ąchst Camtronic Circuits hei├čen, wird dann aber in Camputers umbenannt. Der Name soll klar die T├Ątigkeiten der GWDS von seinen neuen Interessen, der Entwicklung von Microcomputern, abgrenzen. Mit dabei ist Geoff Sore, der bei Camputers die Leitung der Entwicklungsabteilung ├╝bernimmt, w├Ąhrend Greenwood die notwendigen Gelder beschafft.

John ShirreffGWDS w├Ąchst und wird von dem Londoner Unternehmen Iona beauftragt einen CP/M Rechner zu entwickeln. Es werden zwar einige Prototypen entwickelt, aber das Projekt wird vom Kunden Mangels Interesse eingestellt. Greenwood ├╝berlegt, wie er mit der DWDS in den Computermarkt einsteigen kann. Inzwischen hatte sich das Team bei GWDS um den┬áSchaltkreis- und Systementwickler John Shirreff vergr├Â├čert. Shirreff hat durch seine Experimente mit elektronischer Musik ein Gesp├╝r f├╝r Elektronik entwickelt. Schon etwas l├Ąnger dabei ist Martin Crutchley, der f├╝r mechanische Konstruktionen verantwortlich ist.

Zu dieser Zeit entwickelt GWDS Hardware f├╝r den BBC Micro. Sore, Shirreff und Crutchley entwerfen z.B. das Diskettenlaufwerk und Greenwood die Platine des BBC Micro. GWDS ist auch an fr├╝hen Versionen des NewBrain beteiligt.

Der Lynx 48K

Camputers Lynx 48Als die Produktion des BBC Micro Ende 1981 beginnt, ist Greenwood darin best├Ąrkt ein eigenes System zu entwickeln. Im M├Ąrz 1982 stellt er ein Team zusammen einen Computer zu entwickeln, der sp├Ąter als Lynx auf den Markt kommen wird. John Shirreff entwirft die Systemarchitektur, Martin Crutchley ist f├╝r die Werkzeuge und die Mechanik zust├Ąndig und Richard Greenwood entwirft das Geh├Ąuse.

Die Gesch├Ąfte laufen f├╝r GWDS gut, so dass sie den 23-j├Ąhrigen Mathematiker Davis Jansons einstellen, der die Software f├╝r die neue Maschine schreiben soll. Da noch kein Prototyp des Lynx verf├╝gbar ist, schreibt er den meisten Code auf einem Tandy TRS-80 und auf Nascom Hardware. Sue Jansons, seine Ehefrau, schreibt das Handbuch. Ihre Namen, „Davis“ und „Susy“, finden sich sp├Ąter im Lynx ROM.

Camputers Lynx PlatineDie Entwicklung zieht sich 1982 durch den Sommer, bis im Juli ein Prototyp verf├╝gbar ist. Die Arbeit geht relativ leicht vonstatten, denn das Team profitiert von ihren Erfahrungen aus dem Iona Projekt. Allerdings gibt es auch neues zu entwickeln, wie z.B. Farbgrafik, Soundausgabe und einen TV-Anschluss. Greenwood hat auch die Finanzierung gesichert: Er kann Barclays davon ├╝berzeugen ┬ú50.000 in Camputers zu investieren, die sp├Ąter noch auf ┬ú75.000 erh├Âht werden.

Auf der Personal Computer World Show im September 1982 kann Greenwood einen Prototypen demonstrieren. Anfangs soll der Lynx 48K ┬ú150 kosten, doch der Preis wird kurz vor der Ausstellung auf ┬ú225 ge├Ąndert. Camputers k├╝ndigt auf der Show auch zwei weitere Modelle an, eines mit 96 KByte und eines mit 128 KByte.

Theoretisch kann der Lynx bis auf 192 KByte erweitert werden, allerdings gilt dieses nicht generell: Der Lynx 48K kann im Werk auf 96 KByte erweitert werden, aber weder der Lynx 48K noch der Lynx 96K k├Ânnen auf 192 KByte erweitert werden. Auch kommt es vor, dass bestimmte Software f├╝r den Lynx 48K auf dem auf 96K erweiterten Ger├Ąt nicht mehr funktioniert. Das 128 KByte Modell kann sogar weder die f├╝r das 48K, noch f├╝r das 96K Modell geschriebene Software ohne ├änderungen ausf├╝hren.

Der Lynx mit seinem Z80A-Prozessor soll sp├Ąter ab der 96K Version in der Lage sein CP/M auszuf├╝hren. Das wird sp├Ąter revidiert: Nur das Modell mit 128 KByte Speicher, das noch nicht einmal als Prototyp existiert, wird CP/M ausf├╝hren k├Ânnen. Als Grafikchip wird der Motorola MC6845 eingesetzt, der auch in den MDA, HGC und CGA Grafikkarten f├╝r den IBM PC sp├Ąter Verwendung findet. Dieser erm├Âglicht dem Lynx 256 x 248 Pixel darzustellen, wobei jeder Pixel in einer von 8 Farben angezeigt werden kann.

Der Bildschirmspeicher des Lynx belegt 32 KByte der 48 KByte RAM und erm├Âglicht dem Lynx 256 x 248 Pixel in Farbe darzustellen, wobei jeder Pixel in einer von 8 Farben angezeigt werden kann. Als Zeichenmatrix werden ungew├Âhnliche 6 x 10 Pixel – die meisten anderen Rechner verwenden 8 x 8 Pixel – verwendet, wodurch der Lynx 40 x 24 Zeichen darstellen kann. Erweitert man den Arbeitsspeicher, sind auch 512 x 248 Pixel m├Âglich. Das von Davis Jansons entwickelt BASIC ist sehr leistungsf├Ąhig und befindet sich, zusammen mit den Hardware-Treibern, die von Shane Voss und Fiona Miller beigesteuert werden, und den Grafik-Routinen, die von Michael Behrend und Ron Penrose erstellt werden, in einem 16 KByte gro├čen ROM.

September 1982 zieht Camputers in Cambridge von der Hill Street in die zentraler gelegene Bridge Street. Der Ort, direkt gegen├╝ber der Pubs „The Mitre“ und „Barron of Beef“, wird sp├Ąter noch f├╝r eine k├Ârperliche Auseinandersetzung zwischen Sir Clive Sinclair und Chris Curry bekannt.

Der Prototyp, den Camputers auf der Ausstellung zeigt, funktioniert, hat aber noch ein paar Bugs im BASIC und auch das Mainboard ist noch nicht ausgereift, was Shirreff aber bis zum folgenden Monat noch beseitigen will. Leider stellt sich heraus, dass er mehr Zeit ben├Âtigt, so dass die Produktion zuerst auf November, dann auf Dezember 1982 verschoben wird. Die ersten Maschinen werden als Testger├Ąte an Magazine und an Software-Entwickler geliefert. Die beiden Einzelhandelsketten Spectrum und Laskys nehmen Anfang 1983 alle gefertigten Ger├Ąte ab. 900 Ger├Ąte werden im Februar gefertigt und bis Mai steigt die monatliche Fertigungsrate auf 1000 Ger├Ąte. Im M├Ąrz 1983 sind die ersten 2000 Lynx im Handel erh├Ąltlich. Die ersten Reaktionen auf den neuen Rechner sind durchweg positiv. Da noch keine Software verf├╝gbar ist gr├╝ndet Greenwood Camsoft, die ausschlie├člich Software f├╝r den neuen Heimcomputer entwickeln soll.

Das Lynx BASIC

Lynx SpieleDas Lynx BASIC verf├╝gt ├╝ber einige Besonderheiten. So unterst├╝tzt es die grafischen F├Ąhigkeiten, welche die der anderen Heimcomputer ├╝bertrifft. Es werden drei Speicherb├Ąnke f├╝r die Bildschirmanzeige verwendet, eine f├╝r jede der drei Prim├Ąrfarben Rot, Gr├╝n und Blau. Mit dem Kommando PROTECT kann jede Bank gesperrt werden, so dass der Bildschirminhalt in dieser Bank nicht ├╝berschrieben werden kann. Hierdurch muss der Lynx weniger Farbinformationen schreiben und die Grafikausgabe wird schneller. Es wird aber hardwarem├Ą├čig kein horizontales Scrollen unterst├╝tzt Das muss vom Prozessor ├╝bernommen werden und ben├Âtigt soviel Rechenzeit, dass es sp├Ąter nur ein paar wenige Actionspiele geben wird.

Mit dem CODE Kommando unterst├╝tzt das BASIC Inline-Maschinencode. Zeitkritische Programmteile k├Ânnen so direkt in Maschinencode erstellt und in HEX mit dem CODE Kommando eingegeben werden. Das CALL Kommando ruft den Code auf. Es gibt sogar einen Monitor im Lynx ROM, der die direkte Eingabe von Maschinencode erlaubt. Der BASIC Interpreter besitzt auch Kommandos, die man bei vielen anderen Heimcomputern vermisst, wie z.B. ein IF-THEN-ELSE, und sogar WHILE-WEND Schleifen-Strukturen sind vorhanden. Um die Geschwindigkeit zu Erh├Âhen, werden alle BASIC Befehle vorkompiliert abgelegt.

Aber es gibt auch einige Schw├Ąchen: So existiert f├╝r die Tonausgabe nur zwei Kommandos: BEEP, mit der Angabe der „Wellenl├Ąnge“, Anzahl der Zyklen und der Lautst├Ąrke, und SOUND, mit dem eine Anzahl von Bytes aus dem Speicher gelesen werden k├Ânnen und so eine komplette Wellenform ergeben. Zeilen k├Ânnen nur jeweils ein einzelnes Kommando enthalten, was Jansons mit der Lesbarkeit des Codes begr├╝ndet. Ein Novum ist aber, dass Zeilennummern einen Dezimalpunkt enthalten d├╝rfen und bis zu vier Stellen hinter diesem m├Âglich sind, was eine enorme Anzahl von Programmzeilen erlaubt. Der gr├Â├čte Schwachpunkt ist, dass Variablen nur ein Zeichen lang sein d├╝rfen, die aber immerhin zwischen Gro├č- und Kleinbuchstaben unterscheiden.

Einige un├╝bliche Kommandos sind

ALPHA, GRAPHIC R├╝ckgabe der Adresse der normalen und grafischen Zeichen im RAM, die durch POKE Befehle ge├Ąndert werden k├Ânnen
CFR bestimmt die Blinkrate des Cursors
CODE Inline-Maschinencode.
DEG wandelt Bogenma├č in Grad um.
FACT berechnet die Fakult├Ąt.
GETN, GET$
KEYN, KEY$
geben den ASCII Code bzw. Zeichen eines Tastendrucks zur├╝ck, KEY warten nicht auf einen Tastendruck.
INK, PAPER setzen die Vorder- bzw. Hintergrundfarbe oder geben die aktuellen Werte zur├╝ck.
LINK koppelt die Bildschirm- und Druckerausgabe (nicht implementiert).
MEM gibt freien Speicher zur├╝ck.
HL gibt den Inhalt des HL Registers des Z80 Prozessors zur├╝ck (z.B. nach einem CALL).
TAPE setzt die Geschwindigkeit des Kassetteninterfaces (600-2100 baud).
WINDOW bestimmt einen aktiven Bildschirmbereich.

Finanzielle Probleme

Durch die noch geringen Verk├Ąufe und geringe Gewinnmarge hat Camputers zunehmend finanzielle Probleme. Der ZX Spectrum wird vom Markt besser angenommen und bietet sehr viel mehr Spiele und in den USA und Deutschland floriert der Commodore 64, der f├╝r Spiele eine wesentlich bessere Hardwareunterst├╝tzung bietet.

Im M├Ąrz 1983 nimmt Camputers einen Kredit von ┬ú300.000 bei Barclays auf. Das Vertrauen auf ihre Handelspartner und ihre Kunden, l├Ąsst die Camputers Gesch├Ąftsf├╝hrung auf eine weitere Kapitalerh├Âhung hoffen, indem sie Camputers in eine Aktiengesellschaft verwandeln und 6,4 Mio. Aktien der neu gegr├╝ndeten Camputers Plc herausgeben, um dadurch ┬ú900.000 einzunehmen. Mit dem Geld wollen sie die ┬ú300.000 zur├╝ckzahlen und weitere Software und Hardware entwickeln. Leider geht die Rechnung nicht auf. Das Problem liegt bei den Diskettenlaufwerken. Camputers hat keine Erfahrung in der Entwicklung von Firmware f├╝r Laufwerke und es fehlt an Geld, um Spezialisten daf├╝r einzustellen.

Der Lynx 96K

Camputers Lynx Floppy-Disk-DriveDer Lynx 96K soll f├╝r ┬ú299 mit zus├Ątzlichen 4 KByte f├╝r die ben├Âtigten BASIC Kommandos zur Ansteuerung der Laufwerke erscheinen. Da die Laufwerke aber noch nicht verf├╝gbar sind, h├Ąlt man diesen zur├╝ck, damit die Lynx 48K Anwender, die durch eine spezielle 48K Erweiterung mit zus├Ątzlichen 4 KByte ROM auch in den Genuss der Laufwerke kommen sollen, nicht zweimal upgraden m├╝ssen und Erweiterung und Laufwerke in einem Paket bekommen.

Da es immer noch Probleme mir der Firmware gibt, h├Ątte eine verfr├╝hte Auslieferung des 96K Modells auch bedeutet, dieses noch einmal ins Werk zur├╝ckzurufen und das ROM zu tauschen, wenn die Laufwerke endlich verf├╝gbar sind. So verz├Âgert sich die Auslieferung der Laufwerke, u.a. aufgrund von Problemen mit der RS232 Schnittstelle, zun├Ąchst bis April, dann bis Juni und zuletzt bis September 1983.

Camputers Lynx ParallelinterfaceDurch die Verz├Âgerung kann Camputers auch nicht weiter an dem Lynx 128K arbeiten, das Modell, welches sich mit CP/M als Betriebssystem an den Gesch├Ąftskunden richtet. Beide Modelle sind wichtige Faktoren in der Gewinn-Prognose von ┬ú750.000, die Camputers f├╝r den Zeitraum bis zum 31. M├Ąrz 1984 im Juni 1983 abgibt.

Im September 1983 wird der Lynx 96K tats├Ąchlich mit dem erweiterten ROM ausgeliefert und auch Lynx 48K Anwender k├Ânnen ihren Rechner f├╝r ┬ú89.95 aufr├╝sten. Zur Aufr├╝stung muss der Lynx zur├╝ck an Camputers geschickt werden, die das ROM tauschen und eine zus├Ątzliche 64 Kbyte Speicherplatine einbauen. Der Lynx 128K soll zwar noch im Dezember ausgeliefert werden, aber es wird schlie├člich M├Ąrz 1984.

Der Lynx 128K

Der Lynx 128K besitzt ein neues Motherboard, ein aktualisiertes BASIC, kann 80 x 24 Zeichen darstellen und bringt CP/M 2.2 als Betriebssystem mit, das die Diskettenlaufwerke ansprechen kann. W├Ąhrend die kleineren Lynx Modelle mit 4 MHz getaktet werden, besitzt er einen mit 6 MHz getakteten Z80B-Prozessor. Allerdings ist er nicht mehr, wie zuvor versprochen, voll kompatibel mit den fr├╝heren Modellen.

Leisure und Laureate

Ende 1983 bricht zum Weihnachtsgesch├Ąft der Absatz an Heimcomputern ein. Auch die Tatsache, dass der f├╝r den B├╝romarkt gedachte Lynx 128K bei Laskys oder Dixons, verkauft wird, f├╝hrt nicht zu den erhofften Absatzzahlen; sind das L├Ąden, von denen man nicht gerade erwartet, dass ein Gesch├Ąftsmann dort seine Computerausstattung kauft. Im Jahr 1984 ruht praktisch Camputers gesamte Zukunft auf diesem einen Computer.

Die finanzielle Situation ist noch schlechter geworden. Richard Greenwood wird vom Vorstand aufgefordert als Vorsitzender zur├╝ckzutreten. Er wird durch Stanley Charles von Statham Duff Stoop, dem B├Ârsenmakler, der Camputers Aktienverk├Ąufe ein Jahr zuvor organisiert hat, ersetzt. Um die Verk├Ąufe anzukurbeln, benennt Charles die beiden fr├╝heren Ger├Ąte um: Der Lynx 48K wird zum Leisure, der Lynx 96K zum Laureate, dessen Name sp├Ąter auch an das 128K Modell angeh├Ąngt wird. Da 1984 schon Ger├Ąte mit mehr Speicher verf├╝gbar sind, wird der Lynx 48K von Camputers Handelspartnern nicht mehr weiter verkauft und ist f├╝r ┬ú160 nur noch im Versand erh├Ąltlich. Das 96K Modell wird mit zwei 200 KByte Diskettenlaufwerken, einem Parallelinterface und Software von Perfect Software geb├╝ndelt und f├╝r unter ┬ú700 verkauft. Der 128 KByte Lynx in derselben Zusammenstellung f├╝r ┬ú999,95. Damit bleibt der CP/M kompatible Lynx 128K unter ┬ú1000 und eigentlich recht attraktiv f├╝r kleine Firmen.

Es gibt f├╝r den Rechner auch zwei Softwarepakete: Eines f├╝r Immobilienmakler und ein Paket zur Berechnung von Sozialleistungen. Camputers nutzt dieses, um seine Computer in den B├╝ros des Ministerium f├╝r Gesundheit und soziale Sicherheit (Department of Health and Social Security) zu platzieren.

Die Insolvenz

Charles versucht einen Investor f├╝r Camputers zu finden, um Geld in die Firma zu bekommen. Im Mai 1984 gibt Charles bekannt, dass es zwar einen Interessenten gibt, der die Lynx Serie weiter produziert m├Âchte, aber noch kein konkretes Angebot abgegeben worden sei. Um Kosten zu Sparen, werden 24 Mitarbeiter, unter ihnen John Shirreff, entlassen und f├╝r Anfang Juni eine Gl├Ąubigerversammlung einberufen. Charles hofft noch, dass sich vor der Versammlung ein K├Ąufer f├╝r das angeschlagene Unternehmen finden wird, ansonsten steht die Liquidation bevor. Camputers Schulden betragen zu diesem Zeitpunkt ┬ú1,8 Mio., davon ┬ú877.000 bei ihrer Muttergesellschaft. Das Kapital des Unternehmens wird auf insgesamt ┬ú94.250 gesch├Ątzt.

Den Sommer ├╝ber werden durch die beiden Liquidatoren Hacker Young & Partners und Cork Gully zwei m├Âgliche ├ťbernahmeangebote ausgehandelt, eines davon mit dem Papier und Schreibwarenunternehmen Spicers, aber keines kommt zustande. Im Dezember wird Camputers geschlossen und die verbliebenen Verm├Âgenswerte f├╝r ┬ú24.000 an Anston Technology verkauft, eine Firma, die speziell f├╝r den Aufkauf dieser gegr├╝ndet wurde. Ein Gesch├Ąftsf├╝hrer von Anston Technology leitet auch Braefield Chapman Ltd, eines von Camputers Unterauftragnehmern, denen Camputers noch Geld schuldete. Braefield Chapman hat noch Lynx Einzelteile auf Lager und bittet Greenwood Anston zu beraten, wie es mit dem Lynx weitergehen soll. Schon bald darauf wird er zusammen mit Chapman Gesch├Ąftsf├╝hrer bei Anston Technology.

Im Februar 1985 gibt Anston bekannt, dass sie nun den Lynx 128K zu einem von £399 auf £299 reduzierten Preis verkaufen wollen und bietet ein 1 MByte Diskettenlaufwerk für £269 an. Die Produktion der kleineren Modelle wird eingestellt. Anderen Unternehmen ergeht es nicht besser: Oric meldet am 1. Juni 1985 Insolvenz an und wird von Eureka Informatique aufgekauft, Acorn ist finanziell angeschlagen und wird am 20. Februar 1985 von Olivetti gerettet, Sinclair wird 1986 von Amstrad, denen es noch gut zu gehen scheint, aufgekauft.

├ťber die Jahre werden ca. 30.000 Lynx verkauft, ein Drittel in Gro├čbritannien, der Rest in Europa, haupts├Ąchlich in Frankreich, Spanien und Griechenland, weitaus weniger als die 40.000 Ger├Ąte die Camputers Anfang 1983 ank├╝ndigte alleine in diesem Jahr zu produzieren.

Geoff Sore verl├Ąsst Camputers im August 1983. Nach einem Zwischenstopp bei Control Universal, einem Hersteller von industriellen Steuerungen, und Pye Electronics, gr├╝ndet er eine Firma, die kundenspezifische Tastaturen f├╝r industrielle Anwendungen entwickelt und gr├╝ndet 1988 SmartDrive, ein Unternehmen, das Pr├Ązisionsmotoren herstellt. In den fr├╝hen 2000er Jahre zieht er sich aus gesundheitlichen Gr├╝nden aus der Gesch├Ąftswelt zur├╝ck.

Richard Greenwood ist mit seinem 1987 gegr├╝ndeten Unternehmen Circuit Solutions (Cambridge) immer noch im Elektronikgesch├Ąft.

John Shirreff wird Mitte 1984 aufgrund von notwendigen Kosteneinsparungen entlassen. Er arbeitet eine Zeit lang, teils als Freiberufler, teils als Angestellter, f├╝r verschiedene Elektronik- und Softwareprojekte. Er kehrt auch f├╝r eine Weile in das Zentrum f├╝r Atomenergieforschung und -entwicklung in Gro├čbritannien (Atomic Energy Research Establishment, A.E.R.E.) in Harwell, Oxfordshire,┬á zur├╝ck. Er hatte dort in den fr├╝hen 70er Jahre an der 3D-Visualisierung von wissenschaftlichen Daten gearbeitet. Heute ist er im Ruhestand.

Der Verkauf an Peripheral Products

Nach der Insolvenz unterst├╝tzen noch einige H├Ąndler und Gruppen den Lynx. Peripheral Products in Harrow bleibt als gro├čer H├Ąndler ├╝brig, als Dixons und Laskys den Lynx nicht weiter unterst├╝tzen. Bob Jones, der Gesch├Ąftsf├╝hrer von Peripheral Products, schafft es 1986 die Restbest├Ąnde, inklusive aller Rechte an den Designs und tausenden von Kassetten, von Camputers bzw. Anston Technologie zu erwerben. Jones gr├╝ndet die National Lynx User Group, in der mit ihren 600 Mitgliedern ca. 10% aller Lynx Anwender in Gro├čbritannien vertreten sind. Insgesamt erscheinen f├╝nf Magazine. Nach vier Jahren erscheint die letzte Ausgabe als Doppelausgabe.

Die Gruppe plant auch einen Super-Lynx zu entwerfen, ist aber zu sehr damit besch├Ąftigt, Ersatzteile und technische Daten f├╝r bestehende Lynx Anwender bereitzustellen, so dass das Projekt nie verwirklicht wird.

For der National Lynx User Group gibt es auch andere Gruppen, wie z.B. die von Bob Poate gegr├╝ndete National Independent Lynx User Group (NILUG), die sechs Magazine herausbringt. Die Reading Lynx User Group ist eine kleine Gruppe von Enthusiasten, die es schaffen CP/M 2.2 auf einem Lynx 96K im 40 Zeichen/Zeile Modus zum Laufen zu bringen. Das Kunstst├╝ck erfordert einige Hardware-├änderungen auf dem Mainboard. Die Gruppe erstellt auch eine ROM Erweiterung f├╝r den Lynx 96K unter dem Namen Scorpion. Die Lynx Revival Group wird erst 1988 gegr├╝ndet. Die kleine Gruppe ver├Âffentlicht einige innovative Projekte und sechs Public-Domain-Disks. Drei Jahre sp├Ąter benennt sie sich in die Lynx Disk User Group um, die zwei weitere Public-Domain-Disks ver├Âffentlicht, bevor sie sich 1992 aufl├Âst.

Danksagungen & Links
Einige Bilder und Informationen stammten aus folgenden Quellen:

The Lynx effect: The story of Camputers‘ mighty micro
Wikipedia Camputers Lynx
Wikipedia Motorola 6845
Wikipedia List of home computers by video hardware
History of the Lynx
Review: Camputers Lynx, „Missing Lynx“, Computing Today, Juni 1983