Acorn

Die Vorgeschichte

Hermann HauserHermann Hauser, der Gr├╝nder von Acorn, wurde in Wien geboren. Nach seinem Abschluss an der Wiener Universit├Ąt, zieht er nach Cambridge um zu promovieren. Anschlie├čend arbeitet er noch ein weiteres Jahr in den Cavendish Labors.

Acorn System 1Am 5. Dezember 1978 gr├╝ndet er, zusammen mit Chris Curry, eine kleine Firma mit Namen┬áCambridge Processor Unit Ltd (CPU). Die Firma entwickelt zun├Ąchst einen Controller f├╝r einen elektronischen Spielautomaten f├╝r Ace Coin Equipment (ACE) in Wales, der die Grundlage f├╝r ihren ersten Mikrocomputer wird. Der ACE Controller basiert zun├Ąchst auf dem National Semiconductor SC/MP Mikroprozessor, dann wird aber der g├╝nstigere 6502 von MOS Technology eingesetzt.

CPU entwickelt auf Basis des SC/MP Prozessors auch ein Mikrocomputersystems, das 1979 ver├Âffentlicht wird und das erste Produkt der┬áAcorn Computer Ltd, ein Markenname den CPU verwendete, um zwei Produktlinien voneinander zu trennen, wird. Der Bausatz wird zun├Ąchst Acorn System 75 genannt. Der Acorn Mikrocomputer, der von dem Cambridge Student┬áRoger Wilson entwickelt wurde, wird sp├Ąter in Acorn System 1 umbenannt. Ca. 15 Jahre sp├Ąter, 1994, unterzieht sich Roger Wilson einer Geschlechtsanpassung und nennt von da an Sophie Mary Wilson.

Dem System 1 folgen noch die Systeme 2 bis 5, bis Wilson ihnen mitteilt, dass er einen Computerbausatz erstellen k├Ânne, der besser sei, als alle bisher auf den Markt verf├╝gbaren (sp├Ąter, nach seinem Abschluss tritt Wilson Acorn bei). Hauser und Curry sind damit einverstanden einen Prototypen zu entwickeln und ihn, falls er gut ist, auch zu verkaufen. Eine Woche sp├Ąter erscheint Wilson mit dem Prototypen und einer selbstgeschriebenen Systemsoftware, die noch in ein PROM gebrannt werden musste. Hauser zweifelt, dass die Software fehlerfrei ist und fragt, wie er diese denn ├╝berpr├╝ft h├Ątte. Wilson entgegnet aber nur, dass dieses nicht notwendig sei, da er diese gleich von Anfang an korrekt programmiert h├Ątte. Tats├Ąchlich sind aber noch zwei kleine Fehler vorhanden, die aber f├╝nf Minuten sp├Ąter beseitigt sind.

Die Firma beginnt mit der Herstellung des Computerbausatzes, der 1979 auf den Markt kommt. Zeitgleich erscheint in den USA von Apple ebenfalls der erste Rechner. Hauser verfolgt mit seinem Bausatz zwei wesentliche Punkte: Zum einen soll der Rechner technologisch vor allen Konkurrenten liegen, zum anderen soll er einfach zu benutzen sein. „Einfach zu benutzen“ hei├čt in der damaligen Zeit allerdings, dass Programme per Hexcodes eingegeben werden m├╝ssen. Auf einer Computermesse stellen sie den neuen Rechner fertig zusammengebaut vor. Auf dieser soll sich auch folgendes ereignet haben (Ausschnitt aus einem Interview mit Hauser):

‚Onto the stand came a nine-year-old boy with his younger brother in tow. And he said: „Look, Johnny, this is the new Acorn machine.“ I thought, precocious whizzkid, knows the Acorn. And he said: „Look, Johnny, this is a hexadecimal keyboard.“ And I thought, this kid’s really picked up some jargon here. Then he said: „Look, Johnny, it says Mem here; this is probably for memory.“ So I thought, this will throw him. So he pressed Memory, and said: „Ha! You’ve got four hexadecimal digits here: this must be the address.“ He went on like this through the whole thing. I was just completely flabbergasted, because he knew more about it than I did.‘

Aber so kompliziert der Bausatz auch f├╝r Erwachsene ist, er ist doch leichter zu bedienen, als die Konkurrenzprodukte; auch ist der Rechner erweiterbar, u.a. mit einer Videokarte oder mehr Speicher.

Der Atom

Acorn Atom Der n├Ąchste Rechner von Acorn ist der ATOM, der im M├Ąrz 1980 auf dem Markt erscheint. Seine Platine ist im wesentlichen ein System 3 Board, das ├╝ber zwei ungew├Âhnliche Features verf├╝gt: Zum einen kann man ihn an einen Fernseher anschlie├čen, zum anderen besitzt er ein richtiges Geh├Ąuse mit Tastatur. Dieser neue Rechner wird in ganzseitigen Anzeigen in Practical Electronics beworben und kostet ┬ú120 als Bausatz und ┬ú170 fertig zusammengebaut. Der ATOM hat einen derartig gro├čen Erfolg, dass Hauser und Curry die eintreffenden Schecks sackweise zur Bank bringen k├Ânnen.

Die junge Firma braucht aber schnell mehr Geld, da die ┬ú200 Startkapital, die Hauser und Curry eingebracht haben, auch 1978 nicht ausreichend f├╝r eine Firmengr├╝ndung sind. So stattet Hauser dem Manager der ├Ârtlichen Bank einen Besuch ab. Von diesem bekommt er einen ersten Kredit ├╝ber ┬ú5000, einen zweiten ├╝ber ┬ú10000. Weitere Kredite nimmt Hauser noch in den n├Ąchsten Monaten auf.

Der BBC Micro

The Mighty MicroIm Jahr 1979 produziert die BBC (British Broadcasting Corporation) die dreiteilige Serie „The Silicon Factor“, welche die sozialen Auswirkungen der Mikrochip-Revolution behandelt. Im November desselben Jahres beginnt die BBC mit den Vorbereitungen einer zehnteiligen Serie unter dem Arbeitstitel „Hands on Micros“ und ab Oktober 1981 ausgestrahlt werden soll. Diese Serie soll Zuschauer an den Computer heranf├╝hren und ihnen dabei helfen sich f├╝r einen zu entscheiden. Die Serie bildet den Start des BBC Computer Literacy Project (CLP), das vom Produzenten der Serie „The Silicon Factor“ David Allen geleitet wird. Sie wird als Reaktion auf die sehr einflussreiche ITV Dokumentation „The Mighty Micro“, die auf dem gleichnamigen Buch basiert, gestartet, in der Dr. Christoph Evans vom National Physical Laboratory in London die bevorstehende Mikrocomputerrevolution und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Industrie und unser┬áallt├Ągliche Leben voraussagt.

Die BBC will ihr Projekt auf einen Computer aufbauen, der in der Lage sein soll, all die Dinge zu machen, die in der Serie „The Computer Programme“ ziemlich gut erkl├Ąrt werden. Er muss folgende Themen abdecken: Teletext/Telesoftware, Kommunikation, Steuerhardware, Programmierung, k├╝nstliche Intelligenz, Grafik, Sound usw. Sie setzen ein Papier auf, dass die Leistungsmerkmale enth├Ąlt und gehen auf die Suche nach einen Hersteller. Zwar f├╝hrt die BBC erste Gespr├Ąche mit Clive Sinclair, aber dieser versucht den NewBrain an sie zu verkaufen, der die Spezifikationen nur sehr ansatzweise erf├╝llt. Die BBC nimmt aber auch zu anderen Firmen Kontakt auf, u.a. mit Acorn und Dragon Data. Insgesamt kontaktiert die BBC sieben Unternehmen von denen sie denken, dass sie in der Lage sind einen geeigneten Computer zu entwerfen.

Einer Legende zufolge entschied sich die BBC zuerst f├╝r den NewBrain, aber w├Ąhrend der Entwicklung traten Problemen auf, so dass das Ger├Ąt nicht im Oktober 1981 zur Ausstrahlung vom Hands on Micros fertig geworden w├Ąre. Angeblich zwang dieses die BBC dazu den Starttermin der Serie zu verlegen und sie schlie├člich als „The Computer Programme“ im Januar 1982 auszustrahlen. Eine BBC Dokumentation aus dem Jahr 1983 best├Ątigt die Probleme bei der Entwicklung der Hardware, die aber nichts mit denen bei Newbury Labs zu tun haben. In der Dokumentation wird auch erl├Ąutert, dass der Vertrag mit Acorn, die BBC Maschine zu entwickeln, schon im Februar 1981 geschlossen wurde.

BBC MicroEin kleines Team bei Acorn, mit Steve Furber als Chefdesigner und u.a. Roger Wilson und Ramesh Bannerji, arbeiten drei N├Ąchte durch, um einen Prototypen, den Arcon Proton, Radcliffe und anderen BBC Direktoren rechtzeitig zu pr├Ąsentieren. Der Proton erf├╝llt nicht nur die Spezifikationen der BBC, er ├╝bertrifft sogar fast alle und ist somit der klare Gewinner und 1981 schlie├čt Acorn einen Vertrag mit der BBC ab. Acorn braucht jetzt aber wieder Geld und Hauser versucht bei seiner Hausbank diesmal 1 Million Pfund locker zu machen. Dieses wird ihm verweigert. Barclays nutzt die Chance und leiht Acorn die 1 Million Pfund.

BBC Micro Modell BAm 1. Dezember 1981 erscheint das erste Modell, das BBC Modell A mit 16 KByte RAM und wird f├╝r ┬ú235, das BBC Modell B mit 32 KByte RAM f├╝r ┬ú335 verkauft und wird zum „de facto“ Standard in den Schulen. Der Rechner verf├╝gt auch noch ├╝ber ein nettes Feature, ├╝ber das sp├Ąter auch der Sinclair Spectrum verf├╝gt: Er kann blinkenden Text darstellen. Selbst virtuelle Bildschirme mit bis zu 1280 x 1024 Pixeln werden unterst├╝tzt und entsprechende Befehle sind im Basic schon implementiert.

Der reduzierte Speicher des Modell A bedeutet, dass nicht alle m├Âglich Grafikmodi dargestellt werden k├Ânnen. Die Grafikmodi sind mit 0 bis 7 bezeichnet, von denen das Modell A die Modi 0 bis 3 (darunter 640 x 256 in 2 Farben, 320 x 256 in 4 Farben, 160 x 256 in 8 Farben) nicht darstellen kann.

Die Soundf├Ąhigkeiten sind ebenfalls sehr gut: 4 Kan├Ąle (3 x Sound, 1 x Rauschen) und optional ein Hardware-Sprachsynthesizer werden unterst├╝tzt. Der Synthesizer basiert auf Phonemen, die vom BBC-Sprecher Kenneth Kendall gelesen und digitalisiert wurden. Als Prozessor wird der 6502A mit 2 MHz eingesetzt, sp├Ątere Modelle verwenden den 6512A mit derselben Taktfrequenz.

BBC Micro DriveDer Hardwaresupport erlaubt (fast) alles anzuschlie├čen, was bisher an Rechner anschlie├čbar ist: Cartridges, Kassettenrekorder, Drucker per Centronics-Port, RS-432 Ger├Ąte, Diskettenlaufwerke, TV/Monitor, Analog-Joysticks und ein Userport stehen zur Verf├╝gung. Das g├╝nstigere Modell A besitzt einen TV-Anschluss, der Modell B einen RGB-Monitoranschluss. Wer ├╝ber genug Kleingeld verf├╝gt, kann sogar eine Festplatte mit 5, 10 oder 20 MByte Speicher anschlie├čen. Optional gab es Econet, Acorns Netzwerktechnologie mit 100 Kbit/s ├ťbertragungsgeschwindigkeit.

Es kann sogar ein zweiter Prozessor (6502, Z80 (f├╝r CP/M), 32016 und ARM1) eingesetzt werden. Acorn ist so stolz auf die Technologie, die einen zweiten Prozessor erlaubt, dass diese als Warenzeichen eingetragen wird: The Tube.

Das Modell A kann sehr einfach auf das Modell B aufger├╝stet werden. Es muss nur zus├Ątzlicher RAM eingesteckt werden und der f├╝r den User/Druckerport ben├Âtigte 6522 VIA, dessen Zeitgeber auch viele Spiele benutzen. Um ihn auf ein vollwertiges Modell B aufzur├╝sten, kommt man um ein paar L├Âtarbeiten nicht herum, denn die zus├Ątzlichen Anschl├╝sse werden mit dem Board verl├Âtet.

Das BBC Modell B mit zweiten 6502 Prozessor entwickelt sich sp├Ąter zum Master Turbo, das Modell B mit dem zweiten Z80 Prozessor wird sp├Ąter zum Master 512, aber besitzt einen 80186 als Hauptprozessor.

1982 erreicht der BBC Micro in England einen hohen Verbreitungsgrad. Acorn sch├Ątzt, dass ca. 12.000 St├╝ck verkauft werden, tats├Ąchlich werden es aber schlie├člich ├╝ber 1,5 Millionen BBC Micros. David Allen ist Produzent┬ádes w├Âchentlichen BBC TV Magazins „Micro Live“, die Teil des „BBC Computer Literacy Project“ ist und vom 2. Oktober 1983 bis 1987 l├Ąuft. John Radcliffe als Produktionsleiter hat die Gesamtleitung inne.

Die BBC dreht noch einige weitere Serien ├╝ber den BBC Mirco, darunter: „The Computer Programme“, „Making the Most of The Micro“, „Computers In Control“ (├╝ber Roboter und Hardware) und „Doomsday Project“ im Jahre 1986. In vielen weiteren Serien (u.a. „Dr.Who“) und Trailern, wird der BBC Mirco gezeigt, oder er produziert einige Grafikeffekte.

Bill Gates kommt sogar extra zu einem Gespr├Ąch nach England, um Hauser zu fragen, ob Acorn MS-DOS adaptieren m├Âchte. Aber weder MS-DOS, noch MS-BASIC wird von Acorn lizenziert. Wilson hat seinen eigenen Interpreter entwickelt, der MS-BASIC in jedem Punkt schl├Ągt. Und zu dem Vorschlag, MS-DOS zu adaptieren, bekommt Bill Gates nur als Antwort, er solle sein Betriebssystem mit ihrem eigenen System vergleichen und wird feststellen, dass sie mit MS-DOS einige Schritte zur├╝ck machen w├╝rden.

Das Betriebssystem enth├Ąlt u.a. Netzwerk-F├Ąhigkeiten, die von Andy Hopper entwickelt wurden und als „Cambridge Ring“ bekannt werden, noch Jahre vor Ethernet (und in einigen Punkten auch besser). Teile des „Cambridge Ring“ werden sp├Ąter sogar noch bei ATM (Asynchronous Transfer Mode) benutzt. Allerdings verpasst Acorn die Chance diese Technik zu standardisieren. 1984 kopiert Apple den Cambridge Ring unter den Namen AppleTalk. Das BBC Basic wird aber auf einige Systeme portiert, u.a. dem IBM-PC und Apple Mac. Bei zwei Rechnern ist es sogar standardm├Ą├čig vorhanden: Beim Z88 (von Sinclair) und dem Tatung Einstein.

Der Electron

Acorn ElectronGerade weil der BBC B auch gut zu erweitern ist, ist er auch recht teuer. Sinclair hat gerade den ZX Spectrum, der aber noch nicht zu kaufen ist, vorgestellt, da entscheidet Hauser im Juni 1982, noch nicht einmal zwei Monate nach der Vorstellung des Spectrums, dass Acorn eine konkurrierendes Ger├Ąt entwickeln soll. Dieses Ger├Ąt soll g├╝nstiger sein als der gut zu erweiternde (und deshalb auch teure) BBC B. Sinclair veranschlagt f├╝r den ZX Spectrum mit 48 KByte ┬ú175, Hauser nennt in der Popular Computing Weekly als Preisvorstellung f├╝r die neue Maschine ┬ú120 bis ┬ú150 und gibt bekannt, dass der Acorn Electron noch im dritten Quartal diesen Jahres zu kaufen sein wird. Hiermit m├Âchte Acorn auch auf den Markt f├╝r preisg├╝nstige Computer Fu├č fassen, der derzeit in Gro├čbritannien von Sinclair mit seinem ZX81 beherrscht wird.

Der Acorn Electron erscheint Sommer 1983. Chris Curry bezeichnet ihn als direkten Konkurrenten zum ZX Spectrum, ist der Electron doch auf einen g├╝nstigen Einstiegspreis hin entwickelt worden ohne aber wesentliche Einschr├Ąnkungen in Bezug auf die Erweiterbarkeit hinnehmen zu m├╝ssen: Er verf├╝gt ebenfalls ├╝ber das sehr gute BBC-BASIC und alle Grafikmodi (bis auf den Teletext-Mode f├╝r den ein extra Chip, der SAA5050, ben├Âtigt werden w├╝rde). Anstelle von drei Soundkan├Ąlen hat er nur einen und die teuren Expansionsports wurden entfernt, diese sind aber mit einer Zusatzkarte „Plus 1“ und „Plus 3“ wieder verf├╝gbar.

Acorn Electron Plus 1Um die Kosten senken zu k├Ânnen, verf├╝gt der Electron nicht ├╝ber die 6845 CRTC und die Memory-, Serial-IO und Timer-Chips des BBC, sondern nur ├╝ber eine ULA (Uncommitted Logic Array), die von Steve Furber, der schon den BBC Micro mitentwickelt hat, entworfen wird. Damit bedient sich Acorn desselben Tricks, den Sinclair beim Sprung vom ZX80 zum ZX81 vollzogen hat: Sind beim ZX80 noch haupts├Ąchlich Standard TTL-Bausteine verbaut, werden diese im ZX81 durch einen einzigen Chip ersetzt. Mit der ULA erkauft man sich aber auch ein paar Nachteile: Hardware-Scrolling wird nicht unterst├╝tzt und die Grafikmodi 0, 1 und 2 sind merklich langsamer. Zudem sind Speicherzugriffe aufgrund des Wechsels zu 64 Kbit DRAMs deutlich langsamer, war die BBC Micro Architektur doch nur f├╝r 32 KByte ausgelegt und der doppelt so gro├če Speicher zwingt die Entwickler dazu die Speicherbandbreite zu begrenzen. Um weitere Kosten zu sparen, besitzt der Electron auch noch ├╝ber eine einfachere Tastatur ohne zus├Ątzlichen Funktionstasten.

Acorn Electron ULAIm November 1982 berichtet ein Unternehmenssprecher, dass die neue Maschine bis auf die ULAs, fertig zur Auslieferung ist. Dasselbe Versprechen wiederholt Curry im Januar 1983 und verspricht, dass der Electron im M├Ąrz ausgeliefert werden soll. Curry ist sich seiner Sache sicher: Das Design des Electrons mit Board, Geh├Ąuse und Tastatur ist fertiggestellt, auf ihnen findet man den Aufdruck „Copyright 1982“, aber die ULA verz├Âgert sich. Laut Furber liegt es nicht an der Komplexit├Ąt des Schaltkreises oder dem Auftragsfertiger Ferranti, sondern mit Problemen an den Videoschaltkreisen. Acorn hatte beim BBC Micro Probleme mit der ├ťberhitzung des Videochips, deshalb legte man viel Wert auf das High-Speed Design der ULA. Leider gibt es trotzdem Probleme mit den hochaufl├Âsenden Grafikmodi 0 (640 x 256 Pixel in zwei Farben). In diesem Mode fangen Pixel an vereinzelt zu blinken und die Farbe zu wechseln.W├Ąhrend Ferranti an einen Design-Fehler glaubt, meint Furber, dass das Problem bei Ferranti liegt. Letztendlich wird das Problem durch Auswechseln des Spannungsreglers und damit verbundenen Anheben der Spannung behoben. Die ULA ist mit ├╝ber 2400 Gatter der bisher gr├Â├čte Chip, den bisher ein Hersteller in einen Microcomputer verwendet hat. Mit 68 I/O Pins und 30mm Kantenl├Ąnge ist er sogar gr├Â├čer als der 6502 Prozessor.

Wird zun├Ąchst verk├╝ndet, dass der Electron nur ├╝ber einen TV-Anschluss und ein Kassetteninterface verf├╝gen wird, kommen noch ein Composite Video Anschluss, ein Monochrom Monitor Anschluss und ein Expansionsbus hinzu. Alle anderen BBC Schnittstellen sind aus Kostengr├╝nden nicht vorhanden. So kann man den Preis von ┬ú150 f├╝r das 32 KByte Modell halten. Leider muss man wiederum den Erscheinungstermin verschieben, jetzt von Ende Mai auf Ende August. Offiziell wird der Electron am 25. August 1983 auf der Acorn User Exhibition in Londons Cunard Hotel in Hammersmith vorgestellt und die Auslieferung kann beginnen.

Soll der Electron urspr├╝nglich f├╝r ┬ú120 verkauft werden, kommt er f├╝r ┬ú199 in die L├Ąden. Damit ist er um einiges teurer als der ZX Spectrum, den Sinclair auf ┬ú129,95 gesenkt hat. In der Fachpresse erh├Ąlt er recht gute Bewertungen, auch wegen des Keyboards. Ein Kritikpunkt bleibt aber der langsame Speicher: Man hatte, um Kosten zu sparen, vier 64 Kbit Chips verwendet und konnte so nur 4 Bit auf einmal einlesen. Damit verdoppelte sich die Zugriffszeit und Zugriffe sind signifikant langsamer als beim BBC Micro. Auch die Grafik ist durch die ULA langsamer: In den Modi 0, 1 und 2 ist der Speicherzugriff der ULA interleaved mit dem Prozessorzugriff, im Mode 3 wechselt es sich Zeilenweise mit dem Prozessor ab, in den Modi 4, 5 und 6 l├Ąuft der Prozessor mit 1 MHz. Damit braucht ein Programm in den Modi 0, 1 und 2 ├╝ber 2x, im Mode 3 immerhin nich 1,5x so lange, wie in den Modi 4, 5 und 6.

Plus 1 und Plus 3Weihnachten besteht eine derart gro├če Nachfrage an Electrons, dass Acorn diese nicht befriedigen kann; ca. 100.000 bis dahin produzierten Maschinen steht eine Nachfrage nach ca. 150.000┬á Ger├Ąten gegen├╝ber, so dass viele potentielle K├Ąufer sich f├╝r den ZX Spectrum von Sinclair entscheiden. Von den erhofften 300.000 BBC Micros und Electrons, werden nur 200.000 verkauft. 1984 erscheint zudem der Amstrad CPC zusammen mit einem Monitor, Kassettenrecorder und einem vern├╝nftigen Basic. Das gibt dem Electron den Rest.

Der BBC Master

1984 bricht der Heimcomputermarkt zusammen. Atari und Commodore werden verkauft, Apple geht es sehr schlecht und auch Acorn muss k├╝rzer treten, da der BBC immer weiter zur├╝ckf├Ąllt. Zwar erscheint in diesem Jahr noch der BBC Micro Modell B+, ein BBC B mit 64 KByte oder als B+128 mit┬á128 KByte RAM. Da er aber ├╝ber sonst keine Verbesserungen verf├╝gt, wird er nicht sehr h├Ąufig verkauft.

Einen Gro├čteil der Gelder steckt in die Entwicklung eines neuen Rechners, den┬áBBC Master, dem ARM-Projekt und dem Acorn Business Computer (ABC), der sich letztendlich als Fehlinvestition erweisen sollte. Die Expansion in die USA verschlingt weitere Millionen US-Dollar: Der BBC Micro muss die Anforderungen an die Abstrahlung erf├╝llen und die daf├╝r erforderlichen Anpassungen kosten Acorn letztendlich US$ 20 Millionen. Von den f├╝r den amerikanischen Markt modifizierten BBC Micros, u.a. musste die TV-Norm an NTSC angepasst werden, werden nur wenige verkauft.

Aufgrund der schwierigen Situation verhandeln Hauser und Curry mit Olivetti und vereinbaren am 20. Februar 1985, dass diese ┬ú12 Millionen┬á in Acorn investieren und daf├╝r einen Aktienanteil von 49,3% erhalten. Der Gro├čteil des Geldes wird zur Tilgung der Verluste des letzten Halbjahres benutzt, die immerhin ┬ú11 Millionen betragen haben. War Acorn zu seinen besten Zeiten ┬ú190 Millionen an der B├Ârse wert, sind es jetzt nur noch knapp┬á┬ú25 Millionen. Ein halbes Jahr sp├Ąter, im September, ├╝bernimmt Olivetti schlie├člich 79% von Acorn.

BBC Master1985 ver├Âffentlicht Acorn den BBC Master in mehreren Versionen: Master 128 (128 KByte RAM), Master Turbo, Master ET („Econet Terminal“ ohne Kassettenrekorder oder Diskettenlaufwerk), Master 512 (mit 512 KByte RAM und der F├Ąhigkeit DOS+ und GEM laufen zu lassen), Master Compact (nur ADFS, kein Cassettenanschluss).

Der Master besitzt bessere Grafikaufl├Âsungen und neue professionelle Features. Er besitzt auch zwei Cartridge-Ports (wie beim Electron Plus 1). Trotzdem ist der Master nur ein L├╝ckenb├╝├čer, der Geld f├╝r das n├Ąchste gro├če Projekt bringen soll; allerdings hat er schwer mit dem Atari-ST zu k├Ąmpfen, der g├╝nstiger ist.

Der Archimedes

Acorn Archimedes Der Acorn Archimedes erscheint Juni 1987 in vier Varianten, als A305, A310, A410 und A440, und ist der erste Heimcomputer, der einen RISC Prozessor verwendet. Der A305 wird mit 512 KByte RAM und der A310 mit 1 MByte RAM geliefert (ein A305 kann zu einem A310 erweitert werden, indem man einfach den Speicher nachr├╝stet) und verf├╝gt ├╝ber zwei Erweiterungsslots (2×64 Pins). Der A410 kommt mit 1 MByte RAM, der A440 sogar mit unglaublichen 4 MByte RAM und einer 20 MByte Festplatte, und hat vier Slots (einer mit 96 Pins). Die A300 Modelle, die haupts├Ąchlich f├╝r Heimanwender gedacht sind, k├Ânnen ├╝ber eine Zusatzplatine „Podule“ zu einem A400 Modell, das f├╝r Gesch├Ąftsleute oder technische Anwendungen konzipiert wurde, aufger├╝stet werden.

Als der A440 erscheint, verlangt Acorn für die Modelle A305 und A310, £799 bzw. £875, und für das Spitzenmodell A440 stolze £2299. Der Farbmonitor kostet noch einmal £200 extra.

Alle Modelle werden mit dem sehr schnellen BBC Basic V, Desktop Manager (GUI) und einem BBC Modell B Emulator geliefert. Bis zum A3020 tr├Ągt er noch das BBC Logo, obwohl er nicht mehr kompatibel zum BBC ist (bis schlie├člich ein 6502 Emulator zum RISC OS geliefert wird).

Der Archimedes ist dem BBC/Master weit ├╝berlegen. Mit seinem 32-Bit ARM RISC Prozessor ist er ├╝ber 10-mal schneller als ein vergleichbarer PC zu dieser Zeit (386/16MHz) und leistet 4 MIPS. Man erinnere sich nur an das von David Elite Braben geschriebene 3D-Demonstrationsspiel „Lander“, auch bekannt als „Zarch“, von Superior Software.┬á Die CPU wird mit 8 MHz getaktet und ihm stehen spezielle Speicher- („Anna“), Video- („Arabella“) und I/O-Controller („Albion“) zur Verf├╝gung. Diese werden, wie alle anderen Zusatzbausteine, u.a. von Tudor Brown und Mike Muller entworfen.

1988 erscheint RISC OS (Codename „Arthur“),┬á ein Multitasking OS und GUI, das u.a. auch Anti-Aliasing bei den Fonts und Laser-Drucker unterst├╝tzt. Entworfen wird es von einem Team um Paul Fellows. Die ersten Maschinen werden noch mit Arthur 0.2 ausgeliefert. Dieses wird aber schnell durch Arthur 0.3 und 1.2 abgel├Âst. Ende 1988 erscheint RiscOS 2, 1989 dann RiscOS 3.0.

Im Februar 1989 wird der R140 vorgestellt, die erste Unix Workstation unter ┬ú4000. Als Betriebssystem wird Risc iX mitgeliefert, eine Unix f├╝r ARM Variante. Im Juni 1990 folgen ihm der R225 und R260. Der R260 kostet zum Erscheinungstermin ┬ú5000, der A540, der mit 4 MByte RAM nur halb soviel Speicher besitzt, nur die H├Ąlfte des R260. Nur knapp drei Jahre sp├Ąter, Anfang 1992, wird die Weiterentwicklung von Risc iX eingestellt.

Im Mai 1989 erscheint dann der A3000 (der neue BBC Microcomputer). 1990 gr├╝ndet Acorn die Advanced RISC Machines Ltd (ARM) in Zusammenarbeit mit Apple Computer Inc und entwickeln den ARM Prozessor (u.a. von denselben Leuten, die auch f├╝r den ersten Computerbausatz verantwortlich waren). Beide Unternehmen halten je 43% Anteile an dem Unternehmen mit VLSI als zus├Ątzlichen Investor und ersten Lizenznehmer f├╝r ARM Prozessoren. Zu dieser Zeit kommt auch der A5000 auf den Markt. Dieser setzt einen 25 MHz ARM 3 Prozessor ein, der sp├Ąter mit 33 MHz getaktet wird. Er ist als Nachfolger f├╝r die professionell orientierte A400 Serie gedacht.

Acorn A4 1991 kommt der A4 auf den Markt, eine Laptop Version des Archimedes (der erste Laptop mit einem RISC Prozessor und auch schnellste). Er ist f├╝nfmal schneller als ein 486er mit 50 MHz und das Betriebssystem ist in einem 2 MByte gro├čem ROM untergebracht. Das Display ist 9″ gro├č und die Akkus erlauben eine Laufzeit von 3 Stunden.

Nach dem A4 bringt Acorn 1994 die RiscPC auf den Markt. Der RiscPC 600 verwendet den ARM 610 mit einer Taktfrequenz von 30 MHz und als Betriebssystem RiscOS 3.5. 1995 erscheint der Nachfolger RiscPCRiscPC 700. Die RiscPCs besitzen 2 Steckpl├Ątze f├╝r die CPUs, wobei der 2. Steckplatz f├╝r eine x86-Karte verwendet werden kann. Hiermit ist es sogar m├Âglich, Windows (3.x) in einem Fenster laufen zu lassen. Mit diesen Prozessorsteckpl├Ątze ist es sogar m├Âglich in einem RiscPC 600 einen StrongARM (mit 200 MHz) einzubauen. Es muss lediglich das Betriebssystem aktualisiert und die Karte getauscht werden. Auch die ├ťbertaktung der Prozessoren ist m├Âglich, so dass ein StrongARM ohne weiteres mit 287 MHz laufen kann.

1997 erscheint der A7000+, eine einfachere Variante des RiscPC 700. Bei diesem muss sich der Anwender f├╝r entweder eine Erweiterungskarte oder ein CD-ROM Laufwerk entscheiden und es gibt kein VRAM. Daf├╝r ist der Rechner recht klein und g├╝nstig.

Set-Top-Boxen und Netzwerkcomputer

1994 versucht Acorn mit der Acorn Online Media┬áin das VOD (Video-on-Demand) Gesch├Ąft einzusteigen, verspricht man sich davon doch hohe Gewinne. Bis auf ein paar Projekte im Bildungsbereich, blieb der VOD Boom jedoch aus. Als Larry Ellision, der Gr├╝nder der Oracle Corp., schlie├člich die Bedeutung von Netzwerkrechnern Anfang 1995 herausstellt und┬áMalcolm Bird, Gesch├Ąftsf├╝hrer der Acorn Online Media, erkennt, dass es sich hierbei praktisch um eine VOD Set-Top-Box handelt, verhandeln Acorn, Olivetti und Oracle ├╝ber eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines Netzwerkcomputers. Im Februar 1996 gr├╝nden sie die Acorn Network Computing, die ab August dann den Acorn Network Computer vertreiben und f├╝r Oracle den Netsurfer entwickeln,┬ázu dem es sp├Ąter noch einen Nachfolger, die Netstation, gibt. Das Betriebssystem ist NC OS 1.06 (ein modifiziertes RiscOS 3.6). Aber auch diese Technik stellt sich sp├Ąter als wenig attraktiv heraus.

Die Umstrukturierung

RiscPC 7000+ Odyssey

Zwischen 1996 und 1998 verkauft Olivetti Teile der Acorn Group. Acorn wird restrukturiert und Tochtergesellschaften wieder eingegliedert. Der Workstation-Bereich wird Ende 1998 von Acorn RISC Technologies ├╝bernommen und Acorn selbst stellt die Produktion von Desktop-Computern endg├╝ltig ein. ARM, nach dem B├Ârsengang 1998 als ARM Holding neu eingetragen, geht es zunehmend besser.

Acorn Computers Limited wird Anfang 1999 zu Element 14 Limited umbenannt und soll fortan als reines Entwicklungsunternehmen im Bereich der DSPs (Digital Signal Processor) fungieren, ├Ąhnlich wie es ARM bei den Prozessoren vormacht. Um Juni wird die Acorn Computers Group auf Druck der Aktion├Ąre an Morgan Stanley Dean Witter (MSDW) Investments Limited verkauft und f├╝hrt zu einer Auszahlung des ARM-Anteils an die Acorn Aktion├Ąre. Morgan Stanley verkauft schlie├člich den Bereich der Set-Top-Boxen (und damit auch ├╝ber RISC OS) f├╝r ┬ú200.000┬á an Pace. Element 14 wird im Juli dann von einem durch Stan Boland angef├╝hrten Team f├╝r ┬ú1,5 Millionen von MSDW gekauft. Durch den Einstieg von Bessemer Venture Partners, Atlas Ventures und Hausers Amadeus Capital Partners entwickelt Element 14 weiter DSP Produkte, bis sie November 2000 f├╝r ┬ú366 Millionen von Broadcom aufgekauft werden.

Die Entwicklung des Betriebssystems RISC OS wird von RiscOS Ltd. fortgef├╝hrt (1999: Version 4.02, 2007: Version 6) und einige Drittanbieter wollen Computer mit diesem OS anbieten. So bietet die Firma Castle Technology Ltd. u.a. die Modelle 7000+ Classic und 7000+ Odyssey an.

ARM stellt weiterhin RISC basierte Produkte her. Der ARM Prozessor ist gerade bei eingebetteten Systemen („embedded Systems“) sehr beliebt. So ist heute ist in den meisten Mobiltelefonen eine ARM-CPU verbaut.

Danksagungen & Links
Einige Bilder und Informationen stammten aus folgenden Quellen:

Quellen:
Personal Computer World, Mai 1993
The Register, AcornÔÇÖs would-be ZX Spectrum killer, the Electron, is 30
Wikimedia – Bild „Acorn System 1“, User Flibble