IBMIm Jahre 1880 wurde in den USA die alle zehn Jahre stattfindende große VolkszĂ€hlung, der Census, durchgefĂŒhrt – die umfangreichste, die das Land bis dahin gesehen hatte. Diese soll die Grundlage fĂŒr die spĂ€tere Entstehung der IBM werden.

Von Hollerith zu IBM – Herman Holleriths Tabelliermaschinen

Der Census 1880

Im Jahre 1880 wurde in den USA die alle zehn Jahre stattfindende große VolkszĂ€hlung, der Census, durchgefĂŒhrt – die umfangreichste, die das Land bis dahin gesehen hatte. Der BĂŒrgerkrieg war seit 15 Jahren vorbei, die Landwirtschaft florierte, erste Industriebetriebe entstanden, und zahllose Auswanderer aus Europa suchten ihr GlĂŒck in der »Neuen Welt«. Der Census sollte dieser Entwicklung Rechnung tragen und erfasste daher statt der bisher ĂŒblichen sieben Fragen nun ĂŒber zweihundert Punkte, um möglichst genau ĂŒber Stand, Besitz, Haushalt und Hautfarbe der schnell wachsenden Bevölkerung Auskunft zu geben. Die zentrale Auswertung in Washington erwies sich jedoch bald als sehr schwierig; sie erfolgte wie im alten Babylon durch einfaches AuszĂ€hlen. Die Fragebögen trafen in GĂŒterzĂŒgen aus dem ganzen Land ein – es war unmöglich, der Datenflut Herr zu werden, und die Ergebnisse sollten Jahre spĂ€ter noch nicht vorliegen.

Herman HollerithUnter den Hunderten von Auswertern befand sich ein junger Ingenieur namens Herman Hollerith, angestellt als Sachbearbeiter zur Erstellung einer Statistik ĂŒber »Dampf- und Wasserkraft in der Stahlindustrie«. Der ZwanzigjĂ€hrige, der gerade das College-Studium abgeschlossen hatte, fiel dabei wegen besonderer Leistung auf und erhielt bald eine Gehaltserhöhung wegen »herausragender Effizienz«.

Aus seiner Kindheit gibt es wenig zu berichten: Geboren wurde er am 29.Februar 1860 als Kind deutscher Auswanderer aus der Pfalz. Sein Vater starb, als Herman sieben Jahre alt war. AuffĂ€llig wurde der Junge, als er sich im Alter von neun Jahren weigerte, weiter die Schule zu besuchen, denn die Rechtschreibung bereitete ihm große Schwierigkeiten. Seine Mutter stellte daraufhin seine Erziehung durch einen Privatlehrer sicher. Den College-Abschluss als Ingenieur erwarb er bereits mit 19 Jahren an der Columbia School of Mines in New York.

Ein GesprĂ€ch beim GeflĂŒgelsalat

Seine Arbeit fĂŒr den Census hielt ihn jedoch nicht davon ab, intensiv am gesellschaftlichen Leben der Stadt teilzunehmen, ein Umstand, der sich, ebenso wie die Vorliebe Holleriths fĂŒr GeflĂŒgelsalat, fĂŒr die Geschichte der maschinellen Datenverarbeitung als wichtig erweisen sollte: Bei einem der Kalten Bufets im örtlichen Bootsclub machte Herman Hollerith die Bekanntschaft einer jungen Dame, die ihn schließlich einlud, bei ihr zu Hause den GeflĂŒgelsalat ihrer Mutter zu kosten. So verbrachte Hollerith einen Abend im Hause von Dr. John Shaw Billings, dem verantwortlichen Mann fĂŒr die Erstellung der Sterblichkeitsstatistik im Census-BĂŒro. Es war jener Dr. Billings, der Hollerith den Anstoß gab, sich Gedanken ĂŒber eine Maschine zur AuszĂ€hlung des Census zu machen. Hollerith nahm diese Idee dankbar auf, denn als junger Ingenieur und TĂŒftler war er zwar voller Tatendrang, jedoch, Ă€hnlich wie der junge Konrad Zuse, immer auf der Suche nach sinnvollen Anwendungen fĂŒr seine Erfindungen.

Anders als Zuse plagten Hollerith jedoch Geldsorgen; nach seiner Anstellung fĂŒr den Census hielt er einen Kurs am MIT, arbeitete kurze Zeit im Patentamt und entwickelte eine elektrische Zugbremsensteuerung. Zwar war keine dieser TĂ€tigkeiten ĂŒbermĂ€ĂŸig erfolgreich; sie brachten ihm jedoch Erfahrungen, die fĂŒr seinen spĂ€teren Erfolg mit den Tabelliermaschinen wichtig waren.

WĂ€hrend dieser Zeit machte sich Hollerith bereits Gedanken ĂŒber eine ZĂ€hlmaschine. Seine erste Idee, die Censusdaten hintereinander in einen langen Papierstreifen einzulochen, verwarf er aus praktischen GrĂŒnden bald wieder, denn »man mĂŒsste mehrere Meilen Papier durchlaufen lassen, nur um ein paar Chinesen zu zĂ€hlen.« [2]

Die »Loch-Photographie«

Der Durchbruch kam mit der Idee, statt eines Lochstreifens viele Pappkarten zu verwenden, von denen jede einzelne durch ausgestanzte Löcher an geeigneten Stellen die Daten einer Person erfaßte.

Das Prinzip der Lochkarte war dabei keine Erfindung Holleriths; sie wurden schon seit langem zur Steuerung der Jacquard-WebstĂŒhle verwendet, die ihm auch bekannt waren. Inspiriert dazu hatte ihn nach eigener Aussage ein Trick, den Eisenbahnschaffner benutzten: Sie lochten die Fahrkarten an bestimmten Stellen, um gewisse Merkmale eines Passagiers, wie Geschlecht und Hautfarbe, festzuhalten und so eine mehrfache Benutzung des Tickets durch verschiedene Personen auszuschließen. Auf diese Weise kam Hollerith auf die Idee, mit einer solchen Karte eine »Loch-Photographie« einer Person herzustellen, die wie eine echte Photographie alle charakteristischen Merkmale enthielt. Als begeisterter Photograph verglich er auch spĂ€ter noch eine VolkszĂ€hlung mit einem Photo: Der Tag der ZĂ€hlung war die Belichtung eines Negativs, und die Auswertung entsprach der Entwicklung der Aufnahme, bei der dann das Ergebnis und einzelne Details sichtbar wurden. [16]

Holleriths »Elektrisches Tabelliersystem«

Elektrisches TabelliersystemIm Jahre 1887 prÀsentierte Herman Hollerith sein »Elektrisches Tabelliersystem«, bestehend aus Lochkarten, einem Kartenlocher, einer Stiftbox als Kartenleser, elektromagnetischen ZÀhluhren und einem Sortierkasten.

Das Prinzip der Erfindung bestach durch seine Einfachheit: Die Daten eines Fragebogens wurden mit Hilfe des Kartenlochers und einer Schablone auf eine Lochkarte ĂŒbertragen. Dabei wurden Zahlenwerte nicht numerisch kodiert, sondern lediglich durch ein bestimmtes Feld dargestellt (so gab es zum Beispiel einzelne Felder fĂŒr die verschiedenen Altersgruppen). Eine fertig gelochte Karte wurde dann von Hand in die Stiftbox eingelegt und deren Hebel geschlossen. Im Innern befanden sich an jeder vorgesehenen Lochposition ein Stift, der von oben her auf die Karte drĂŒckte. War eine Stelle nicht gelocht, wurde der Stift blockiert; bei einem Loch dagegen fiel er durch, tauchte in darunterliegendes Quecksilber und schloß so einen Kontakt, der dann eine der vierzig ZĂ€hluhren weiterschaltete. Gleichzeitig öffnete sich ein Fach des Sortierkastens, in das die Karte, auch wieder von Hand, eingelegt wurde.

Genial wurde Holleriths Erfindung durch ihre FlexibilitĂ€t: Durch entsprechende Verdrahtung der Relais konnten Holleriths ZĂ€hlmaschinen den BedĂŒrfnissen der Auswertung angepasst werden, was bereits eine einfache Form der »Programmierbarkeit« darstellte. Außerdem war es durch geeignete Verschaltung möglich, mit einer ZĂ€hluhr mehrere Eigenschaften zu zĂ€hlen, die gleichzeitig zutreffen mussten, beispielsweise alle mĂ€nnlichen Schwarzen im Alter von 20-30 Jahren. Ein weiterer Vorteil war die Möglichkeit der Mehrfachauswertung: Durch den Sortierkasten konnten vorsortierte Karten erneut nach anderen Kriterien ausgezĂ€hlt werden. Auf diese Weise war es möglich, die Daten beliebig genau aufzuschlĂŒsseln und auszuwerten.

Der Census 1890

Die Tests im Vorfeld des Census fĂŒr des Jahr 1890 kann man als erste »Benchmarks« der Geschichte bezeichnen: Es gab zwei Mitbewerber, die jeweils farbige Karten verwendeten, die von Hand sortiert und gezĂ€hlt werden mussten. Bei einem Vergleichstest schlug das Hollerith-System seine beiden Konkurrenten um LĂ€ngen, sowohl was Geschwindigkeit als auch was Genauigkeit der Auswertung anbelangte.

Beim ersten großen Einsatz, dem Census des Jahres 1890, ĂŒbertraf das Hollerith-System sogar die kĂŒhnsten Erwartungen: Nach nur sechs Wochen lag eine erste grobe Auswertung der Daten vor, schon im Dezember desselben Jahres, zwei Jahre frĂŒher als geplant, konnte das offizielle Endergebnis bekanntgegeben werden (die Vereinigten Staaten zĂ€hlten 62.622.250 Einwohner). Statt wie erwartet einer halben Million wurden 5 Millionen Dollar an Kosten fĂŒr den Census gespart. Bei soviel Erfolg gab es auch einige Neider. So wurde von einigen Seiten Genauigkeit der ZĂ€hlung angezweifelt, denn man hatte eigentlich mindestens 65 Millionen Einwohner erwartet. [2]

Im »Electric Engineer« von 1891 war zu lesen: »Dieser Apparat arbeitet unfehlbar wie die MĂŒhlen Gottes, aber er schlĂ€gt sie glatt in Bezug auf die Geschwindigkeit.« [2]

FĂŒr die 2000 an der AuszĂ€hlung Beteiligten (zumeist Frauen) waren die Maschinen jedoch nicht unbedingt eine Arbeitserleichterung. Waren die bisherigen VolkszĂ€hlungen eher ein gemĂŒtlicher Nebenjob (man hatte ja mehrere Jahre Zeit), musste nun fast rund um die Uhr gearbeitet werden. Jede Stunde, die eine Maschine still stand oder ausfiel, war ein Verlust. HĂ€ufigste Ursache fĂŒr eine »Reparatur« war fehlendes Quecksilber – um eine kleine Pause zu haben, wurde es des öfteren heimlich ausgegossen.

Nachdem einige Jahre zuvor die Produktion von GĂŒtern industrialisiert worden war, bedeuteten Holleriths Tabelliermaschinen eine Industrialisierung der Informationsverarbeitung.

Vermarktung der Hollerith-Maschinen

Neu an Holleriths Lochkartensystem war nicht nur die Arbeitsweise, sondern auch die Art der Vermarktung, die mehr als drei Jahrzehnte spĂ€ter von der Firma IBM fast unverĂ€ndert ĂŒbernommen werden sollte. Hollerith hatte der Censusbehörde 56 Maschinen leihweise zur VerfĂŒgung gestellt, eine fĂŒr die damalige Zeit Ă€ußerst ungewöhnliche Praxis. Er spekulierte ganz richtig darauf, dass sich das System der Lochkarte, wenn es erst einmal etabliert war, schnell als unentbehrlich fĂŒr die Behörden erweisen wĂŒrde, und die GerĂ€te deshalb ĂŒber viele Jahre und Jahrzehnte hinweg benutzt werden wĂŒrden. Der Mietpreis von zunĂ€chst $1000 pro Jahr und Maschine (spĂ€ter sogar nur $500) war niedrig genug, um die Anschaffung des revolutionĂ€ren Systems fĂŒr den Census rentabel zu machen; ein Servicevertrag war ĂŒberdies bereits inbegriffen. Der findige Ingenieur konnte manche GerĂ€te mehrmals vermieten, da nicht alle Maschinen immer in Gebrauch waren.

Die eigentlich lukrative Einnahmequelle waren jedoch die Lochkarten: Sie wurden in riesigen StĂŒckzahlen benötigt; da sie nicht wiederverwendet werden konnten, sorgten sie fĂŒr stetige Einnahmen (eine Ă€hnliche Strategie verfolgte King Gilette: Seine Rasierapparate wurden unter Selbstkostenpreis verkauft, da die zugehörigen Rasierklingen genĂŒgend Gewinn abwarfen. [16]

Der Herstellungspreis fĂŒr 1000 Lochkarten betrug 30 Cent, verkauft wurden sie fĂŒr knapp $1 pro Tausend; spĂ€ter wurden die Maschinen sogar kostenlos zur VerfĂŒgung gestellt.

Kommerzielle Anwendung

Bis zur Jahrhundertwende exportierte Hollerith seine Maschinen nach Europa: Italien, Norwegen, Österreich und das riesige russische Zarenreich ĂŒbernahmen seine Erfindung. In Deutschland allerdings stieß das System zunĂ€chst auf Ablehnung. Die zustĂ€ndige Behörde in Berlin, die zur VolkszĂ€hlung etwa eintausend Arbeitslose und Invaliden als Hilfsarbeiter beschĂ€ftigte, fĂŒhrte vor allem soziale GrĂŒnde an:

»Wenn unsere Reichsregierung heutzutage mit allen KrĂ€ften darauf denkt und dahin zu wirken sucht, dass man nach Möglichkeit derartigen Opfern der Arbeitslosigkeit hilft (…), dann scheint es mir auch unserer Pflicht entgegen zu sein, eine mechanische Maschine Menschen vorzuziehen und vielleicht eines entbehrlichen Mehrgewinns an gewissen Einzelheiten und Kombinationen wegen eine sehr bedeutende Summe jĂ€hrlich nicht in der Weise zu verwenden, wie sie von jenen sozialpolitischen Gesichtspunkten aus verwendet werden mĂŒsste.« Polytechnisches Zentralblatt 1896, [8]

Im Jahre 1910 ĂŒbernahmen jedoch auch die Deutschen Holleriths Lochkartensystem, und noch im gleichen Jahr wurde die »Deutsche Hollerith-Maschinen Gesellschaft mbH« (DEHOMAG) gegrĂŒndet. Im Jahre 1949 ging daraus IBM-Deutschland hervor.

Hollerith erkannte schnell, dass seine Erfindung nicht allein fĂŒr VolkszĂ€hlungen eingesetzt werden konnte. Die Industrialisierung der Betriebe nahm zu, immer mehr Produkte wurden in Massenproduktion hergestellt. Als Folge fielen mehr und mehr Daten an, die ohne UnterstĂŒtzung durch Maschinen nicht mehr effizient verarbeitet werden konnten: Eisenbahngesellschaften hatten ihre Frachten zu verwalten, Versicherungen ihre Kunden, Fabriken ihre AuftrĂ€ge, Löhne, Lager und Kosten. Hollerith entwickelte weitere Maschinen gezielt nach den BedĂŒrfnissen dieser Betriebe und Institutionen und konnte so, nach einigen anfĂ€nglichen Akzeptanzschwierigkeiten, sein Lochkartensystem erfolgreich vermarkten. Die Notwendigkeit, Daten mit Hilfe von Maschinen zu verarbeiten, ist somit eine direkte Folge der Industrialisierung.

Technische Neuerungen

Tabulating MachineNach dem großen Erfolg beim Census 1890 entwickelte Hollerith sein System weiter: Auf den Lochkarten fĂŒhrte die dezimale Zahlenkodierung ein (mit Spalten fĂŒr die Zehnerpotenzen) und stattete seine Maschinen mit Addierwerken aus, die nach dem ZĂ€hlradprinzip von Leibniz arbeiteten und stellenparallel addierten; die FlexibilitĂ€t steigerte er durch den Einsatz von Schalttafeln, auf denen durch Steckkontakte die Arbeitsweise der Maschine definiert wurde; außerdem entwickelte er eine Druckausgabe. So wurde aus der Tabelliermaschine (tabulating machine), die lediglich zĂ€hlen konnte, die sogenannte Buchungsmaschine (accounting machine).

Auch beim Census im Jahre 1900 wurden Hollerith-Maschinen verwendet. Wenige Jahre spÀter prÀsentierte Hollerith eine weitere Neuerung: die automatische Ablaufsteuerung. Die Karten wurden von der Maschine selbstÀndig von einem Stapel eingezogen, ausgewertet und sortiert. Zum ersten Mal steuerte hier die Lochkarte selbst und nicht der Mensch den Ablauf. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit wurde so auf 400 Karten pro Minute gesteigert, was die Effizienz der Maschinen (und den Bedarf an Lochkarten) betrÀchtlich erhöhte.

Im Jahre 1905 fiel Herman Hollerith bei den staatlichen Stellen in Ungnade – es gab Unstimmigkeiten ĂŒber Preis und Patente, außerdem war er wegen seiner Hitzköpfigkeit bekannt; der Erfinder war von seinem Staat maßlos enttĂ€uscht, ganz Ă€hnlich wie vor ihm Charles Babbage in England. Der Census 1910 wurde mit Maschinen seines Konkurrenten James Powers durchgefĂŒhrt, dessen Firma fast ein halbes Jahrhundert eine Konkurrenz bleiben sollte. Hollerith konnte sich nun jedoch ganz auf die kommerzielle Anwendung seines System konzentrieren.

Firmenentwicklung

Zur Vermarktung seiner Erfindung hatte er 1896 die »Tabulating Machine Company« gegrĂŒndet (seinen ersten Mitarbeiter, den fĂŒnfzehnjĂ€hrigen BĂŒroboten Otto Breitmeyer, hatte er bereits einige Jahre zuvor angestellt. Bei seiner Pensionierung war Breitmeyer VizeprĂ€sident bei IBM. [2])

Der große Erfolg seiner Firma zeigt, dass seine Maschinen genau die BedĂŒrfnisse der Betriebe trafen. Hollerith kommt somit nicht nur das Verdienst zu, die Datenverarbeitung mechanisiert zu haben; er war es auch, der sie kommerziell nutzbar machte und zu einer eigenen Industrie ausbaute.

Die »Tabulating Machine Company« leitete er (wie seine Familie) als autoritĂ€res, aber auch großzĂŒgiges Oberhaupt; er bestand darauf, fast alle Entscheidungen persönlich zu treffen, und auch die technischen Entwicklungen lagen fast ausschließlich in seiner Hand. Mit zunehmender GrĂ¶ĂŸe wuchs ihm die schnell expandierende Firma jedoch mehr und mehr ĂŒber den Kopf, so dass er sich im Jahre 1911 entschloss, sie zu verkaufen.

Von Hollerith zu IBM
Von Hollerith zu IBM

CSC (1901)ITR (1900)C-T-RDer Verkauf von Holleriths »Tabulating Machine Company« war der erste Schritt einer Entwicklung, aus der im Jahre 1924 IBM hervorging (siehe Abbildung). KĂ€ufer war Charles Flint, ein gerissener GeschĂ€ftsmann, der Holleriths Firma mit zwei anderen Firmen vereinigte: mit der »Computing Scale Company«, die Rechenwaagen herstellte, und der »International Time Recording Company«, die Stechuhren produzierte. So kam es zu dem Namen »Computing-Tabulating-Recording Company« (C-T-R) fĂŒr den neuen Konzern. ZusĂ€tzlich gab es noch eine heute von IBM oft unterschlagene vierte Firma, die »Bundy Manfacturing Company«, die bösen Zungen zufolge die Nameskomponente »Company« einbringen durfte. Sie stellte KaffeemĂŒhlen her. [2]

Im Jahre 1914 stieß Thomas J. Watson, der spĂ€tere GrĂŒnder von IBM, zu C-T-R; von ihm ist im nĂ€chsten Abschnitt die Rede.

Thomas J. Watson sr. (1914)Mit den Hollerith-Maschinen konkurrierte das Tabelliersystem von James Powers; seine Maschinen funktionierten nach demselben Prinzip, waren jedoch billiger. Diese Konkurrenz bestand ĂŒber drei Generationen weiter: Das Nachfolgeunternehmen von Powers Firma, »Remington-Rand«, war in den dreißiger Jahren IBMs schĂ€rfster Konkurrent auf dem Schreibmaschinenmarkt, und in den fĂŒnfziger Jahren (als »Sperry-Rand«) auf dem Gebiet der frĂŒhen Computer.

Nachdem Hollerith noch einige Jahre als Berater fĂŒr C-T-R tĂ€tig gewesen war, zog er sich spĂ€ter ganz aufs Land zurĂŒck und widmete sich ausschließlich seiner Familie und seinen Hobbies: Mit der gleichen GrĂŒndlichkeit und Entschlossenheit, mit der er seine Firma aufgebaut hatte, zĂŒchtete er nun KĂ€lber, sammelte Boote, konstruierte und errichtete Scheunen, Schuppen und VogelhĂ€user auf seiner Farm. Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit starb Herman Hollerith am 15. November 1929 im Alter von 69 Jahren.