Level 6: Der verrĂŒckte Bergmann

Die Abenteuer um Willy dem Bergmann, gehören zu den beliebtesten Spielen fĂŒr den ZX Spectrum. Die Spiele werden auf unzĂ€hlige andere Systeme sowohl offiziell als auch inoffiziell portiert und kaum ein Computerbesitzer Anfang der 80er Jahre hat nicht Manic Miner oder Jet Set Willy gespielt.

Matthew Smith

Matthew Smith (1983)Matthew Smith wird im Februar 1966 in London geboren. Seite Familie zieht ein paar Mal um, bis er schließlich in Wallasey landet. Schon sehr frĂŒh interessiert er sich fĂŒr das Programmieren, zuerst auf einem TRS-80. Mit 14 Jahren erstellt er mit Delta Tower One sein erstes kommerzielles Spiel fĂŒr dem VIC-20, eine Umsetzung des Arcade-Spiels Galaxian. Es werden nur 13 Kopien verkauft, aber Matthew verdient damit ĂŒber ÂŁ50.000. Als nĂ€chstes Spiel folgt Monster Muncher, ebenfalls wieder fĂŒr den VIC-20. Von Bug-Byte Software Ltd, die auf ihn aufmerksam geworden sind, erhĂ€lt er leihweise einen ZX Spectrum, um als Freelancer drei Spiele fĂŒr den ZX Spectrum zu entwickeln.

The Birds and The BeesBug-Byte Software Ltd wurde zwei Jahre zuvor, 1980, in Liverpool von Tony Baden und Tony Milner, beides Absolventen im Fach Chemie der Oxford UniversitĂ€t, gegrĂŒndet. Bug-Byte gehört damit zu den ersten Firmen, die Spiele fĂŒr die frĂŒhen 8-Bit-Computer, mit Sinclair als Schwerpunkt, entwickeln und vertreiben. 1983 veröffentlicht Bug-Byte einige der bekanntesten ZX Spectrum Spiele, z.B. The Birds and the Bees von Adrian Sherwin, das auch die Sprachausgabe mit dem Currah MicroSpeech unterstĂŒtzt.

Das erste Spiel von Matthew Smith ist Styx. Aber schon mit dem nĂ€chsten Spiel, Manic Miner, gelingt ihm ein Riesenerfolg. Er entwickelt es in nur sechs Wochen auf einem Tandy Modell 4 mit einer 5 MByte Harddisk. Das ist möglich, weil und der Tandy genauso wie der ZX Spectrum ĂŒber einen Z80 Prozessor verfĂŒgt. Damit entfallen die langwierigen Wartezeiten beim Laden und Speichern.

Manic Miner

Manic Miner LadebildschirmDas Spielprinzip von Manic Miner, zu dem sich Matthew von dem Atari 800 Spiel Miner 2049er hat inspirieren lassen, ist einfach: In jeder der 20 RĂ€ume muss der Spieler mehrere blinkende GegenstĂ€nde aufsammeln, bevor ihm die Luft ausgeht. Der noch vorhandene Luftvorrat wird durch einen Balken am unteren Bildschirmrand dargestellt. Hat Willy, so der Name des “verrĂŒckten Bergmanns”, alle GegenstĂ€nde eingesammelt, beginnt der Ausgang zu blinken und er kann durch diesen in die nĂ€chste Raum gelangen. Damit das nicht zu leicht wird, gibt es in jedem Raum allerlei giftige Pflanzen und GegenstĂ€nde, die man tunlichst nicht berĂŒhren sollte, Aliens und Roboter, die sich durch die Kammer bewegen und deren BerĂŒhrung ebenfalls tödlich ist. Einige Wege schmelzen zu allem Überfluss auch noch unter Willys FĂŒĂŸen, so dass man zum einen auf diesen nicht stehen bleiben sollte und zum anderen manchmal nur eine Chance hat einen Gegenstand ĂŒberhaupt zu erreichen. Bei jeder BerĂŒhrung eines dieser Objekte verliert der Spieler eines seiner Leben, dafĂŒr erhĂ€lt er aber auch nach jeweils 10.000 Punkten ein Extraleben.

Manic MinerSo einfach sich das Spiel anhört, so schwer ist es selbst nach heutigen MaßstĂ€ben zu spielen. Es gibt kaum Spieler, die Manic Miner alle 20 Level durchgespielt haben. Es gibt aber einen Cheat Code mit dem es möglich ist, eine der 20 Level frei anzuspringen, um so nicht stĂ€ndig wieder von vorne beginnen zu mĂŒssen. Der Cheat wird durch die Nummer 6031769 freigeschaltet, Matthew Smiths FĂŒhrerscheinnummer.

Manic Miner ist das erste Spiel auf dem ZX Spectrum, das wĂ€hrend des Spiels dauerhaft Hintergrundmusik spielt. Da der ZX Spectrum ĂŒber keinen dedizierten Soundchip verfĂŒgte, ist die CPU stĂ€ndig mit der Tonerzeugung beschĂ€ftigt, weshalb viele glauben, dass die Wiedergabe von Hintergrundmusik nicht möglich ist. Die geschickte Aufteilung von CPU Zeit zwischen Ton-Erzeugung und Spielsteuerung ermöglicht das zuvor nicht fĂŒr möglich gehaltene dann aber doch. Als Hintergrundmusik lĂ€uft „In der Halle des Bergkönigs“, das Edvard Grieg als StĂŒck seiner Schauspielmusik Peer Gynt in Henrik Ibsens dramatischem Gedicht Peer Gynt gegen Ende des 19. Jahrhunderts komponierte. WĂ€hrend des Titelbildschirms lĂ€uft „An der schönen blauen Donau“.

Matthew gelingt es auch die begrenzten GrafikfĂ€higkeiten des ZX Spectrum geschickt zu umschiffen. WĂ€hrend des Spiels fallen die Spectrum ĂŒblichen Farbklötzchen von 8×8 Pixeln kaum auf.

Manic Miner ist der Auftakt einer Serie von vier Spielen mit dem Bergmann Willy und wird schließlich fĂŒr zahlreiche Computerplattformen und Videospielsysteme portiert, zuletzt sogar fĂŒr die Xbox und das iPad/iPhone:

  • Manic Miner (1983), Bug-Byte / Software Projects
  • Jet Set Willy (1984), Software Projects
  • The Perils of Willy (1984), Software Projects
  • Jet Set Willy II (1985), Software Projects

Software Projects

1983 sind Alan Maton, Versandmanager bei Bug-Byte, und Colin Roach, zu dem Zeitpunkt noch bei Imagine angestellt und ehemaliger Mitarbeiter von Bug-Byte, auf der Suche nach einer neuen BeschĂ€ftigung. Auch Matthew ist unzufrieden, fĂŒhlt er sich bei Bug-Byte unterbezahlt, trotz der ca. ÂŁ50.000, die er fĂŒr Manic Miner erhielt.

Software ProjectsEin GeschĂ€ftsmann, den Maton nur flĂŒchtig kennt, hat einen Sohn, Tommy Barton, der sich recht gut im Computerbusiness und Finanzen auskennt. Nach nur einer Stunde hat Maton den Mann mit seiner Vision von Ruhm und Geld ĂŒberzeugt. Dieser akzeptiert aber nur unter der Bedingung, dass Matthew Smith der dritte Partner sein wird. Smith akzeptiert und verlĂ€sst Bug-Byte. Zusammen grĂŒnden sie Software Projects, das seinen Firmensitz im The Bear Brand Complex, Allerton Road, Woolton, Liverpool, hat. An seinem 18. Geburtstag, kurz nach der GrĂŒndung von Software Project, wird Matthew dritter Gesellschafter und hĂ€lt etwas weniger als ein Drittel der Anteile.

Popular Computer Weekly 8.12.1983Die Rechte an Manic Miner kann Matthew aufgrund eines Versehen in seinem Vertrag mitnehmen, Bug-Byte hatte das Spiel nur lizenziert und nicht gekauft. So ist Software Projects in der Lage schon kurz nach der Veröffentlichung von Manic Miner seitens Bug-Byte den Spielehit auch unter ihrem Label zu vertreiben. Der Verkaufsstart ist der 28. November 1983, rechtzeitig zum WeihnachtsgeschĂ€ft. Bug-Byte wird die weitere Produktion untersagt, sie dĂŒrfen aber noch die schon knapp 50.000 produzierten Kassetten verkaufen.

Auch wenn die beiden Versionen von Manic Miner auf den ersten Blick gleich aussehen, es gibt einige Unterschiede. Aufgrund des Copyrights ist natĂŒrlich der Lauftext unterschiedlich, aber es gibt auch in den einzelnen RĂ€umen Unterschiede:

Manic MinerIn „Processing Plant“ wurde am Ende des Förderbands ein Busch gegen einen Pac Man Geist ausgetauscht. In „Amoebatrons‘ Revenge“ sehen die Bug-Byte Amöben wie Kraken mit zusĂ€tzlichen Tentakeln aus, bei Software Projects Ă€hneln sie eher KĂ€fern. WĂ€hrend im Original Dreschmaschinen in „The Warehouse“ auf und ab wandern, sind es jetzt Triangeln, das Logo von Software Projects. Die wichtigste Änderung betrifft aber nicht die RĂ€ume: Software Projects Ă€nderte den Cheat Code von Matthews FĂŒhrerscheinnummer zu „typewriter“.

Im Mai 1985 ergeht es Bug-Byte wie vielen anderen Firmen. Aufgrund eines schweren Jahres liquidieren sie freiwillig ihr Unternehmen. Die Rechte an Bug-Bytes Spielen und Markennamen werden von Argus Press PLC gekauft. Argus veröffentlicht noch einige eigene Spiele unter der Marke Bug-Byte, bis sie schließlich 1987 von Grandslam Entertainment aufgekauft werden.

Jet Set Willy

Jet Set Willy LadebildschirmBei Software Projects beginnt Matthew an einem Nachfolger zu Manic Miner zu arbeiten. Die Fertigstellung des Nachfolgers dauert aber wesentlich lĂ€nger als die sechs Wochen, die er noch fĂŒr Manic Miner benötigte. Als Jet Set Willy im Anfang 1984 erscheint, wird es wie sein VorgĂ€nger ein Erfolg.

Das Spiel handelt von dem mĂŒden Bergmann Willy, der seine Villa nach einer großen Party von allerlei GegenstĂ€nden reinigen muss. Hat er das erledigt, erlaubt ihm Maria sein Schlafzimmer zu betreten. Die Villa kaufte sich Willy von dem in seinen Abenteuern in Manic Miner erhaltenen Reichtum. Aber auch wie die Höhlen in Manic Miner, ist auch Willys Villa, der Strand und seine Yacht voller seltsamer Kreaturen. Willy bleibt nichts anderes ĂŒbrig, als die RĂ€ume zu erkunden und die dort befindlichen GegenstĂ€nde einzusammeln.

Jet Set WillyWie schon bei Manic Miner ist das Spiel Plattform-basiert, aber anstelle eines abgeschlossenen Raums umfasst die Villa mehrere RĂ€ume, die untereinander verbunden sind, so kann sich Willy von Raum zu Raum fast frei bewegen. Jet Set Willy gehört somit zu den ersten nicht-linearen Spielen, in denen der Spieler seine Umgebung frei erkunden kann. Die Villa umfasst ganze 60 RĂ€ume, dreimal so viele wie bei Manic Miner. Stirbt Willy durch die BerĂŒhrung eines der Objekte, beginnt er wieder an der Stelle an der er den Raum betreten hat. Dadurch entsteht aber auch eine Situation, in der Willy alle seine Leben auf einmal verlieren kann, indem er z.B. wiederholt aus zu großer Höhe fĂ€llt. Die Steuerung ist ebenso einfach gehalten wie beim VorgĂ€nger: Links, Rechts und Springen.

Software Projects stellt sogar einen Preis von einer Flasche Champagner, sechs Champagner-GlĂ€sern und einem Helikopterrundflug fĂŒr den Spieler in Aussicht, der als erstes die korrekte Anzahl von Champagner-GlĂ€ser, die Willy einsammeln muss, nennen kann. Der Preis geht an Ross Holman und Cameron Else, die festgestellt haben, dass das Spiel nicht beendet werden kann, da ein Objekt im „First Landing“ nicht eingesammelt werden kann. So können insgesamt nur 82 anstelle der vorgesehenen 83 Objekte eingesammelt werden.

In der ZX Spectrum Version wird Beethovens „Mondscheinsonate“ als Titelmusik gespielt und als Hintergrundmusik wĂ€hrend des Spiels „If I Were a Rich Man“ aus dem 1964 von Sheldon Harnick und Jerry Bock geschriebenen Musical „Fiddler on the Roof“.

Als das Spiel veröffentlicht wird, enthĂ€lt es einige Fehler, die verhindern, dass das Spiel ĂŒberhaupt beendet werden kann. Der schlimmste Fehler betrifft den Raum „The Attic“. Betritt der Spieler diesen Raum, werden verschiedene andere RĂ€ume zerstört, z.B. verschwinden alle Monster aus „The Chapel“ oder andere RĂ€ume sorgen fĂŒr einen sofortigen Verlust aller Leben, wenn Willy sie betritt. Das Problem liegt darin, dass aufgrund eines Fehlers in der Wegbeschreibung in „The Attic“ die Spieldaten von anderen RĂ€umen ĂŒberschrieben werden. Versucht Software Projects diesen Fehler ursprĂŒnglich noch als gewolltes Feature zu verkaufen, veröffentlichen sie letztendlich ein paar POKEs, die diesen beseitigen. Weitere Fehler betreffen Objekte, die nicht erreichbar sind oder nicht eingesammelt werden können ohne ein Leben zu verlieren.

Jet Set Willy FarbcodesDa Jet Set Willy auf Kassette ausgeliefert wird, ist es, wie andere ZX Spectrum Spiele auch, sehr leicht diese zu kopieren. Aus diesem Grund ĂŒberlegt sich Software Projects einen Kopierschutz mit einer Farbkarte bestehend aus 180 Farbkodierungen, von denen einer nach dem Laden des Spiels eingegeben werden muss. Da Farbkopierer noch nicht existieren, ist es recht schwer eine Kopie dieser Karte zu erstellen. Allerdings sind die Farbkodierungen auch schwer fĂŒr den ehrlichen KĂ€ufer des Spiels zu erkennen.

Schon bald entwickeln Spieler eigene Mods und dazu zahlreiche Tools, um Jet Set Willy und seine Grafiken zu modifizieren (sogar fĂŒr Windows existiert ein Editor). Das Magazin „Your Spectrum“ veröffentlicht in seiner Ausgabe 4 einen Artikel „JSW – A Hacker’s Guide“, in dem der Autor ein paar Hacks erklĂ€rt. In Ausgabe 13 veröffentlichen sie ein Programm, das einen zusĂ€tzlichen Raum „April Showers“ hinzufĂŒgt und in Ausgabe 15 beschreibt das Magazin detailliert die Datenstrukturen, mit denen die RĂ€ume in Jet Set Willy kodiert sind. Die Softwareverlage Spectrum Electronics und Softricks veröffentlichen 1984 Jet Set Willy Editoren, die es ermöglichen eigene RĂ€ume zu entwerfen und mit deren Hilfe sogar komplett neue Abenteuer fĂŒr Willy entworfen werden. Zu den besten Mods gehören das inoffizielle Jet Set Willy III von Amo P. Gitz und Join the Jet Set von Richard Hallas.

Manic Miner - Dragon 32Software Projects veröffentlicht auch Portierungen fĂŒr den BBC Micro, Acorn Electron, MSX, Commodore 16 und Commodore 64. FĂŒr den Dragon 32/64 wird eine erweiterte und leicht verĂ€nderte Version, allerdings in Graustufen, veröffentlicht. Diese Version wird spĂ€ter als Farbversion auf den Acorn Archimedes konvertiert.

Jet Set Willy wird 1985 als eines von vier Spielen in der Kompilation „They Sold a Million“ von The Hit Squad neu aufgelegt. Weitere Programme in der Kompilation sind Beach-Head (US Gold Ltd), Daley Thompson’s Decathlon (Ocean Software Ltd) und Sabre Wulf (Ultimate Play The Game). Im selben Jahr wird auch Manic Miner von Amsoft, ein Unternehmen von Amstrad, erneut veröffentlicht.

Jet Set Willy – The Final Frontier

Die beiden Programmierer Derrick Rowson und Steve Wetherill bekommen die Aufgabe Manic Miner und Jet Set Willy auf den Amstrad CPC zu konvertieren. Bei der Konvertierung von Manic Miner stehen die beiden Programmierer noch vor dem Problem, dass sie keinen Zugriff auf den Sourcecode besitzen und zunĂ€chst das Original disassemblieren mĂŒssen. Zudem sind beide nicht mit der neuen Hardware des Amstrad CPC vertraut und mĂŒssen dessen FĂ€higkeiten erste einmal ausloten. Als diese HĂŒrden aber geschafft sind, kommen sie mit der Umsetzung von Manic Miner sehr gut voran.

Jet Set Willy 2Nach Manic Miner fĂ€llt ihnen die Umsetzung von Jet Set Willy schon sehr viel einfacher. WĂ€hrend ihre Umsetzung von Manic Miner mit der Version des ZX Spectrum fast identisch ist, erweitern sie Jet Set Willy um weitere 71 RĂ€ume (das Original hatte gerade einmal 60 RĂ€ume). Es gibt unzĂ€hlig viele neue Inhalte, sie setzen sogar eine Rakete auf Willys Villa, damit er den Weltraum erkunden kann. Aus diesem Grund bekommt die Konvertierung auch den Titel Jet Set Willy – The Final Frontier. Da fĂŒr die neuen RĂ€ume der Speicherplatz nicht ausreichen wĂŒrde, entwickelt Derrick eine Methode die RĂ€ume komprimiert im Speicher abzulegen. Nun können sie sich mit ihrem speziell fĂŒr Jet Set Willy geschriebenen Raum-Editor frei entfalten und kreieren einen Raum nach dem anderen, viele mit kleinen Anspielungen auf bekannte Personen, Ereignissen oder andere Spiele. Sie haben sogar genug Zeit, die vielen kleinen Fehler in den ursprĂŒnglichen RĂ€umen zu beseitigen. Trotzdem ist die Konvertierung keine leichte Aufgabe. Derrick und Steve arbeiten zum Schluss praktisch Tag und Nacht, um die Umsetzung zu vollenden. Am Ende ist die Umsetzung nicht nur Aufgrund der zusĂ€tzlichen RĂ€umen besser als das Original, sondern auch wegen der vielen kleinen Verbesserungen und Fehlerbeseitigungen. Jet Set Willy – The Final Frontier wird im April 1985 veröffentlicht.

Jet Set Willy 2Es gibt auch ein paar versteckte Features. So existiert im Raum „Trip Switch“ ein Schalter, der es ermöglicht zu einer Yacht zu gelangen. Hat man mindestens 150 von den 175 möglichen Objekten gesammelt darf Willy in sein Schlafzimmer. Zum krönenden Abschluss bekommt der Spieler eine Überraschung zu sehen, er befindet sich wieder in der „Central Cavern“ aus Manic Miner – Willys immer wieder kehrenden Albtraum. Aufgrund des Spieldesigns ist diese Höhle aber nicht spielbar.

Steve Wetherill wechselt kurz nach der Veröffentlichung zu der Liverpooler Softwareschmiede Odin Computer Graphics.

The Mega Tree

Nach Jet Set Willy beginnt Matthew damit, einen Nachfolger unter dem Titel The Mega Tree (auch bekannt unter Willy Meets the Taxman) zu entwickeln, allerdings entwickelt er es diesmal nicht fĂŒr den ZX Spectrum, sondern fĂŒr den Commodore 64. Der damals 18jĂ€hrige Matthew bekommt sogar UnterstĂŒtzung von zwei Kollegen, aber da sie völlig auf sich alleine gestellt sind und Matthew auch nicht gerade diszipliniert bei der Arbeit ist, kommen sie nicht voran. Das Projekt wird schon drei Monate nach dem Start wieder eingestellt.

Jet Set Willy II

Jet Set Willy 2Auch wenn es nach der Mega Tree Pleite kein neues Abenteuer von Willy zum WeihnachtsgeschĂ€ft 1984 geben wird, benötigt Software Projects ein neues Spiel. Da haben die beiden GeschĂ€ftsfĂŒhrer auf eine Idee: Die CPC Umsetzung soll wieder zurĂŒck auf den ZX Spectrum als Jet Set Willy II konvertiert werden. Derrick bekommt das Projekt. Es ist aber nicht ganz einfach den Code wieder auf das eingeschrĂ€nkte Grafiksystem des ZX Spectrum zurĂŒck zu portieren. Der Code, der die Kollisionen von Objekten ausmacht, ist schwer zu konvertieren, und muss komplett neu geschrieben werden. Auch an anderen Stellen muss Derrick den Code neu erstellen und optimieren. Letztendlich ist Jet Set Willy II trotz des mehr als doppelt so großen Umfangs schneller als das Original.

Jet Set Willy 2Zeitgleich arbeiten John Darnell und Steve Birtles an der Commodore 64 Umsetzung von Jet Set Willy II. Obwohl sie auf dem selben Flur arbeiten, gibt es zwischen den beiden Gruppen keinerlei Zusammenarbeit. So profitiert die C64 Umsetzung auch nicht von den zahlreichen Verbesserungen, es gibt sogar neue Fehler, die es unmöglich machen das Spiel zu beenden, z.B. lassen sich nicht alle Objekte im „Wine Cellar“ einsammeln.

Wie bei Manic Miner und Jet Set Willy auch, gibt es in der CPC Version einen Cheat Code, der es ermöglicht RĂ€ume ĂŒber einen „Cartography Room“ schnell anzuwĂ€hlen. Es muss wĂ€hrend gedrĂŒckter ESC-Taste der Code „HIEMMRAIDNAPRRRTT“ eingegeben werden.

Das Ende von Software Projects

Matthew SmithIm Jahr 1988 schließt Matthew Software Projects ohne das weitere Programme fertiggestellt werden. Er lebt ab 1995 in einer niederlĂ€ndischen Kommune und wird im Oktober 1997 aus den Niederlanden ausgewiesen, angeblich weil er versĂ€umt habe seine Aufenthaltspapiere in Ordnung zu halten. Seitdem lebt er wieder in Großbritannien. 1999 kehrt Matthew wieder in die Spieleindustrie zurĂŒck und nimmt einen Job bei Runecraft in Dewsbury an. Kurz darauf geht das Unternehmen in Konkurs und es erscheint nur das Spiel Scrabble fĂŒr den Game Boy Color. Aktuell arbeitet Matthew fĂŒr Elite Systems, die einige klassischen Spiele fĂŒr mobile GerĂ€te, wie iPad und iPhone, neu aufgelegt haben.

In der fĂŒr iOS erhĂ€ltlichen App sind Klassiker, wie Manic Miner, Jet Set Willy, Auf Wiedersehen Monty, Back to Skool, Barbarian, Bruce Lee, Chaos, Cybernoid, Everyone’s a Wally, Grand national, Head over Heels, Match Day, Robin of the Wood, u.a. enthalten. Im Februar 2014 muss Elite die App aus dem Store nehmen, da einige Veröffentlichungsrechte von Programmen, die als In-App Kauf verfĂŒgbar sind, mit den ursprĂŒnglichen Entwicklern nicht eindeutig geklĂ€rt sind.

Weitere Spiele und Portierungen

Attack of the Mutant Zombie Flesh Eating Chickens From MarsEin weiteres Spiel von Matthew Smith wird 1987 unter dem Titel Attack of the Mutant Zombie Flesh Eating Chickens From Mars zwar angekĂŒndigt, aber nicht veröffentlicht, da Matthew angeblich mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist.

Manic Miner wird offiziell fĂŒr den Commodore 64, Commodore 16, Amstrad CPC, BBC Micro, Dragon 32 und Dragon 64, Commodore Amiga, Oric 1, Game Boy Advance, MSX, SAM CoupĂ©, Xbox und Mobiltelefone konvertiert. Dabei gibt es je nach System mehr oder weniger große Unterschiede, z.B. besitzt Manic Miner von Roy Coates fĂŒr den Dragon 32/64 zwei neue Höhlen und einen anderen Cheat Code „P P PENGUIN“. Eine Umsetzung fĂŒr die Xbox 360 erscheint am 21. Juni 2012 unter den Namen Manic Miner 360.

Manic Miner - SAM CoupĂ©Jet Set Willy und Jet Set Willy II erscheinen jeweils fĂŒr den BBC Micro, Acorn Electron, MSX, Commodore 16 und Commodore 64. Die BBC Micro und Commodore C64 Version enthalten jedoch Fehler, die es unmöglich machen das Spiel zu beenden. FĂŒr den Amstrad CPC erscheint eine erweiterte Version von Jet Set Willy unter dem Titel Jet Set Willy – The Final Frontier. Diese Version wird zurĂŒck auf den ZX Spectrum portiert und schließlich unter dem Namen Jet Set Willy II veröffentlicht.

Jet Set Willy - AmigaSoftware Projects beginnt zwar Jet Set Willy fĂŒr den Commodore Amiga und Atari ST zu portieren, sie beenden das Vorhaben aber vor seiner Fertigstellung. 1990 bringen sie aber immerhin Manic Miner fĂŒr den Commodore Amiga heraus, 1992 folgt Jet Set Willy II.

Inoffizielle Portierungen

Manic Miner - WindowsEs gibt mehrere Umsetzungen von Manic Miner und Jet Set Willy fĂŒr den PC (Windows, DOS und Linux), Apple Macintosh, Atari ST, ZX81, Sony PlayStation, Nintendo 64, Neo Geo Pocket Color, Acorn Archimedes, Orao, Z88, PMD 85, HP48 und Microsoft Zune.

1987 veröffentlicht Tynesoft eine Portierung von Jet Set Willy fĂŒr die 8-Bit Atari Computer. Diese Umsetzung wird aber aufgrund ihrer schlechten Umsetzung durchweg kritisiert, einzig der Soundtrack , der von Rob Hubbard komponiert wird, ist ein kleines Highlight. Im Jahr 2007 konvertiert Krzysztof Dudek die original ZX Spectrum Version noch einmal, behĂ€lt aber Rob Hubbards Soundtrack. Diesmal ist die Version wesentlich authentischer als die Portierung 20 Jahre zuvor.

Die SAM CoupĂ© Version von Jet Set Willy wird 1992 von Matthew Holt programmiert. Wie das Original erfordert diese auch ein pixelgenaues Timing beim Spielen. Grafik und Sound wurden umfangreich von FrantiĆĄek Fuka aktualisiert. Da der Rechner ĂŒber eine wesentlich bessere Farbgrafik verfĂŒgt, sind die Sprites besser aufgelöst und farbenfroher. ZusĂ€tzlich zu den 20 RĂ€umen des Originals gibt es 40 weitere, die von David Ledbury und Gewinnern eines Wettbewerbs entworfen wurden, der von SAM Computers Ltd ausgerichtet wurde.

Downloads

Im Eintrag zu Sinclair sind unter Downloads Portierungen von Manic Miner und Jetset Willy fĂŒr Windows herunterladbar.

Danksagungen & Links
Einige Bilder und Informationen stammten aus folgenden Quellen:

Wikipedia – Manic Miner
Wikipedia – Jet Set Willy
Wikipedia – Matthew Smith
Wikipedia – Bug-Byte
Wikipedia – Software Projects
Interview mit Matthew Smith (2005)

Artikel und Interviews:
Your Spectrum, Ausgaben 4, 13, 15
Matthew Smith Interview Nottingham Screenplay Festival, February 2005
Mersey Byte!, Big K magazine, Nr. 4 Juli 1984
Personal Computer Games Magazine, MĂ€rz 1984
Sinclair User, Dezember 1984
Popular Computer Weekly, 8.-14.12.1983

Bilder:
Matthew Smith (1983), Bits’n’Pieces, Gameplan TV 1983
Matthew Smith (Wikipedia, CC-SA-BY, User Jontintinjordan