Retro: Die Top 5 der aus heutiger Sicht lächerlichsten Indizierungen

In den 1980ern wurden einige Spiele indiziert, die heute wohl kaum noch jemand auf den Index für jugendgefährdende Medien setzen würde.

River Raid (bis 2002)

In River Raid steuert der Spieler aus der Vogelperspektive ein Flugzeug über einen Fluss und versucht eine größtmögliche Punkteanzahl durch das Abschießen gegnerischer Flugkörper und Schiffe zu erzielen.

In der Begründung des Indizierungsbeschlusses der BPjS vom 19. Dezember 1984 hieß es unter anderem: „Jugendliche sollen sich in die Rolle eines kompromisslosen Kämpfers und Vernichters hineindenken […]. Hier findet im Kindesalter eine paramilitärische Ausbildung statt […]. Bei älteren Jugendlichen führt das Bespielen […] zu physischer Verkrampfung, Ärger, Aggressivität, Fahrigkeit im Denken […] und Kopfschmerzen.“

Barbarian (bis 2012)

In Barbarian bekämpfen sich zwei Schwertkämpfer. Ziel ist es diverse Gegner zu besiegen, um final den Zauberer „Drax“ zu besiegen und „Prinzessin Marina“ zu befreien.

Das Spiel wurde oftmals wegen seiner Brutalität kritisiert. So war es möglich, den Kopf seiner Gegner abzuschlagen. Nach 25 Jahren wurde die Indizierung im September 2012 aufgehoben, obwohl „‚Nackenschlag‘ oder ‚Todeswirbel‘ geben den tödlichen Ernst des Spiels nicht wieder.“

Raid Over Moscow (bis 2010) Weiter >

Neue Firmware v.17 des Retro Chip Testers mit zahlreichen Erweiterungen

Heute wurde die Firmware v.17 veröffentlicht. Es ist ein größeres Update mit vielen neuen Features und Optimierungen. Insbesondere die Logik-Tests wurden stark erweitert und viele Tests wurden zudem mit realen Chips überprüft.

Zudem wächst die Community, die den Tester benutzt, ständig weiter. Waren es zunächst hauptsächlich Anwender aus der Heimcomputer-Szene, kommen nun verstärkt Anwender aus dem Bereich Flipper und Arcade-Automaten sowie Synthesizer-/Studiotechnikszene hinzu.

Wie in jedem Firmware-Update sind wieder neue Speicherchips implementiert worden:

FIFO-RAMs:
– 40105
– 74222, 222, 224, 225, 227, 228, 229, 232, 233, 234, 235, 236, 413
– 747403, 747404

Character ROMs:
– RO-3-2513 (nur 5V), RO-3-2513 mit adapter (5V/-5V/-12V), MCM6670, MCM6674, SCM37530

NOVRAMs:
– X20C04, X20C05, X20C16, X20C17, X2210, X2212

DRAMs:
– 4408NLT/4408NLB (8k x 4) (noch nicht getestet, dieser RAMs wurden im Alice 90 und EXL-100 verwendet)

SRAMs:
– GTE/EMM4200/4300, GTE/EMM4801, GTE/EMM8108, KM658128, TC5047, uPD445

ROMs:
– 74186

EPROMs:
– TMS2564

Einige dieser ICs sind, da sie recht exotisch sind, als externe Definitionen verfügbar:
Getestet:
– AS6C4008, P4C1048, F7447APC, BS62LV4006, CYM1464, CYM1465 (512k x 8 – SRAM)
– GTE 3539 (256 x 8 – SRAM)
– SMJ44400, TC514400, HM514400 (1024k x 4 – DRAM)
– TC5047, uPD445 (1k x 4 – SRAM)
– TC5516, LC3516 (2k x 8 – SRAM)
– X2210, X22C10 (64 x 4 – NOVRAM)
– X2212, X22C12 (256 x 4 – NOVRAM)
Ungetestet:
– 74LS208 (256 x 4 – SRAM)
– 74LS216, 74LS316 (64 x 4 – SRAM)
– 74LS217, 74LS317 (64 x 4 – SRAM)
– 74LS218, 74LS318 (32 x 8 – SRAM)
– 74F211, 74F311 (16 x 9 – SRAM)
– 74F212, 74F312 (16 x 9 – SRAM)
– 74F213, 74F313 (16 x 12 – SRAM)
– A6173081, HY638100, IS63C1024 (128k x 8 – SRAM)
– AS5C2008 (256k x 8 – SRAM)
– CY7C188 (32k x 9 – SRAM)
– CY7C1001, CY7C1002 (256k x 4 – SRAM)
– CY7C1014 (256k x 4 – SRAM)
– CY7C1016 (256k x 4 – SRAM)
– CY7C1088 (128k x 9 – SRAM)
– EMM4200, EMM4300 (4k x 1 – SRAM)
– EMM4801 (4k x 1 – SRAM)
– EMM8108 (1k x 8 – SRAM)
– HM6503H (2k x 1 – SRAM)
– HM6503L (2k x 1 – SRAM)
– HM6533 (1k x 4 – SRAM)
– KM658128 (32k x 8 – PSRAM)
– MK4816 (2k x 8 – PSRAM)
– P4C107 (1024k x 1 – SRAM)
– P4C163, CY7C182 (8k x 9 – SRAM)
– TC4036 (4 x 8 – SRAM)
– TMS4047 (1k x 4 – SRAM)
– X2004, X20C04, X20C05 (512 x 8 – NOVRAM)
– X2016, X20C16 (2k x 8 – NOVRAM)
– X2017, X20C17 (2k x 8 – NOVRAM)

Einige (P)ROMs können jetzt noch komfortabler ausgelesen werden. Bisher konnte schon aus mehreren Profilen ausgewählt werden, wie die unterschiedlichen CE/CS Signale behandelt werden sollen. Nun gibt es zusätzlich eine „Autodetection“, die sehr sicher erkennt, ob ein Signal high- oder low-Aktiv sein muss.

Es wurden viele Logik-Chips hinzugefügt:

– 74H71, 7497, 118, 119, 222, 224, 227, 228, 286, 412, 575, 673, 808, 810, 832, 900(ALS), 902(ALS), 903(ALS), 9034, 9035, 9114, 9115, 9134, 9135, 9240, 9244, 9245, 8T28, 8T95, 8T96, 8T97, 8T98, 8212, 81LS95, 81LS96, 81LS97, 81LS98, MC6880, MC6885, MC6886, MC6887, MC6888, MC6889
– 4007, 40102, 40103, 40116, 4598, ULN2074, ULN282x, UDN6118, 75460, 75461, 75462, 75463, 75464, 75468, CA3081, CA3082

Und es wurden ein paar Logik-Chips korrigiert:

– 74115, 173, 299, 465, 597, 669, 4055, 4056, 40105, 4514, 4515

Zum einfachen Verlinken wurden zwei Kurzlinks eingerichtet:
http://8bit-museum.de/rct (Englisch)
http://8bit-museum.de/rctd (Deutsch)

Tipp: Laser-Sucht

Stage 2 Level 61982 macht die Videospielindustrie dreimal soviel Umsatz wie das Film-Business mit doppelt so vielen Automaten gegenüber 1980. Obwohl es kein Desaster bei den Automatenspielen gibt, wie bei ihren kleinen Brüdern, den Heimvideospielen, brechen die Umsätze 1983 plötzlich ein. Selbst wenn Hits wie Star Wars, TRON und Zaxxon weiterhin für regen Umsatz sorgen, fällt dieser auf 40% und Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 50% der Spielhallen noch in diesem Jahr schließen werden.

Im Juli 1983, genauer gesagt bereits am 1.7.1983, kommt Dragon’s Lair in die Spielhallen. Der Automat verursacht soviel aufsehen, dass die Betreiber teilweise einen Zusatzbildschirm anschließen, damit die Menschenmenge um den Automaten das Spielgeschehen beobachten kann.

Don Bluth, begeistert von der Laser-Disc-Technologie, entwickelt zusammen mit Rick Dyer dieses animationsreiche Action-Spiel. Ungeachtet dessen, dass die Automaten aufgrund der aufwendigen Technik sehr viel teurer sind und damit auch die Spiele, obwohl sie bei unerfahrenen Spielern teilweise nur wenige Sekunden dauern, ist Dragon’s Lair ein Erfolg und der Automat ständig umlagert.

Zum Artikel: Arcade Spiele – Laser-Sucht

AliExpress: Fake TMS4116 aus China

Bei der Entwicklung der Testroutinen für den Retro Chip Tester sind mir einige ICs aufgefallen, die ein deutlich anderes Verhalten im Timing aufweisen als erwartet und direkt durchfallen. Insbesondere die TMS4116-10NL, TMS4116-15N und TMS4116-20NL, die es für ein paar Cent bei Aliexpress gibt, sind sehr auffällig. Grund genug sich diese ICs einmal genauer anzusehen.

Das Öffnen dieser ICs ist aufgrund des Keramikgehäuses nicht einfach und aus Mangel an passendem Werkzeug half nur rohe Gewalt beim Öffnen.

Das Titelbild (oberes IC) und das Bild rechts zeigen verdächtige ICs. Das untere IC im Titelbild ist ein Original TMS4116 von Texas Instruments. Auffällig ist schon alleine die Lasergravur, die in dieser Form Anfang der 1980er noch nicht auf diesen ICs zu finden war. Es liegt also die Vermutung nahe, dass die ICs sandgestrahlt und danach neu beschriftet wurden. Unter dem Mikroskop war dann auf dem Die auch der Hersteller Toshiba zu lesen. Es handelte sich bei dem geöffneten IC somit vermutlich um einen TMM4116.

Das folgende Video zeigt ab 1:45 einen solchen „Refurbish“ Prozess.

Video: Electronic Components Refurbishing Process, aaactl, YouTube

Gefühlt sind 99% der TMS4116 auf Aliexpress Fälschungen, d.h. umgelabelte ICs anderer Hersteller. Mit etwas Glück erhält man dabei noch recht gute ICs von Herstellern wie Toshiba. Da die Geschwindingkeitsangaben und das Alter nicht stimmen, können aber auch sehr langsame ICs dabei sein. Für eine Reparatur eines alten Rechners sind die oft noch gerade so geeignet.

Wer ähnliche Erfahrungen mit Fake-ICs gemacht hat, darf gerne dazu kommentieren.

 

40 Jahre Osborne 1

Der Osborne 1 wurde im April 1981 zum Preis von $1795 Dollar vorgestellt und hatte sofort großen Erfolg. Bereits im September 1981 machte die junge Firma über eine Million US-Dollar Umsatz und im zweiten Jahr nach Markteinführung wurden bereits 70 Millionen US-Dollar umgesetzt.

Der Osborne 1 wurde nach Adam Osbornes Spezifikationen von Lee Felsenstein als portabler Rechner entworfen. Dieser wog 10,7kg und besaß einen eingebauten 5″ großen, 52×24 Zeichen umfassenden Bildschirm. Als Arbeitsspeicher verfügte er über 4 KByte ROM und 64 KByte RAM und als Massenspeicher standen ihm zwei eingebaute 91 KByte 5 1/4″ Diskettenlaufwerke zur Verfügung. Da der Osborne-1 außer dem 6502 Prozessor noch über einen Z80 Prozessor verfügte, lief auf ihm auch CP/M 2.2. Osborne sorgte auch dafür, dass der neue Laptop über entsprechende Software verfügte, darunter zwei BASIC Versionen (CBASIC und MBASIC), WordStar, SuperCalc und dBase II.

Osborne begann aber, wie andere Unternehmen auch, den Fehler unfertige Produkte zu früh anzukündigen. Als Osborne 1983 ankündigte, dass zwei weitere Computer in der Entwicklung sind, der Vixen, eine kleinere Version des Osborne 1, und der Executive, gingen die Verkaufszahlen des aktuellen Geräts stark zurück. Am 13. September 1983 musste Osborne Konkurs anmelden.

Mehr über Osborne und den Osborne-1 gibt es in diesem Eintrag.

Bild: Osborne 1, Wikimedia, CC-BY-SA, Bilby

Vor 35 Jahren: Das PC/XT Keyboard „Model M“

Im April 1986 erschien das PC/XT Keyboard „Model M“. Die Tastatur wurde von IBM millionenfach hergestellt und dürfte einer der bekanntesten Tastaturen überhaupt sein. Das Tastaturlayout „Enhanced Personal Computer Keyboard“ ist eine Weiterentwicklung des 84-Tasten Designs des „Model F (AT)“ und dem IBM 122-Tasten Terminal Design.

Die meisten Tastaturen des „Model M“ verwenden Knickfedern, die der Tastatur einen präzisen Druckpunkt verpassen und für das typische Schreibgeräusch verantwortlich sind. Das „Model M“ ist so robust, dass sie auch nach 30 Jahren noch häufig im Einsatz ist.