Das Internet Archiv stellt Apple II Spiele ins Netz

Das Internet-Archiv stellt schon seit einiger Zeit klassische Spiele und Anwendungsprogramme ins Netz. Im Januar 2014 berichtete das 8Bit-Museum.de √ľber die Ver√∂ffentlichung von Spielen aus den 1970er und 1980er Jahren.

Jetzt erweitert das Archiv seine Sammlung um √ľber 600 Apple II Spiele. Dabei handelt es sich teilweise um sehr seltene Exemplare, von denen man bisher annahm, dass nicht viel mehr als eine Werbeanzeige existiere. Die Software wurde von ihrem Kopierschutz befreit und von Nutzern unter dem Pseudonym 4am auf archive.org hochgeladen.

Die Spiele, darunter auch Klassiker wie Frogger, Pac-Man und Maniac Mansion, sind √ľber den Emulator JSMESS direkt im Web-Browser spielbar.

Mehr √ľber Apple und den Apple II gibt es in diesem Beitrag.

Link: Internet Archive (Apple II Library)

Das MIST Board: Klassische Computer per FPGA neu implementiert (Teil 5)

Seit meinem letzten Beitrag √ľber das MIST Projekt sind nun sechs Monate vergangen und in dieser Zeit gab es sehr viele Updates.

Zunächst gibt es vier weitere Repositories mit folgenden Cores:

  • Apogee_MIST – Eine Implementierung des Apogee BK-01 (–ź–Ņ–ĺ–≥–Ķ–Ļ –Ď–ö-01), ein russischer 8-Bit Computer von 1988 auf Basis des Radio 86RK.
  • BK0011M – Ein russischer PDP-11-Nachbau.
  • ZX_Spectrum-128K_MIST – Ein Sinclair ZX Spectrum 128K Core, der die Modelle 48K, 128K und Pentagon 128 mit korrekten CPU und Video-Timings emuliert, sowie DivMMC mit ESXDOS (TAP, TRD, SNA) und Kassetten (CSW files).
  • Dummy FPGA Core – Zeigt nur das Startmen√ľ an.

Insbesondere der „Dummy FPGA Core“ ist praktisch, denn hiermit kann schnell ein beliebiger anderer Core mit ausgew√§hlt werden. Die Firmware (firmware_160123) sollte auch aktualisiert werden, denn diese ist dringend notwendig f√ľr die Emulation der BK0011M Harddisk.

Bei den Cores gibt es ebenfalls viele Updates: Amstrad CPC, Apple II, Atari 800, Atari 5200, BBC Micro, Commodore C64 mit 1541, Nintendo Gameboy, Amiga AGA, Atari ST, NES, Apple Macintosh Plus, Sinclair QL und Sinclair ZX Spectrum.

Sinclair QL

MiST - QL AbacusGut hat mir die Sinclair QL Implementierung gefallen. Leider ist diese noch nicht so perfekt (und flexibel) wie bei den Software-Emulatoren, aber sie kommt immerhin mit dem original ROM (Sinclair QDOS) und dem Minerva ROM (eine QDOS Reimplementierung von Laurence Reeves unter der GNU Lizenz) klar. Die bekannten QL Programme, wie ABACUS (siehe Bild), EASEL, QUILL und ARCHIVE, laufen problemlos. Die Implementierung erlaubt es zudem zwischen PAL und NTSC sowie 128 KByte und 640 KByte Arbeitsspeicher zu w√§hlen. Ganz ohne Handbuch wird man den QL aber nicht bedienen k√∂nnen, denn insbesondere der SuperBASIC Interpreter verf√ľgt √ľber unz√§hlige spezielle Befehle und auch die Verwendung der Microdrives ist etwas speziell. Wer Handb√ľcher zum QL sucht, dem sei Dilwyn Jones Sinclair QL Website empfohlen. Dilwyn hat Unmengen an Informationen und PD-Software gesammelt und stellt sie auf seiner Homepage zum Download bereit.

Apple Macintosh Plus

MiST - Apple MacGespannt war ich auch auf die Implementierung des Apple Macintosh. Auch diese funktioniert, aber auch hier wurde wieder deutlich, dass die Software-Emulatoren sehr viel flexibler sind und auch mehr Peripherie nachbilden. Zum Austesten eines Macintosh Plus reicht es aber allemal. Zumal ich persönlich den Retro-Faktor bei einer FPGA-Implementierung etwas höher einschätze, als wenn man weiß, dass der Rechner auf einem schnöden Windows-Rechner nachgebildet wird.

Die weiteren Teile mit Tests sind hier zu finden: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4

Retro-Konsole Vega Plus: Die verbesserte Neuauflage des ZX Spectrums

Im Dezember 2014 k√ľndigte Sir Clive mit dem Sinclair Spectrum Vega einen Nachfolger zu seinem erfolgreichen Heimcomputer ZX Spectrum als Retro-Konsole an. Mein Kommentar dazu fiel ziemlich negativ aus. Jetzt sammelt Sir Clive erneut √ľber die Crowdfunding-Plattform Indiegogo, um einen (verbesserten) Nachfolger zum Vega zu finanzieren. Das Sinclair ZX Spectrum Vega Plus getaufte Ger√§t ist wieder eine Konsole, aber diesmal zumindest kein Versuch einen ZX Spectrum in einem abgespeckten Zustand wiederzubeleben. Am 16. Februar startete die Kampagne mit dem Ziel ¬£100,000 zu sammeln. Heute haben √ľber 2000 Unterst√ľtzer bereits mehr als das doppelte dieses Betrags zusammengetragen.

Das Ger√§t verf√ľgt √ľber ein LC-Display und kann zus√§tzlich an einen Fernseher angeschlossen werden. √úber 1000 Spiele werden bereits fest installiert mitgeliefert. Mit Hilfe einer microSD k√∂nnen weitere Spiele installiert werden, wobei sowohl 48K- als auch 128K-Spiele – u.a. in den Formaten .TAP, .Z80 und .SZX. – unterst√ľtzt werden.

Das Geh√§use wurde von Rick Dickinson entworfen, der auch f√ľr das Design der Geh√§use des ZX 80, ZX 81 und ZX Spectrum in den 1980ern verantwortlich war.

Im Gegensatz zum Vorg√§nger verf√ľgt der Vega Plus √ľber ein D-Pad, zus√§tzliche Aktionstasten und ein paar Kn√∂pfe zum Ein- und Ausschalten und zum Aufruf eines Men√ľs. Ebenso gibt es einen Lautst√§rkeregler, einen Kopfh√∂reranschluss, ein Netzteilanschluss zum Laden des internen Akkus und einen TV-Anschluss (Composite Video).

Das Gerät kostet £100 (ca. 130 EUR) und wird voraussichtlich im September 2016 ausgeliefert.

Bild: Retro Computers

Kommentar:

Auch diese Neuauflage ist wieder ein Mock-up des Speccy. Aber diesmal wurde die Konsole als tragbare Retro-Konsole entworfen; sie besitzt kein lieblos abgespecktes Gehäuse mit ein paar Radiergummi-Tasten, das an einen Speccy erinnern soll.

Diese Konsole versucht gar nicht erst wie ein Speccy auszusehen, sondern geht dank des Designs von Rick Dickinson eigene Wege. Einzig die Regenbogen-Ecke und der Schriftzug „sinclair“ deuten an, was sich in dem Ger√§t versteckt.

Sicher, es ist kein ZX Spectrum: Zu einem echten ZX Spectrum Feeling geh√∂rt halt auch die Radiergummi-Tastatur des Originals, aber eine bessere L√∂sung wieder die Klassiker aus den 1980er zu spielen, kann ich mir nicht vorstellen. Wer nur mal eben in BASIC programmieren m√∂chte, kann auf eine Emulation zur√ľckgreifen (z.B. einen der vielen Emulatoren unter Windows oder auch per FPGA-Emulation). Wer das echte Retro-Feeling m√∂chte, muss derzeit das Original wieder in Betrieb nehmen.

Aber vielleicht erh√∂rt Sir Clive seine Fans noch und bringt einen „echten“ – vielleicht auch etwas aufgemotzten – ZX Spectrum heraus oder, wie schon in meinem Kommentar zum Vega vorgeschlagen, ein passendes Speccy Geh√§use f√ľr einen Raspberry Pi.

Webtipp: Kung Fury, eine Hommage an die 1980er Jahre Trash-Movies

Kung FuryKung Fury ist ein schwedischer Kurzfilm von David Sandberg aus dem Jahr 2015, der als Kickstarter-Projekt finanziert wurde und kostenlos im Web, z.B. auf YouTube, verf√ľgbar ist. Der Film ist eine Parodie, oder besser gesagt, eine Hommage auf die Trash-Actionfilme aus den 1980ern. Zur Realisierung des Projekts waren 200.000 US-Dollar notwendig, letztendlich sammelte Sandberg aber mit 630.019 US-Dollar √ľber den dreifachen Betrag ein.

Der Film beinhaltet alles, was Actionfilme aus den 1980ern ausmachte: Spielautomaten, die sich in Roboter transformieren k√∂nnen, Dinosaurier, Nazis, Vikinger und deren Gottheiten, Mutanten und einen Kung-Fu K√§mpfer, genannt Kung Fury, als Polizist. Und was in einen Hommage nicht fehlen darf, ein DeLorean kommt auch vor. Der Titelsong „True Survivor“ wurde von David Hasselhoff beigesteuert, dessen Video ebenfalls auf YouTube angesehen werden kann.

Wikipedia schreibt zum Inhalt:

Als zwei Jugendliche in einem Spielcasino nach dem Ende des Spiels den Automaten traktieren, mutiert dieser zur Kampfmaschine und versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Kung Fury wird zu Hilfe gerufen und setzt dem Automaten ein Ende.

Im B√ľro der Polizei wird er jedoch von seinem Chef f√ľr den Schaden, den er angerichtet hat, zusammengestaucht. Als Adolf Hitler, Meister des Kung Fu und bekannt unter dem Alias Kung F√ľhrer, √ľber das Telefon die Polizeiwache unter Beschuss nimmt, beschlie√üt Kung Fury Hitler zu stoppen. Mit Hilfe von Hackerman, einem Hacker, reist Kung Fury in die Vergangenheit. Aufgrund eines Fehlers landet Fury jedoch im Wikinger-Zeitalter, wo er von einem Laser-Raptor angegriffen wird. Barbarianna, eine Wikingerin, rettet ihn jedoch und vermittelt ihn an ihre Freundin Katana, die Thor beschw√∂rt, um Fury zu helfen. Thor √∂ffnet mithilfe von Mj√∂lnir ein Zeitportal und schickt Fury in die richtige Zeit zur√ľck.

Im Dritten Reich angekommen, attackiert Fury die Zuh√∂rer einer Rede von Hitler. Als er von Hitler t√∂dlich getroffen wird, kommen ihm seine Freunde zu Hilfe. Fury wird gerettet und gemeinsam besiegen sie den Kung F√ľhrer. Zur√ľck in der Gegenwart stellt sich jedoch heraus, dass Hitler √ľberlebt hat und sich wieder in den 80er-Jahren befindet.

Ohne das Internet w√§re niemand auf diesen Film aufmerksam geworden und vermutlich h√§tte sich kaum jemand diesen Film √ľberhaupt angesehen. Anders auf YouTube, hier wurde er bereits 22 Millionen Mal angeklickt.

Das alles wäre keine Erwähnung auf 8Bit-Museum.de wert, wenn da nicht die Spielautomaten und Heimcomputer (Apple Mac (8:36), mehrere MicroBees und ein ZX Spectrum (10:17)) wären, die im Film auftauchen.

Bild: Kung Fury, A Laser Unicorns Production

Windows 3.11 Software im Browser ausprobieren

Das Internet Archiv stellte vor knapp zwei Jahren bereits zahlreiche klassische Spiele aus den 1970er und 1980er Jahren online. Jetzt folgt eine Software-Sammlung f√ľr Microsoft Windows 3.11, das vor nun √ľber 22 Jahren, am 8. November 1993, erschien.

Wer neugierig ist, kann die Programme in einem im Browser laufenden Emulator ausprobieren. Außer dem Desktop mit seinen zahlreichen Werkzeugen, werden etliche Spiele und einige Anwendungen angeboten. Auch wenn die meisten Programme recht unbekannt sind, macht es Spaß auszutesten, wie PC-Software Mitte der 1990er aussah, zu einer Zeit, in der Atari ST und Commodore Amiga in Sachen Grafik und Sound dem PC weit voraus waren.

Link: Software-Sammlung auf Archive.org

Verschollen geglaubtes Präsentationsvideo zum NeXT Computer aufgetaucht

Im Rahmen der Dreharbeiten zum „Steve Jobs“-Film ist der Technikhistoriker Tom Frikker auf eine bisher verschollen geglaubte VHS-Aufzeichnung der Original-Pr√§sentation des NeXT Computers gesto√üen, die jetzt im YouTube Kanal „The ReDiscovered Future“ ver√∂ffentlicht wurde.

Diese zweieinhalb Stunden umfassende Präsentation fand drei Jahre nachdem Steve Jobs Apple verlassen hatte statt und zeigt Jobs, wie er sichtbar stolz seine neueste Schöpfung präsentiert.

Video: The NeXT Introduction – October 12, 1988, The ReDiscovered Future, YouTube

Jobs stellt in seinem Vortrag nicht nur die damals sehr leistungsf√§hige Hardware und den aufwendigen Fertigungsprozess des Mainboards heraus, sondern geht auch ausf√ľhrlich auf sein neues Betriebssystem NeXTSTEP ein, das auch heute noch in OS X und iOS wiederzufinden ist. Leider war der Rechner in der einfachsten Ausstattung mit weit √ľber 6000 US-Dollar sehr teuer, denn dazu kam noch ein ebenso teurer Monitor sowie ein Drucker und weitere Peripherie, wie ein CD-ROM Laufwerk. Aus¬† diesem Grund versuchte Jobs den Rechner auch zun√§chst an Universit√§ten zu positionieren.

Jobs verkaufte NeXT am 7.2.1997 an Apple und arbeite dann wieder, zun√§chst als Berater, dann als √úbergangs-CEO (interim CEO, iCEO), f√ľr Apple.

Mehr √ľber NeXT und den NeXT Cube gibt es in diesem Beitrag.

Bild: Wikimedia, CC-BY-SA, allaboutapple.com

200 Disketten des Star Trek Erfinders Gene Roddenberry gerettet

Gene Roddenberry (Foto: dritter von rechts) ist jedem SciFi-Fan ein Begriff. Als Erfinder des Star-Trek Universums geh√∂rt er zu den ganz gro√üen Namen in diesem Genre. Nun konnten √ľber 200 5 ¬ľ“-Disketten, die noch unter dem Betriebssystem CP/M erstellt wurden, des bereits am 24. Oktober 1991 verstorbenen Autoren und Produzenten ausgelesen und so ihr Inhalt vor dem digitalen Verfall gerettet.

Bereits am vergangenen Montag berichtete die auf Datenrettung spezialisierte Firma DriveSavers, dass es ihr gelungen sei √ľber 200 5 ¬ľ“-Disketten aus dem Nachlass des Star Trek Erfinders Gene Roddenberry auszulesen.

Die Rettung der Daten von den √ľber 30 Jahre alten Datentr√§gern war aber alles andere als einfach. Drei Monate brauchte DriveSavers f√ľr das jetzt vorliegende Ergebnis, u.a. auch deshalb, weil sie eine Software erstellen mussten, mit der sie auf die Informationen der Disketten zuzugreifen konnten. Die Daten wurden in den 1980ern auf 5 ¬ľ“-Disketten mit je 160 KByte pro Datentr√§ger im damals popul√§ren Format CP/M, einem Diskettenformat √§hnlich dem heute bekannteren MS-DOS, geschrieben. Handb√ľcher f√ľr den Computer oder andere technische Dokumentation standen nicht mehr zur Verf√ľgung, so dass die Techniker das verwendete Format auch erst einmal noch analysieren mussten, denn es gab zahlreiche zueinander inkompatible CP/M Diskettenformate.

Es stellt sich nun die Frage, was √ľberhaupt auf den Disketten gespeichert ist? Mike Cobb, der technische Direktor von DriveSavers, best√§tigt derzeit nur, dass zahlreiche Dokumente gefunden worden seien. Die Nachlassverwalter schweigen ebenfalls noch zu den Funden, es sollen aber Informationen dar√ľber schon in absehbarer Zeit ver√∂ffentlicht werden. Aktuell gibt es Spekulationen √ľber unbekannte Star Trek Folgen und nie verwirklichten Serienentw√ľrfe.

Dieser Fund zeigt wieder einmal, wie wichtig digitale Archive sind, wie z.B. das Internet Archive oder die zahlreichen Seiten von Sammlern und Computerhistorikern, die historische Daten konservieren. Das Internet Archiv besitzt z.B. eine eigene Sektion, die sich mit ausgew√§hlter historischer Software besch√§ftigt. Dort k√∂nnen √ľber 30 Jahre alte Programme mit Hilfe eines Emulators ausprobiert werden, wie z.B. das 1979 erschienene Akalabeth, das eines der ersten Rollenspiele darstellt (mehr dazu in diesem Beitrag).

Foto: Gene Roddenberry (1976), NASA

32C3: Vector retrogaming

Vom 27. bis 30.12.2015 lädt der Chaos Computer Club zum 32. Chaos Communication Congress im Congress Center Hamburg ein. Auch in diesem Jahr gibt es wieder einige Vorträge, die sich mit Retro-Computing beschäftigen.

In dem Vortrag „Vector retrogaming“ zeigen Trammell Hudson und Adelle Lin wie ein Open-Source Vektor-Spielesystem mit MAME, einem Mikrocontroller und einem XY-Monitor oder Oszilloskop gebaut werden kann. Wer fr√ľher eine Vectrex sein eigen nennen konnte, wird diese Spiele lieben.

Video: Vector retrogaming, Chaos Computer Club

Weiterf√ľhrende Links: Vector games 32c3, Vectrex, Tektronix 1720, v.st Boards

Bild: Chaos Computer Club 32c3