Exidy Systems Inc

Reviews

Copyright: CHIP, Ausgabe Januar 1980
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Vogel-Verlags!


Großmeister

Was soll man davon halten, wenn ein Ger√§t unter dem Namen „Zauberer“ auf dem Markt angeboten wird und es sich bei diesem Zauberer auch noch um einen Mikrocomputer handelt? CHIP hat sich dieses geheimnisvollen Angebots n√§her angenommen und wirklich Bezauberndes gefunden.

Es f√§ngt beim Auspacken an. Da kommt einem ein koffergro√üer Karton ins Haus (er hat sogar einen Griff), in dem sich ein sandfarbenes Ger√§t verbirgt, etwa doppelt so gro√ü wie die Tastatur, die es beherbergt. Mit seinen 48 cm Breite, 33 cm Tiefe und 10 cm H√∂he d√ľrfte es auf jedem Tisch Platz finden und sieht obendrein noch gut aus. Man bekommt eine ASCII-Standardtastatur mit zus√§tzlichem numerischen Block, der alle Ziffern von Null bis Neun und die wichtigsten Rechensymbole enth√§lt. Weiter sind Kursortasten integriert und √ľberall noch Grafiksymbole verstreut (Bild 1). Nat√ľrlich verlockt es einen, erst einmal darauf zu spielen – und: von Billigausf√ľhrung keine Spur. Die Tasten haben ein sanftes, aber durchaus pr√§zises Bedienungsgef√ľhl. Man k√∂nnte stundenlang darauf schreiben. Und was die innere Qualit√§t anbelangt: Es ist beim Test auch mit Gewalt nicht gelungen, einen Preller zu erzeugen. Einige Tasten auf der Haupttastatur sind dunkler ausgef√ľhrt und mit „GRAPHIC“, „RUN/STOP“, „CLEAR“, „RESET“ und nochmal „RESET“ bezeichnet. Zweimal „RESET“? In der Tat: Um das Ger√§t r√ľckzusetzen, muss man beide „RESET“ Tasten zugleich dr√ľcken. Eine allein gilt nicht – eine wunderbare Erfindung, die man erst richtig zu w√ľrdigen wei√ü, wenn einem (auf anderen Computern) stundenlang eingetippte Programme fl√∂tengegangen sind, nur weil man statt des letzten schwungvollen „RETURN“ auf die „RESET“-Taste gekommen ist.

Bei der weiteren Besichtigung f√§llt auf der rechten Seite ein etwa handbreiter Schacht auf, eine Sorcerer-Zauberei: Er ist n√§mlich dazu da, sogenannte „ROMPAC“ aufzunehmen, Plastikkassetten, die bis zu 16 KBytes ROM auf einer kleinen Platine enthalten k√∂nnen (Bild 213). Ein Exemplar ist dem Ger√§t beigepackt: „STANDARD BASIC“ steht darauf. Man steckt die Kassette einfach ein, bis sie sp√ľrbar Kontakt aufgenommen hat, und los kann es gehen. (Es ist – fast – narrensicher: Man kann die Kassetten nicht verdreht einschieben, nur sollte man sie nicht bei eingeschaltetem Ger√§t herausziehen k√∂nnen: Sie d√ľrften das kaum vertragen.)

Die R√ľckseite schlie√ülich tr√§gt sonst noch N√ľtzliches: „EXPANSION BUS“, „PARALLEL INTERFACE“, „VIDEO OUT“, „SERIAL INTERFACE“, „MIC“, „EAR“ und dann noch Netzkabel, Sicherung und Netzschalter (Bild 4). Das l√§sst einige R√ľckschl√ľsse auf die M√∂glichkeiten des Grundger√§ts zu. Doch verbinden wir erst einmal „VIDEO OUT“ mit einem passenden Monitor, stecken die BASIC Kassette in den Schacht, holen tief Luft und schalten ein…

Zeilen und Zeichen

Ist der Monitor richtig eingestellt, so erhalten wir etwa folgende Meldung:

EXIDY STANDARD BASIC VER 1.0 COPYRIGHT (C) BY EXIDY INC. 31976 BYTES FREE

was zum einen zeigt, dass der Sorcerer beim Einschalten den Anfang des Programms im ROM-PAC sucht, und zum anderen, dass das Testger√§t 32KByte-RAM eingebaut hat (Bild 5). (Es gibt Versionen mit 8K-, 16K-,32K- und in K√ľrze auch 48-K-RAM-Speicher.) Was bei dem Ganzen auff√§llt, ist die kleine Schrift – Frage: Wieviel wird in welcher Qualit√§t wiedergegeben? „Wieviel“ k√∂nnte man nachschlagen (wenn man’s nicht eh schon wei√ü) „wie gut“ muss man ausprobieren. Und wenn wir schon BASIC haben, machen wir das so:

10 FOR I = 1 TO 200
20 PRINT "0123456789";
30 NEXT I
40 GOTO 40

Das schreibt den Schirm mit Zahlen voll (der letzte Befehl soll ein „READY“ verhindern). Eine Erfahrung am Rande: Die „SHIFT LOCK“-Taste schaltet nur die Buchstaben um, alles andere bleibt, wo es ist und wird bei Bedarf ganz normal durch „SHIFT“ erreicht – bei Programmen, die nur Gro√übuchstaben vertragen, wirklich eine Erleichterung: Man muss nicht mehr st√§ndig hin- und herschalten.

Ergebnis des Experiments: 30 Zeilen dicht an dicht gepackt mit je 64 Zeichen pro Zeile. Die dichte Packung st√∂rt gar nicht mal, da zwischen den einzelnen Zeichen einer Zeile gen√ľgend Platz ist. Genau betrachtet finden sich die Zeichen als 5 x 7-Matrix in einer 8 x 8-Zelle. Das gibt zwar bei den Unterl√§ngen Abstriche, denn zur n√§chsten Zeile ist gerade eine Punktreihe fest, auf der Zeile aber sind es zum n√§chsten Zeichen immerhin 3 Punkte.

Aber wird nicht die Aufl√∂sung des Sichtger√§ts √ľberfordert? Keineswegs: 64 Zeichen pro Zeile und 30 Zeilen, jeweils zu 8 Punkten, ergeben ein 512 x 240-Raster; bei einer guten 64 x 16-Anzeige mit einem 8 x 15-Feld pro Zeichen kommt man auf genau dieselben Werte.

Folgerung: Ein Sichtger√§t mit sauberer 64 x 16-Darstellung reicht f√ľr den Sorcerer aus. Und noch etwas Sch√∂nes: Das Bild steht wie eine Eins. Wer einmal mit √ľblichen amerikanischen 60-Hz-Videointerfaces gearbeitet hat, kann ein Lied davon singen: Man hat immer die 10 Hz Interferenz zum 50-Hz-Netz im Bild, das unangenehm tanzt und wackelt.

Eine kleine Zauberei noch: Die „REPEAT“-Taste wiederholt immer das zuletzt eingegebene Zeichen. Man braucht nicht drei oder vier Tasten gleichzeitig niederzuhalten. Zauberei? Nun, eher ein Zeichen f√ľr die Sorgfalt, mit der Exidy vorgegangen ist. Von anderen l√§sst sich das nicht unbedingt behaupten …

Grafik

Durchdacht bis zum „Plagiat“: Man kann mit dem Sorcerer √ľber die GRAPHIC-Umschaltung auch Symbole ausgeben. Und Durchprobieren aller Tasten f√∂rdert die Grafikzeichen des PET zutage (Bild 6). Nun interessiert nat√ľrlich, wie diese Zeichen intern dargestellt werden. Nichts einfacher als das! Wozu haben wir BASIC?

10 FOR I=0 TO 255
20 PRINT I; ": ";
30 FOR J = 0 TO 200: NEXT J
40 PRINT CHR (I),
50 NEXT I

Damit wird der (dezimale) ASCII-Kode auf dem Schirm ausgedruckt, ein klein wenig gewartet, damit die Funktion der Steuerzeichen erkennbar wird, und dann das zugeh√∂rige Zeichen ausgegeben. Und die ist das Ergebnis: Steuerzeichen werden nicht ausgedruckt (nur die Kursor- und L√∂schfunktionen), dann folgt bis 127 das normale ASCII-Alphabet, von 128 bis 191 die 64 PET-Symbole … ja, und dann kommt ab 192 noch 64mal immer sch√∂n in 8 x 8-Matrix – irgendein undefinierbares Gekruschel auf den Schirm. Was soll das?

Hier hilft nur ein Blick in die Handb√ľcher weiter. Und siehe da: Es sind – √ľber „GRAPHIC“ und „SHIFT“ zugleich angew√§hlte – Grafikzeichen, v√∂llig frei definierbar! F√ľr jede derart umgeschaltete Taste sind in einem Zeichengenerator-RAM 8 Bytes reserviert. Jedes Bit davon bestimmt den in der Matrix des Zeichens wiedergegebenen Punkt, hat aber beim Einschalten irgendeinen zuf√§lligen Wert (daher das „Gekruschel“ auf dem Schirm).

Man kann sich beliebige Objekte, Schriftzeichen, Symbole definieren (Bild 7) – wenn es sein muss, auch durch Zusammenfassen mehrerer Tasten. Bewegte Grafik mit kleinen Einzelobjekten ist damit sehr viel einfacher m√∂glich als mit X/Y-Grafik gleicher Aufl√∂sung. Sind die Tasten erst einmal definiert, braucht man nur noch die gew√ľnschte Stelle auf dem Schirm anzugeben und das Objekt einfach ausdrucken zulassen – kein umst√§ndliches Verschieben des Bildschirminhalts mehr. In relativ langsamen Sprachen wie BASIC kann man sich so aufwendige Unterprogramme in Maschinensprache sparen.

Zauberei? Wohl kaum, den Exidy verf√ľgt als drittgr√∂√üter Hersteller von Bildschirmspielautomaten in den USA √ľber eine reiche Erfahrung in Sachen bewegter Grafik. Wenn dabei 64 Zeichen nicht ausreichen und man mit dem PET im SORCERER nichts anzufangen wei√ü: Diese¬† Symbole k√∂nnen ebenso umdefiniert werden. Aber Vorsicht! Bei RESET und bei CLEAR (l√∂scht den Schirm) werden die PET-Symbole wieder in den Zeichengenerator zur√ľckkopiert. Bei der „CLEAR“-Taste ist das recht unangenehm, da man sie leicht aus Versehen bet√§tigt. Entsprechend arbeitet auch PRINT CHR (12), was einen in BASIC Programmen unter Umst√§nden dazu zwingt, den Schirm aufwendig durch Ausdrucken von Leerzeilen zu l√∂schen. Schlamperei? Angesichts der sonstigen Sorgfalt f√§llt so etwas auf. Immerhin bleiben wenigstens die anderen 64 Grafiksymbole erhalten.

Unter dem Strich hat man so alle 512 x 240 Punkte des Schirms „greifbar“. Allerdings nur unter dem Strich: Echte X/Y-Grafik √ľber den ganzen Schirm bei dieser Aufl√∂sung ist nicht machbar. Man muss zeichenorientiert arbeiten, da man auf den Schirm nur √ľber Bildwiederholspeicher (da stehen die Zeichenkodes drin) und Zeichengenerator (der die Zeichenkodes in Punktmatrizen √ľbersetzt) zugreifen kann. Jedoch: Mit Hilfe geschickter Programme, die die verf√ľgbaren Grafiksymbole voll ausnutzen und bei Bedarf zwischen √§hnlichen Linien geeignet interpolieren, kann man recht eindrucksvoll „plotten“. Nutzt man alle 128 Grafiktasten aus, so kann man z.B. auch in einem Feld von 16 x 8 Zeichen mit einer Aufl√∂sung von 128 x 64 Punkten arbeiten, braucht dann aber passende Unterprogramme zur Definition der Grafiksymbole im X/Y-Betrieb.

Die St√§rke des Sorcerer liegt in kleinen bewegten Objekten, frei definierten Schriftzeichen oder √§hnlichem. Wenn sehr viel X/Y-Grafik mit hoher Aufl√∂sung n√∂tig ist, muss man halt nach etwas anderem Ausschau halten. (Oder den Sorcerer √ľber den S-100-Bus um ein Grafikinterface erweitern – dann hat man mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen!) PET und TRS-80 sind jedenfalls hinsichtlich ihrer Grafikm√∂glichkeiten voll ausgestochen.

BASIC

In dem mitgelieferten ROM-PAC befindet sich ein 8-K-Microsoft-BASIC (Bild 8), das den eingetippten Quellentext in einen Zwischenkode √ľbersetzt. Dadurch wird das BASIC nicht nur recht schnell (man braucht beim Interpretieren nicht erst langwierig jeden Befehl in einer ASCII-Tabelle nachzusehen), es erleichtert auch die Programmeingabe: Die wichtigsten Befehle benutzen dieselbe Darstellung wie die durch den Benutzer bestimmbaren Grafiktasten. Mit anderen Worten: Will man z.B. „PRINT“ eingeben, braucht nicht mehr langwierig und fehlerintensiv herumgetippt zu werden, man dr√ľckt „GRAPHIC“, „SHIFT“ und „X“ – das ist alles. Auf diese Weise lassen sich Programme wesentlich schneller und fehlerfreier eingeben. (Die Lage der Befehle kann man in einem mitgelieferten „Tastenspiegel“ eintragen, der einfach auf das Geh√§use aufgeklebt wird) (Bild 9.)

Leider erscheint dabei nicht „PRINT“ auf dem Schirm, sondern das entsprechende Grafikzeichen f√ľr diese Taste. Man kann jedoch alle verf√ľgbaren Eintastenbefehle auf jeweils zwei Zeichen abk√ľrzen, die sich – etwas gegeneinander versetzt – in der 8 x 8-Matrix unterbringen lassen. Einmal definiert, stehen sie auf Kassette gespeichert jederzeit zur Verf√ľgung. Und wenn man dann wie oben „PRINT“ befiehlt, hat man sch√∂n deutlich „PR“ in der Anzeige stehen – bequemer geht’s kaum noch.

Allerdings h√∂rt hier der Sorcerer im BASIC auch schon auf. Im Grunde bekommt man eine Fernschreiberversion. W√§re es wirklich so viel Aufwand gewesen, z.B. noch Edierm√∂glichkeiten mit dem Kursor (wie beim PET) mit einzubauen? Offensichtlich ist das BASIC eine recht provisorische Beigabe. Genauere Betrachtung des Kodes ergibt z.B., dass es sich im wesentlichen um ein 8080-Programm handelt. Dadurch geben die 8K nicht alles her, was mit dem verwendeten Z80 m√∂glich w√§re. Man vermisst auch von anderen Gewohntes, z.B. „PRINT USING“ oder verschiedene Rechengenauigkeiten.

ROM-PAC

Dennoch: Das BASIC ist nicht schlecht! Und die Idee mit den ROM-Kassetten ist einfach genial. Man hat 4, 8 oder 16 KBytes im Wortsinne zur Hand: Ausschalten – ROM-Kassette raus – ROM-Kassette rein – einschalten – fertig. Wenn es jetzt noch m√∂glich w√§re, das Ger√§t dabei eingeschaltet zu lassen … welch eine Zauberei! Und das ist derzeit zu haben: Standard-BASIC (wird mitgeliefert), ein Assembler, ein Texteditor, die M√∂glichkeit, den Sorcerer als intelligentes V24-Terminal zu betreiben, und nicht zu vergessen – eine Leerpackung, in der vier EPROM vom 2708 bis zum 2732 Platz haben.

Der Assembler ist recht vielseitig: Er erzeugt frei verschiebbare Programmoduln, die beliebig zusammengebunden werden können. Man kann dabei nach Belieben Speicher, Kassettenrekorder, Bildschirm bzw. Tastatur als Ein-/Ausgabe wählen. Im einzelnen besteht er aus einem zeilenorientierten Editor, dem Assembler selbst, der Z80-Mnemonics verarbeitet, einem Lader und Binder und einem Debugger, der den Zugriff auf alle Z80-Register und den Speicher erlaubt und Haltepunkte verarbeiten kann. Es fehlen eigentlich nur noch Makromöglichkeiten und ein Disassembler Рaber das kann man von einer 8-K-Packung nicht mehr erwarten.

Mit der Textverarbeitungspackung kann man beliebig durch Kursorsteuerung auf dem Schirm edieren, der dabei eine Art „Fenster“ im Text ist, Rand√ľberschreitende W√∂rter kommen automatisch auf die n√§chste Zeile, Wagenr√ľckl√§ufe dienen nur noch zum Trennen verschiedener Abs√§tze. Der fertiggestellte Text kann wahlweise √ľber eine Fernschreibmaschine (z.B. eine Selectric) oder einen Typenraddrucker mit fein einstellbarer Schrittweite ausgegeben werden. Im letzteren Fall ist Proportionaldruck m√∂glich. Auf alle F√§lle jedoch kann man ohne und mit Randausgleich bei frei w√§hlbarer Zeilenl√§nge drucken, erh√§lt auf Wunsch Seitenzahl und Kopftitel auf das Blatt und vieles mehr. Alle Befehle k√∂nnen direkt oder als Programm gegeben werden, was die Vielseitigkeit betr√§chtlich erh√∂ht.

Eine ganze Reihe weiterer ROM-PAC sind bereits angek√ľndigt, werden aber vermutlich noch auf sich warten lassen, bis sich die Liefersituation f√ľr gro√üe ROM und EPROM gebessert hat. Versprochen sind unter anderem: ein anderes BASIC, APL, PILOT (vielleicht FORTRAN, COBOL und PASCAL wenn die √úbersetzer in 16 K unterzubringen sind – aber hier ben√∂tigt man zum sinnvollen Arbeiten ohnehin Disketten), diverse Spielprogramme usw.

Monitor

All das l√§uft auf dem Hintergrund eines leistungsf√§higen Monitors ab, der 4 KBytes im ROM belegt und unmittelbar 14 Befehle bietet: von der Eingabe in den Speicher √ľber Blockverschiebung und Speichertestrouiinen bis hin zur M√∂glichkeit, „Batch“-Programme zu erstellen. Das sind auf Band aufgenommene Befehlsfolgen, die sp√§ter automatisch abgearbeitet werden. Insgesamt bietet der Monitor alles f√ľr den Einstieg von ganz unten her. Wer Lust hat, kann sich von da an alles selbst erarbeiten (falls ihm die 300 DM f√ľr eine Assembler- Kassette zu viel sind). Insgesamt braucht der Sorcerer etwa 8-KBytes-Speicher f√ľr sich, davon sind an PROM 4 KBytes f√ľr den Monitor, 1 KByte f√ľr ASCII-Zeichengenerator und an RAM 1 KByte f√ľr den Grafikzeichengenerator, 1920 Bytes Bildschirmspeicher und noch ein paar Dutzend Bytes f√ľr Verwaltungsaufgaben, die auch etwas vom Benutzerspeicher in Beschlag nehmen. Von oben her gesehen schlie√üt sich an den Monitor der ROM-PAC-Bereich mit maximal 16 KBytes an, so dass noch 40 KBytes f√ľr RAM zur Verf√ľgung stehen (Bild 10). Davon k√∂nnen maximal 32 KBytes intern mit dynamischen RAM best√ľckt werden. Neue Modelle sollen Platz f√ľr 48 K bieten (bei Verzicht auf etwas ROM-PAC-Kapazit√§t!).

Interfaces

Und wenn man sich mit all diesen M√∂glichkeiten ein h√ľbsches Programm gebastelt hat, so erhebt sich die Frage: Wohin damit? Beim Sorcerer kein Problem. Er bietet gleich mehrere M√∂glichkeiten zum Anschluss von Kassettenrekordern, sozusagen eine f√ľr Anf√§nger und eine f√ľr Fortgeschrittene. Die f√ľr Anf√§nger ist schnell ausgemacht: Man schlie√üt √ľber die beigelegten Spezialkabel den Mikrofoneingang des Rekorders an MIC und den Kopfh√∂rerausgang an EAR an, folgt aufmerksam der (zur Zeit leider nur englischsprachigen) Bedienungsanleitung zum Einstellen der Rekorder und kann nun erstaunlich zuverl√§ssig Programme speichern und wieder laden. W√§hrend des Tests traten Ladefehler nur bei extremer Falscheinstellung des Rekorders auf!

Die M√∂glichkeit f√ľr Fortgeschrittene verbirgt sich in der seriellen Schnittstelle. Dort sind einige Anschl√ľsse zum Betrieb von zwei Rekordern reserviert, wobei jeweils EAR, eine Motorsteuerung, MIC und AUX zur Verf√ľgung stehen. Es geht noch weiter: Das Kassetteninterface arbeitet mit dem von Processor Technology entwickelten CUTS-Standard und bietet zwei Geschwindigkeiten an (vom Monitor aus umschaltbar): 1200 Bd (Standard) und 300 Bd (vorzugsweise zum Programmaustausch). Das letztere ist ein Kansas-City-Format, bei dem die Daten in 256 Bytes tiefen Blocks gespeichert werden. Das andere verk√ľrzt die KC-Definition einfach um den Faktor 4. Interessant bei dem Ganzen ist, dass nahezu die ganze umfangreiche Processor Technology-Software mit dem Sorcerer geladen werden kann (das – gesondert erh√§ltliche – „Technical Manual“ gibt einige Hinweise zur Anpassung der verschiedenen I/O-Routinen).

F√ľr jede Bandaufnahme – gleich welcher Art – kann ein bis zu 5 Zeichen langer Name vergeben werden, dem der Monitor noch eine Gruppenkennung (Maschinen- oder BASIC-Programm) hinzuf√ľgt. Man kann damit eine Aufnahme selbstt√§tig suchen lassen (sowohl im Monitor durch „LO“, als auch in BASIC oder „CLOAD“.) Der Rechner meldet dabei alle Aufnahmen, die er vorfindet, l√§dt die gesuchte Aufnahme (falls vorhanden), meldet dies durch „LOADING“ und bringt zu guter Letzt Namen, Gruppe (das erscheint als Benutzergrafiksymbol), Anfangsadresse, L√§nge und Startadresse. Sollte irgendetwas schiefgehen, so meldet er „CRC ERROR“, stoppt das Band und erwartet weitere Befehle durch den Benutzer. Der Ladevorgang kann jederzeit durch CONTROL-C abgebrochen werden, nicht aber das Speichern eines Programms auf Band.

Ansonsten bietet das serielle Interface die √ľblichen RS-232C-Grundsignale (= V24-Grundschnittstelle). Daneben kann man √ľber eine parallele Ausgabeschnittstelle unmittelbar einen CentronicsDrucker anschlie√üen. Und wem das noch nicht reichen sollte, der kann auf den „Expansion Bus“ zur√ľckgreifen. Hier werden √ľber einen 50poligen Kartenstecker alle wichtigen S-100-Signale herausgef√ľhrt. Man braucht nur noch etwas Pufferlogik, und schon kann man ohne weitere Schwierigkeiten auf das gr√∂√üte Interfaceangebot zur√ľckgreifen, das zur Zeit auf dem Markt zu haben ist. Exidy bietet dazu eine „Expansion Box“ mit 6 Steckpl√§tzen und einem gro√üz√ľgig ausgelegten Netzteil an. (Man kann im √ľbrigen bei Bedarf mehrere dieser Boxen als „daisy chain“ hintereinanderschalten.) Und wer bereits ein S-100System sein eigen nennt, kann √ľber eine Adapterkarte mit diesem Kontakt aufnehmen und macht so – Hokuspokus aus zwei Ger√§ten eines.

F√ľr das Videointerface ist demn√§chst ein zum Sorcerer passender Monitor zu bekommen, in den – ohne zus√§tzliches Interface – auch zwei Diskettenlaufwerke (Minifloppies) eingebaut werden k√∂nnen.

Innenleben

Nach L√∂sen von f√ľnf Schrauben (ein aufschlu√üreiches Detail am Rande: Es werden ganz solide Kreuzschlitzschrauben mit langem Gewinde verwendet, das voll in ein Formst√ľck im Geh√§use eingreift) kann man den Deckel samt Tastatur abheben. Insgesamt findet man: eine gro√üe Hauptplatine, die den ganzen Boden ausf√ľllt und Z80-Prozessor (2-MHz-Version) mit Speicher samt Anpassung- und Verwaltungslogik tr√§gt; darauf huckepack eine kleine Interfaceplatine mit Testanschl√ľssen; und schlie√ülich im Dekkel die Tastaturplatine, die mit der Hauptplatine √ľber eine 16adriges Kabel mit DIL-Stecker verbunden ist.

Dokumentation

Um es vorwegzunehmen: Eine n√§here Information √ľber den Z80-Prozessor oder die verwendeten Interfacebausteine findet man nirgends. Hier muss man sich schon an die Hersteller halten. Sonst gibt es aber einiges: Es werden zwei sch√∂ne, sauber gebundene Handb√ľcher mitgeliefert, die so etwas wie eine erste Einf√ľhrung in den Monitor und in BASIC bringen, halt etwas f√ľr den ersten Einstieg. Fortgeschrittene k√∂nnen zwei weitere Manuals erwerben, betitelt „Sorcerer Software Manual“ und „Sorcerer Technical Manual“, beide ungef√§hr 50 Seiten stark im DIN-A4-Format.

Das sind wahre Fundgruben. Das Software-Manual enth√§lt au√üer einer F√ľlle von Hinweisen auch das komplette, gut dokumentierte Monitor-Listing, das andere besch√§ftigt sich eingehend mit Betriebs- und Hardwarefragen: Grundaufbau, Interfaces, Umgang mit dem Monitor, Servicehinweise usw. Nicht zu vergessen: Es enth√§lt die kompletten Schaltpl√§ne des Ger√§ts. Man sollte die Zusatzausgaben (jeweils etwa 30 DM) nicht scheuen, wenn man vorhat, den Sorcerer auch wirklich auszunutzen.

Schwachstellen

Ehrlich gesagt, man muss ziemlich danach suchen. Und im Grunde findet man nur Kleinigkeiten: Schlampereien, wie die Tatsache, dass im Musterger√§t die Hauptplatine schief eingebaut war, so dass man kaum noch an den Stecker des Parallelinterfaces kam, oder die Sache mit der „CLEAR“-Taste, die nicht h√§tte zu sein brauchen. Wirklich Schwerwiegendes war beim besten Willen nicht zu finden.

Nat√ľrlich bleiben auch hier W√ľnsche offen, wie z.B. nach echter X/Y-Grafikerweiterung im Ger√§t oder gar Farbm√∂glichkeiten, das BASIC sollte besser angepasst sein, und – nicht zuletzt – w√§re eine deutsche Ausgabe aller (!) Handb√ľcher unabdingbar.

Hinsichtlich verf√ľgbarer Software jedoch d√ľrfte sich bald Entscheidendes tun: Exidy hat gerade einen gro√üen BASIC-Wettbewerb abgeschlossen, andere Firmen sind bereits mit Tonbandkassetten auf dem Markt – und dann hat man ja auch noch die wichtigste Grundsoftware in ROM-Kassetten, die bei anderen den halben RAM-Bereich auffri√üt.

Gut, der Sorcerer ist nicht der Allerbilligste. Bezieht man aber seinen grundsoliden Aufbau und seine M√∂glichkeiten mit ein, so ist es einer der preiswertesten Heimcomputer, die derzeit auf dem Markt sind. Von daher gesehen hat er alles, um sich auf breiter Front durchsetzen zu k√∂nnen, denn – nicht zu vergessen – er ist einfach zauberhaft…

CHIP-Wertung:

Gut:

Tastatur ROM-PACs Grafikmöglichkeiten Kassetteninterface

Schlecht:

– keine Z-80-Dokumentation Handb√ľcher m√ľssen separat erworben werden
Рnoch keine Erweiterungen (z.B. Floppies) erhältlich