Acorn

Reviews

Copyright: CHIP, Ausgabe Juni 1981
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Vogel-Verlags!


Atom-Basic

Der Mikroprozessor 6502 muss auf die Hersteller von Hobby-Computern eine besondere Faszination aus√ľben, denn der ACORN-ATOM wurde wieder auf der Basis dieser CPU hergestellt. Der Preis ist so g√ľnstig, dass dieser Computer ein echter Einsteiger zur Erlernung von BASIC ist.

Der ACORN-ATOM ist ein Einplatinencomputer in einem flachen Geh√§use. Die Tastatur hat eine Anordnung, wie man sie von der Schreibmaschine her kennt. Auf der R√ľckseite des Geh√§uses befindet sich der Anschluss f√ľr den ACORN-Bus, ein Druckeranschluss, die Buchse f√ľr das Netzger√§t, der Anschluss f√ľr den Kassettenrecorder und ein UHF-Ausgang.

Technisches Innenleben

Die zentrale Recheneinheit, also die CPU, ist der Mikroprozessor 6502. Die Arbeitsfrequenz f√ľr den 6502 wird aus einem 4,00 MHz Quarz gewonnen, die dann auf 1 MHz heruntergeteilt wird.

Der Befehlsvorrat und der BASIC-Interpreter sind in zwei Masken-Festwertspeicher untergebracht. Das eine ROM (Read-Only-Memory) enth√§lt die BASIC-Anweisungen f√ľr ganze Zahlen und alle Anweisungen f√ľr Gleitkommazahlen. Damit ergeben sich eine Anzahl von wissenschaftlichen Funktionen und Teile f√ľr die Farbgrafik. Das zweite ROM beinhaltet die entsprechenden Hilfsprogramme und Funktionen f√ľr ein serielles Schnittstellenprogramm. Dabei kann auch zus√§tzlich ein Schnittstellenadapter (VIA) bedient werden.

Die Erweiterung des Grundgerätes ist durch den ACORN-Bus-Stecker am Ausgang kein Problem, denn es sind 64 Pins vorgesehen.

Die Speicherung der Daten erfolgt in 24 RAM-Bausteinen vom Typ 2114, wobei sich dann eine Gesamtkapazit√§t von 12K (12K – 8) in der Grundausstattung ergibt. Der Arbeitsspeicher hat eine Kapazit√§t von 6K, ebenso das Video-RAM f√ľr den Bildwiederholspeicher.

Das Benutzer-RAM, das ist der Speicherplatz f√ľr die BASIC-Texte, kann ein Bereich mit niedrigen Adressen sein. Bei diesem Ger√§t kann zum Textanspeichern ein Speicherbereich mit hohen Adressen und au√üerdem ein halber Bildschirmspeicher verwendet werden.

Videoteil

Ein Quarz von 3,58 MHz dient als Zeitbasis f√ľr den Videoteil. Ein Videozeichengenerator (VDG) erzeugt die Synchronisationssignale f√ľr den Bildschirm oder f√ľr den Monitor in √úbereinstimmung mit einer Reihe von immer wieder „aufgefrischten“ Adressen. In diesen Adressen stehen die Daten f√ľr die Anzeige. Der Bildschirm ist gem√§√ü den Speicherpl√§tzen eingeteilt. Jeder Punkt auf dem Bildschirm zeigt immer den Inhalt, des entsprechenden Speicherbereiches an. Da dies kontinuierlich erfolgt, spricht man vom Bildwiederholspeicher.

Normalerweise erreicht nur der Videozeichengenerator das Video-RAM, das aus 12 Bausteinen 2114 besteht. Wenn die Information in dem Video-RAM (Bildwiederholspeicher) geändert werden soll, erlauben Tri-State- oder Three-State-Zustandspuffer dem Prozessor, neue Daten in das Video-RAM einzuschreiben.

Durch den 3,58 MHz-Quarz ergeben sich entsprechende Wiederholzeiten. Dabei wird eine Fernsehzeile 282 ¬Ķs lang. Es werden Schwarz/ Wei√ü und Farbsymbole von dem Videozeichengenerator erzeugt.

Der Video-RAM-Teil ist in zwei Abschnitte aufgeteilt. Die eine H√§lfte wird f√ľr die Speicherung eines vollbeschriebenen Bildschirmes ben√∂tigt, und die andere H√§lfte ist zur Programmierung im hohen Adressenbereich freigegeben. Bei einer Erweiterung des ACORN-ATOM werden normalerweise Speicherpl√§tze f√ľr BASIC-Texte im niedrigen Adressenbereich eingegeben, und man kann so die urspr√ľnglichen Video-RAM-Einheiten f√ľr eine Grafik einsetzen.

Erweiterung

√úber 24 I/O-PORTs, also 24 Ein/Ausgabe-Leitungen, stehen dem ACORN-Besitzer als periphere Schnittstellen zur Verf√ľgung. Einige der Leitungen sind als Kontrolle f√ľr den Videozeichengenerator notwendig und eine speziell zur Anzeige des Signals von diesem Generator. Hier wird die vertikale Nullzone des Generators angezeigt, und man kann dies f√ľr externe Synchronisationszwecke einsetzen. W√§hrend dieser Zeit kann der Prozessor √ľber die Tri-State-Zustandsbuffer das Video-RAM erreichen, ohne die Bildschirmausgabe zu beeinflussen. Dieses Signal erzeugt auch die Zeiteinteilung f√ľr eine WAIT-Anweisung.

Tastatur

Die Tastatur hat die √ľblichen Standardausma√üe. Den √úbergang zur Tastatur bildet der Baustein 8255, in der die Tasten als Matrix angeordnet sind. Mit dem programmierbaren Peripheriebaustein 8255 wird ein Decoder/Treiber angesteuert, der die Tastaturmatrix abwechselnd freigibt. Die periphere Schnittstelle wird zum Lesen der Spaltenausg√§nge eingesetzt, so dass durch Zeile und Spalte die Lage genau bestimmt ist.

Kassettenrecorder

Leider hat der ACORN-ATOM keinen eingebauten Kassettenrecorder zum Speichern und Abrufen von Programmen. Auf der R√ľckseite des Geh√§uses befindet sich die Buchse f√ľr den Kassettenrecorder.

Die CUTS-Schnittstelle f√ľr den Kassettenrecorder ist ebenfalls √ľber diese periphere Schnittstelle mit dem Mikroprozessor verbunden. √úber diese Schnittstellen gelangen zwei verschiedene T√∂ne auf die Kassette. Ein logisches 1-Signal wird durch eine Frequenz von 2,4 kHz dargestellt, w√§hrend das 0-Signal durch die Frequenz von 1,2 kHz aufgezeichnet oder abgegeben wird. Die Ausgabe jedes 0- oder 1-Signals dauert etwa 3,3 ms. Damit ergibt sich eine √úbertragungsgeschwindigkeit oder Baudrate von 300 bit/s. Diese Frequenzen sind von dem 4-MHz-Quarz abgeleitet.

Die Quarzfrequenz wird durch interne Teile auf 2,4 kHz oder 1,2 kHz heruntergeteilt. Diese Frequenzen liegen dann an der peripheren Schnittstelle oder an der Kassettenrecorder-Schnittstelle.

Der Eingang vom Kassettenrecorder wird zunächst verstärkt und von einem nachgeschalteten Schmitt-Trigger (Schwellwertschalter) digitalisiert, bevor er zur eigentlichen Schnittstelle im ACORN-ATOM gelangt. Eine andere Leitung von der peripheren Schnittstelle wird zur Ansteuerung des internen Lautsprechers verwendet.

Interne Erweiterung

Es k√∂nnen bis zu zwei ROM oder EPROM in den ACORN-ATOM eingesetzt werden. Einer enth√§lt die Anweisungen, dass zus√§tzlich zu den BASIC-Grundanweisungen f√ľr ganze Zahlen alle Anweisungen auch mit Gleitkommazahlen auszuf√ľhren sind. Das ROM enth√§lt dazu noch eine F√ľlle von wissenschaftlichen Funktionen und Teile f√ľr die Farbgrafik.

Im zweiten ROM sind weitere n√ľtzliche Hilfsprogramme und Funktionen untergebracht, wie etwa ein serielles Schnittstellenprogramm, das es dem ACORN-ATOM erm√∂glicht, an solche angeschlossen zu werden oder die M√∂glichkeit innerhalb eines Computerringsystems zu arbeiten. Ein zus√§tzlich erh√§ltlicher Schnittstellenadapter (VIA) l√§sst sich ebenfalls einbauen. Er erlaubt diesem Computer, √ľber diese Ein/Ausgabe-Leitungen mit einem anderen ACORN durch die Hardware zu kommunizieren.

Ebenso kann zus√§tzlich ein Treiberbaustein eingef√ľgt werden, √ľber den dann mit dem VIA-Teil der ATOM einen parallelen Drucker mit Centronics-Schnittstelle ansteuern kann.

Schließlich gibt es eine Menge von Buspuffer, die eine Verbindung mit Erweiterungs-RAM, Plattenlaufwerke und anderen Funktionen erlauben.

Die Firma Orga Oelzner GmbH, Kaiser-Wilhelm-Ring 13, 5000 Köln 1, liefert das Gerät.

Netzgerät

Der ACORN hat kein internes Netzgerät. Dies kann von Vor- oder Nachteil sein. Der Vorteil liegt darin, dass sich der ACORN kaum erwärmt. Der Nachteil sind zwei getrennte Gehäuse und eine zusätzliche Verbindung.

H. B.

CHIP-Wertung

Was uns gefällt:
– g√ľnstiger Preis
– gutes BASIC
Рeinfache Erweiterungsmöglichkeiten
– interner UHF-Modulator f√ľr Kanal 36
– gute und ausf√ľhrliche Dokumentation in deutsch
– mitgelieferter BASIC-Kurs

Was uns weniger gefällt:
Рkein internes Netzgerät
– kein interner Kassettenrecorder
– Tastatur prellt gelegentlich

Kleines ACORN-Programm

Der Teil nach dem IF der IF-THEN-Anweisung ist die Bedingung, die aus zwei beliebigen Ausdr√ľcken bestehen kann, die durch einen vergleichbaren Operator voneinander getrennt sind, der die beiden Ausdr√ľcke miteinander vergleicht.

Sechs verschiedene vergleichende Operatoren können dazu verwendet werden:

=¬†¬†„Gleich“
>¬†¬†„Gr√∂√üer als“
<¬†¬†„Kleiner als“
<>¬†„Ungleich“
<=¬†„Kleiner oder Gleich“
>=¬†„Gr√∂√üer oder Gleich“

wobei jeder Operator, der links steht, genau das logische Gegenteil des Operators, der rechts steht, darstellt. Die Ausdr√ľcke auf beiden Seiten eines vergleichenden Operators k√∂nnen so kompliziert sein wie erforderlich, und die Reihenfolge bei ihrer Aufschreibung ist beliebig (3 < 5 oder 5 < 3, sie ist also nicht von den Werten abh√§ngig – nur das Ergebnis h√§ngt von der Reihenfolge ab).

Runde Klammern werden f√ľr diese Ausdr√ľcke nicht ben√∂tigt! Folgendes Programm druckt eine der drei Nachrichten, je nachdem eine Zahl eingegeben wurde, die kleiner, gleich oder gr√∂√üer als 7 ist:

10 REM Das Raten einer Zahl (7)
20 INPUT "Raten Sie die Zahl, die ich mir vorstelle",N
30 IF N < 7 THEN PRINT "zu klein"
40 IF N = 7 THEN PRINT "richtig"
50 IF N > 7 THEN PRINT "zu groß"
60 END

Technische Daten

CPU: 6502 mit 1 MHz
RAM: 24 Bausteine vom Typ 2114, zusammengefaßt in 12K. 6K-Arbeitsspeicher, 6K-Video-RAM.
ROM: 12K, aufgeteilt in 8K im 52164 und 4K im 52132. Erweiterbar um 4K.
Tastatur: 60 Tasten, alphanumerisch mit Steuertasten. Abfrage √ľber 8255 in Verbindung mit 7445.
Schnittstellen: Monitor (Video) oder f√ľr einen normalen Fernsehempf√§nger auf Kanal 36. USER 1/0-PORT und Buserweiterungen.
Ein- und Ausgang f√ľr Kassettenrecoder.
Stromversorgung: Externes Netzgerät, 220 V/50 Hz, Ausgangsspannung +5 V und Ausgangsstrom 1,2 A stabilisiert.