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Ein Sprung nach vorn – Der neue Sinclair QL

Clive Sinclair, der Zauberer, hat wieder zugeschlagen. Mit seinem neuen Mikrocomputer Sinclair QL setzt er abermals neue MaßstĂ€be bei den kleinen Computern – auch was den Preis betrifft.

Der Name des neuen Rechners, das KĂŒrzel QL, steht fĂŒr „Quantum Leap“, zu Deutsch „Quantensprung“. Mit diesem Begriff aus der Physik will man andeuten, dass es sich bei dem neuen Rechner um einen wahren VorwĂ€rtssprung in der Computertechnik ĂŒberhaupt handelt, und nicht etwa um eine normale Weiterentwicklung. Ein recht hoher Anspruch, so scheint es. Doch wenn man sich die Eigenschaften des GerĂ€ts genauer anschaut, stellt man bald fest, dass hier wohl nicht zuviel versprochen wird.

Das hervorstechendste technische Merkmal dieses Rechners ist zweifellos sein zentraler Prozessor. Es handelt sich dabei um den MC68008 von Motorola. Dieser Chip ist im Gegensatz zu seinem „grĂ¶ĂŸeren Bruder“, dem MC68000, nicht mit einem 16bit-, sondern mit einem 8-bit-Datenbus ausgestattet. Damit ist er im praktischen Betrieb nicht ganz so schnell wie sein grĂ¶ĂŸerer Bruder, diese Konstruktionsweise spart beim Computer aber Baukosten. Intern arbeitet der Chip aber ebenfalls mit 32 bit, kann also vier Byte zugleich manipulieren. Damit erfĂ€hrt diese Prozessor-Linie, die neben den allgegenwĂ€rtigen Intel-Chips (8088, 8086, 80188, 80186 und so weiter) nur sehr langsam an PopularitĂ€t gewann, wichtige Belebung. Nach Apples MacIntosh wird die MC68000-Baureihe nun zum zweitenmal in einem kleineren Mikrocomputer eingesetzt, der in großen StĂŒckzahlen verkauft werden soll.

Genug Speicher

Die Version 68008 kann ohne technische Tricks einen Arbeitsspeicher von 1 MByte verwalten – sicher mehr als genug fĂŒr einen Rechner der Klasse des QL. Als Grundausstattung sind 128 KByte eingebaut. Zur Erweiterung will man ein Modul mit 512 KByte anbieten, der die GesamtkapazitĂ€t des Computers auf beachtliche 640 KByte bringt.

Und die Betriebssoftware, die zum QL gehört, macht diesem leistungsfĂ€higen Prozessor alle Ehre. Sie heißt QDOS und lĂ€sst den Betrieb von mehr als einem Programm zur gleichen Zeit zu (sogenanntes Multi-Tasking). Diese Eigenschaft dĂŒrfte fĂŒr einen Computer dieser GrĂ¶ĂŸenklasse einmalig sein. Außerdem gibt es bei der Bildschirmausgabe Fenster, in denen verschiedene Informationen nebeneinander zu sehen sind. Damit findet der QL auch Anschluss an die neuen Entwicklungen der modernen Softwaretechnik.

Auch BASIC bietet der Rechner, aber in einer ungewöhnlich komfortablen Form. Es handelt sich um eine Erweiterung des Spectrum-BASIC, mit Möglichkeiten zum strukturierten Programmieren. Laut Anbieter gibt es auch eine saubere Schnittstelle zur Maschinensprache, was das EinfĂŒgen von Assemblerroutinen in BASIC-Programme erleichtert. Aber auch einen Pascal-Compiler und einen Assembler soll es fĂŒr den Sinclair QL geben. Und die geplanten Erweiterungsmöglichkeiten können sich ebenfalls sehen lassen. Geplant sind unter anderem ein Analog/Digital-Wandler, Schnittstellen fĂŒr ein Modem und das von Hewlett Packard entwickelte und unter anderem von Commodore verwendete IEEE-488 Bussystem (sogenannter IEC-Bus) Auch den Anschluss von Festplattenlaufwerken will man möglich machen – sicherlich eine gute Nachricht fĂŒr Anwender, die professionell mit dem neuen Sinclair-Rechner arbeiten und große Datenmengen verwalten wollen.

Die Bildschirmausgabe erfolgt wahlweise ĂŒber einen Monitor oder einen Fernseher. Je nach Genauigkeit der Darstellung kann man verschiedene Textformate verwenden. SelbstverstĂ€ndlich bietet der QL auch Farbgrafik. Sie ist mit 512 x 256 Bildpunkten bei vier Farben und 256 x 256 Punkten mit acht Farben auch ganz beachtlich.

Als Massenspeicher sind in den QL zwei der von Sinclair zunĂ€chst fĂŒr seinen Spectrum entwickelten Mikrodrives eingebaut, Diese Laufwerke nehmen winzige Bandkassetten auf und bieten hier jeweils rund 100 KByte SpeicherkapazitĂ€t. Da man noch weitere sechs Laufwerke zusĂ€tzlich anschließen kann, lĂ€sst sich die MassenspeicherkapazitĂ€t bis auf 800 KByte erweitern.

Die durchschnittliche Zugriffszeit betrĂ€gt bei diesen Laufwerken rund 3,5 s. Bis zu 15 KByte lassen sich in einer Sekunde von einem Band in den Arbeitsspeicher laden. Tonbandkassetten werden mit diesen Werten zwar nach LĂ€ngen geschlagen, sie liegen aber noch erheblich unter denen von Diskettenlaufwerken, die eigentlich als Mindestausstattung fĂŒr einen ernsthaften kommerziellen Betrieb gelten. Außerdem dĂŒrfte ein in acht Laufwerke zerstĂŒckelter Massenspeicher von 800 KByte bei professionellen Anwendern auch keine große Begeisterung auslösen.

Die VorgĂ€nger des Sinclair QL enthalten einen speziell entwickelten integrierten Schaltkreis. Er selbst bietet gleich vier davon. Der erste kontrolliert Bildschirm und Arbeitsspeicher, der zweite unter anderem die Mikrolaufwerke, Funktionen fĂŒr ein lokales Netzwerk und serielle Ausgabe. Die beiden anderen stellen analoge Funktionen zur VerfĂŒgung, die von den Laufwerken benötigt werden.

Zweiter Prozessor

Und auch noch einen zweiten Prozessor enthĂ€lt der Sinclair QL. Es ist der 8049 von Intel. Er betreibt die Tastatur, sorgt fĂŒr die Tonerzeugung und kontrolliert außerdem die serielle Eingabe und die Echtzeituhr des Computers.

Beim QL wird auch ein Paket von vier Programmen mitgeliefert, das den Computer mit den wichtigsten Standardanwendungen ausstattet. Es handelt sich dabei um Abakus fĂŒr Tabellenkalkulation, Archive fĂŒr die Datenspeicherung, Easel zur Erzeugung von Grafiken und das Textverarbeitungsprogramm Quill.

Dieses von dem Londoner Software-Haus Psion entwickelte Software-Paket soll ĂŒberdurchschnittliche Leistungsmerkmale bieten, sich aber ohne vorherige Kenntnisse einlassen. Ihre Grundfunktionen lassen anfangs sich auf sehr einfacher Ebene einsetzen. Mit wachsender Übung kann der Anwender immer weitergehende Leistungsmerkmale ausnutzen. Zu jeder Zeit lassen sich ErlĂ€uterungen am Bildschirm sichtbar machen.

Als besondere Dienstleistung will Sinclair außerdem eine Vereinigung von QL-Benutzern ins Leben rufen, deren Mitglieder neue Versionen der Software stets automatisch zugesandt bekommen, Die Mitgliedschaft soll jĂ€hrlich 140 Mark kosten.

Aber eine der grĂ¶ĂŸten Sensationen am QL ist vielleicht sein Preis. Komplett soll er nicht mehr als rund 1600 Mark kosten. Damit ist er deutlich billiger als alle seine Konkurrenten, auch wenn man gegebenenfalls noch einen Monitor dazukaufen muss. Sogar vier Mikrokassetten sind noch im Preis enthalten.

Wie bei den frĂŒheren Sinclair-Modellen ZX80, ZX81 und Spectrum ist der QL zunĂ€chst in England im Postversand erhĂ€ltlich. Bei uns will man das GerĂ€t vom Herbst an verkaufen. Hersteller ist ĂŒbrigens zunĂ€chst ein Unternehmen der Unterhaltungselektronik, Thorn EMI.

Echte Sensation

FĂŒr seine innovativen Leistungen wurde Clive Sinclair bereits geadelt. Und als Sir Clive Sinclair hat er jetzt wiederum fĂŒr eine echte Sensation gesorgt. Ob der QL allerdings mit seinen Microdrives allein schon den Anspruch rechtfertigen kann, ein kommerziell einsetzbarer Rechner zu sein, bleibt abzuwarten. -st

Technische Daten:

CPU: MC68008, Taktfrequenz 7,5 MHz
Arbeitsspeicher: 128 KByte RAM, erweiterbar auf 640 KByte
Massenspeicher: 2 Mikro-Bandlaufwerke, je 100 KByte MindestkapazitÀt, erweiterbar auf 8 Laufwerke, mittlere Zugriffszeit 3,5s, Transferrate 120 Kbit/s
Schnittstellen: AnschlĂŒsse fĂŒr Fernseher und Farbmonitor, 2 serielle Schnittstellen (RS 232 C), ROM-Steckplatz, Netzwerkanschluss, Laufwerkanschluss, 2 Joystick-AnschlĂŒsse, parallele Druckerschnittstelle als Zusatz geplant
Bildschirmdarstellung: Zeichendarstellung bis zu 25 Zeilen mit 85 Zeichen mit mehreren ZeichensÀtzen, hochauflösende Grafik 512 x 256 Bildpunkte in 4 Farben oder 256 x 256 Punkte in 8 Farben
Tastatur: Standard-Tastatur (zunÀchst nur englische Belegung), 65 Tasten, davon 5 Funktionstasten
Programmiersprachen: BASIC, Pascal, 68000-Assembler
Abmessungen: 47,2 x 4,6 x 13,8 cm (Breite x Höhe x Tiefe)
Gewicht: 1,4 kg