Commodore

Reviews

Copyright: CHIP, Ausgabe Juni 1983
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Vogel-Verlags!


Commodore 64 als Portable

Hersteller von portablen Computern erfreuen sich einer groĂźen Nachfrage. Commodore hat das Konzept ĂĽbernommen und stellte auf der Systems ’83 den C64 als Portable vor.

Wie in früheren Zeiten hat Commodore auch in diesem Jahr auf verschiedenen Messen mit einem Prototyp das Interesse der Besucher auf sich gezogen. Doch im Gegensatz zu der MAX-Maschine, einem HomeComputer mit Farbbildschirm und einer kleinen Speicherkapazität, der wegen des Preisverfalls beim VC20 nicht auf den Markt gebracht wurde, hat sich Commodore nicht zuletzt wegen der großen Nachfrage für den C64 entschlossen, diesen Portable zu vermarkten.

Auf der Systems ’83 wurde der Commodore Executive 64 als marktreifes Produkt vorgestellt, Ă„uĂźerlich dem Osborne-Portable sehr ähnlich, besteht der Computer aus einem Kunststoffgehäuse mit Tragegriff, Integriert sind ein 5-Zoll-Farbbildschirm mit einem Disketten-Laufwerk sowie einer abklappbaren, frei beweglichen Tastatur. Ansonsten verbirgt sich hinter dem Gerät das erfolgreiche Konzept des Commodore 64. Der Preis soll unter 3500 Mark liegen, und mit der Zusatzbezeichnung DX soll es dasselbe Gerät auch mit zwei Laufwerken geben.

Von Osbornes Fehlern nichts gelernt

Einer der großen Nachteile beim tragbaren Osborne-Computer war der viel zu kleine Bildschirm, was von Osborne allerdings mit einem Nachfolgemodell ausgebügelt wurde. Doch gerade hier liegt bei Commodore der schwache Punkt. Besonders durch die Farbdarstellung ist es nahezu unmöglich, längere Zeit mit dem Gerät zu arbeiten, weil die Buchstaben viel zu klein sind. Hier ist es mit Sicherheit besser, einen Schwarzweiß-Monitor zu verwenden. Ansonsten bleibt nur die Lösung übrig, entweder ein Farbfernsehgerät oder einen Monitor neben den Rechner zu stellen und damit zu arbeiten.

Das eingebaute Disketten-Laufwerk hat dieselbe Kapazität und Funktion wie das Floppy-Drive VC1541. Die gesamte Commodore 64-Software ist auf dem Portable ablauffähig. Dazu gehört auch das Betriebssystem CP/M in der Version 2.2. Die dazu notwendige CP/M-Karte mit Z80-Prozessor ist bereits eingebaut. Ladbare Programmiersprachen sind UCSD-Pascal, LOGO, Comal, Assembler und Pilot. Das Commodore-BASIC sowie die Maschinensprache für den 6502-Prozessor sind im Rechnerintegriert.

Eine vielfältige Anwendungsmöglichkeit bieten die vorhandenen Anschlüsse auf der Geräterückseite. So kann über das IEEE-488-Interface die gesamte Peripherie der Systeme 4000 und 8000 von Commodore angeschlossen werden. Gleichzeitig ist ein Steckplatz für das RS-232-Interface vorhanden. Die Peripherie des Commodore 64 wie zum Beispiel Datassette, Grafikdrucker und Printer/Plotter können über den seriellen Bus angesteckt werden. Daneben sind Eingänge für Analog/Digital-Wandler, über die Paddles angeschlossen werden können, und Anschlüsse für zwei Joysticks sowie ein Lichtgriffel-Port angebracht.

Stark in Farbe und Ton

Die Farbdarstellung des Computers besonders auf einem Zusatz-Monitor ist ähnlich gut wie beim Commodore 64, und auch der eingebaute Musik-Synthesizer mit drei unabhängigen Tongeneratoren und einer Geräuschfunktion kann sich sehen lassen. Da ein Steckplatz für fertigprogrammierte Module vorhanden ist, eignet sich der Computer auch hervorragend zum Spielgerät.

Die Tastatur beinhaltet ebenfalls die Funktionen des Commodore 64. Sie ist frei beweglich, durch ein Kabel mit dem Rechner verbunden und wird beim Transport wie ein Deckel über dem Bildschirm und dem Disketten-Laufwerk befestigt. Zur Stromversorgung verlangt der Portable allerdings eine Steckdose. Wie auch bei anderen Commodore-Produkten dürfte die Entwicklung des Batterieeinsatzes in den Händen eines Zubehör-Lieferanten liegen.

Besonders die Leistungsfähigkeit und das ausgereifte Konzept des Commodore 64 sowie der fertigen Anwender-Software für Textverarbeitung, Adressenverwaltung und Kalkulation machen den Protable zu einem Produkt, das sich auch professionell einsetzen lässt. Nachteil bleiben bis jetzt noch die Abhängigkeit von der Steckdose sowie der viel zu kleine Farbmonitor. -wt