Apple

Reviews

Copyright: CHIP, Ausgabe Februar 1983
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Vogel-Verlags!


CHIP-Exklusiv: LISA von Apple – Die freundliche Assistentin

Einen B√ľrocomputer, der zukunftsweisende Akzente setzt, stellt Apple mit der LISA vor. Die LISA ist kein Apple IV, sondern eine B√ľromaschine, die dem Benutzer in wenigen Stunden vertraut ist.

Die klassischen Methoden, mit denen Mikrocomputer beurteilt werden, versagen bei der LISA (Local Integrated Software Architecture) und ihr Name sagt, dass es sich eigentlich um ein Softwarekonzept handelt, das auf einer leistungsfähigen Hardware realisiert wurde.

Apple bezeichnet die LISA als die tatsächlich zweite Generation der Personal-Computer, ordnet man das Gerät in die Nomenklatur anderer Anbieter ein, ist es ein Mikrocomputer der vierten Generation. Um den Computer beurteilen zu können, braucht man eigentlich nur die Software, die das Hauptmerkmal dieser Maschine ist, näher anzuschauen. Die Leistung, die geboten wird, zeichnet sich in den Zahlen ab

Apple II Apple III LISA
Systemsoftware in Mannjahren 2 25 >200
Umfang in KByte 16 128 >2000

Mit der LISA, so meint Apple, wird f√ľr die Mikrocomputer eine Software-Revolution ausgel√∂st, denn das was die Konkurrenten b√∂ten, sei nur Evolution Geht man mit der Software-Maschine um, stellt sich sofort heraus, dass der Satz trifft. Mit der LISA wurde von Apple auf der technologischen Basis des Mikrocomputers, ohne Anschluss an ein Datennetzwerk, das verwirklicht, was Xerox mit Stolz auf dem Star vorstellte.

Die Zielgruppe dieses Rechners ist nicht der Computerfan, der m√∂glichst viel selbst programmieren will, sondern der Manager, F√ľhrungskr√§fte und Projektleiter, die sich die t√§gliche Arbeit erleichtern wollen. Deshalb geh√∂rt mit zu dem LISA-Konzept der Zugriff auf die Datenbanken von Gro√ürechnern und Netzwerkkonzepte.
Am eigenen Bildschirmarbeitzplatz, der durch die verwandte Technologie und den großen, stark grafikorientierten Softwareaufwand eine benutzerfreundliche Oberfläche erhielt, ist der Benutzer in der Lage, Berichte und Dokumente selbst schnell zu erstellen.

Der Benutzer braucht sich nicht um Betriebssystem und Programmnamen zu k√ľmmern. Beim Systemstart zeigt ihm LISA welche Programme vorhanden und welche Peripherie angeschlossen ist. Mit der Mouse, wie die rollende Kugel auf dem Schreibtisch hei√üt, wandert der Benutzer √ľber den Schirm und w√§hlt die Funktion aus.

An Programmen steht eine breite Palette zur Verf√ľgung: LisaWrite ein Programm zur Textbearbeitung LisaCalc – ein elektronisches Rechenblatt, LisaGraph – f√ľr Business Graphien, LisaDraw – um individuell zu zeichnen, LisaList – zur Dateiverwaltung, LisaProjekt – ein Projektmanager zur Netzplantechnik und ein Kommunikationsprogramm, das f√ľr die Kommunikation mit anderen Rechnern die Protokolle VT100 und IBM 3270 emuliert.

Die Hardware ist schnell charakterisiert: ein Motorola-68000-Prozessor der im Geh√§use bis 1-MByte-Hauptspeicher verwaltet, ein hochaufl√∂sender Grafikbildschirm, eine abnehmbare Tastatur, die Mouse zum Dialog und zwei Diskettenlaufwerke mit 5 1/4″-Disketten, die beidseitig bei doppelter Schreibdichte je 820 KByte speichern k√∂nnen.
Dazu kommt als leistungsfähiger Massenspeicher, die Profile Festplatte und ein graphikfähiger Drucker, der das, was auf dem Bildschirm generiert wird, in allen Details ausgeben kann.

Nicht unergr√ľndlich, wie das L√§cheln der Mona Lisa, sondern f√ľr den Benutzer leicht zu handhaben, ist der Umgang mit dem neuen B√ľrocomputer von Apple. Auf den ersten Blick nur ein neuer Computer. Erst bei n√§herem Hinsehen, genauer gesagt, bei der Arbeit mit der neuen Maschine, zeigt die LISA ihre besten Seiten.

Mit der LISA und den von Apple angebotenen Softwarepaketen h√∂rt ein leidiges Problem der Computeranwendung auf. Alle Programme sind anwender- und dateikompatibel. Mit LisaCalc k√∂nnen Daten errechnet werden. Diese Zahlen werden ins LisaGraf √ľbergeben und dort grafisch dargestellt. Dieses Bild wird nun in LisaDraw √ľbernommen und grafisch so umgestaltet, bis es selbst kritischen Augen gen√ľgt. Dann kann das Bild als Teil eines Briefes weitergegeben oder mit LisaList in einer Datenbank abgespeichert werden.

Im Selbstunterricht, einer Diskette mit wenigen Seiten Erkl√§rung je Anwendung, wird der Benutzer mit den Besonderheiten des LISA-Konzepts vertraut gemacht. In kaum mehr als 20 Minuten erarbeitet er sich eine Lektion und lernt den Umgang mit der Mouse und den einzelnen Programmpaketen. Die Software ist so konzipiert, dass, wenn ein Programm verstanden wurde, nur noch wenige Details dazugelernt werden m√ľssen, um mit einem anderen Anwendungsprogramm umzugehen. Im √ľbrigen ist das System sehr fehlertolerant. Wird ein Fehler gemacht, so kann mit einem Befehl zur√ľckgegangen werden und die unver√§nderte Ausgangssituation wieder hergestellt werden. Der eigentliche Vorteil f√ľr den Benutzer liegt darin, dass er, wenn wir beim obigen Beispiel bleiben, nach der Dateneingabe in das Kalkulationsprogramm keine Tastatur mehr ben√∂tigt.

Ohne Tastatur

Alles, was nach der Dateneingabe kommt, kann mit der Mouse erledigt werden. Die Tastatur kann unter dem Computer wegger√§umt werden, Mit der Mouse, einem handtellergro√üen Ger√§t zur Ansteuerung und Auswahl von Funktionen am Bildschirm, wird auf dem Bildschirm ausgew√§hlt, welche Funktion gew√ľnscht wird. Mit der Mouse werden der Schrifttyp und die Schraffur gew√§hlt und auch alle anderen Darstellungsformen ausgel√∂st. Soll zum Beispiel das Dokument gespeichert werden, so wird es angew√§hlt und in das Bild der Diskettenstation gelegt, soll es gedruckt werden, so wird er im Bild des Druckers abgelegt.

Werden neue Dokumente er√∂ffnet, so muss sich der Anwender nicht um die Diskettenverwaltung k√ľmmern. Er rei√üt ein Blatt aus einem Block Konzeptpapier ab, formuliert seinen Entwurf und wenn er gef√§llt, wird er mit einem Namen, der dem Dokument zugeordnet wird, abgelegt. Das System ist so plastisch, dass bis zu 16 Dokumente auf dem Schreibtisch, nichts anderes will der Bildschirm darstellen, herumliegen k√∂nnen. Diese Dokumente enthalten Daten und die zur Verarbeitung n√∂tigen Programme, die in den Vordergrund geholt werden, wenn sie ben√∂tigt werden. Um bei dem Beispiel zu bleiben: die Daten sind errechnet und grafisch dargestellt, nun wird ein Briefbogen geholt um den Bericht zu schreiben. In dem Text kann die Tafel und die Grafik eingebaut werden, indem sie einfach mit der Mouse vom Schreibtisch in die entsprechende Stelle des Dokuments gesetzt werden.

Im Text kann mit LisaWriter jeder Buchstabe in einer anderen Schrift gestaltet werden. Nat√ľrlich bedingt ein so gestaltetes Dokument auch einen grafikf√§higen Drucker, der die Bildschirminhalte ma√üstabsgerecht ausgibt. Dieser Drucker wurde speziell f√ľr die LISA entwickelt.

Die Hardware, auf der dieses Softwarekonzept mit der benutzerfreundlichen Oberfl√§che verwirklicht wird, basiert auf dem 68000 von Motorola. Im Ger√§t ist Platz vorgesehen um bis 1-MByte-RAM unterzubringen. Dazu kommen zwei 5 1/4″-Diskettenlaufwerke, die je 860 KByte speichern k√∂nnen. Das Grundger√§t verf√ľgt √ľber eine parallele und zwei serielle Schnittstellen. Dazu kommen drei Steckpl√§tze, an denen Erweiterungen angeschlossen werden k√∂nnen. √úber die parallele Schnittstelle wird die Winchesterplatte Profile angeschlossen, so dass keine Erweiterungen n√∂tig sind, um einen leistungsf√§higen Massenspeicher zu nutzen.

Von seinem Konzept ist das modulare Ger√§t, das sich ohne Schraubenzieher in seine Baugruppen zerlegen l√§sst, so aufgebaut, dass es nicht wie andere Ger√§te ausgeschaltet werden braucht. Beim Diskettenwechsel oder beim softwaregesteuerten Ausschalten werden alle Dateien, mit denen gearbeitet wurde, aktualisiert und erst dann verabschiedet sich das Ger√§t in den „Schlafzustand“ oder wirft die Disketten aus. Damit ist, von Stromausf√§llen abgesehen, keine M√∂glichkeit gegeben, um Daten zu verlieren.

Schreibtisch auf dem Bildschirm

Die LISA ist allerdings keine neue Hardwaremaschine. F√ľr den Benutzer wichtiger ist die Tatsache, dass mit dem neuen Konzept, das Schreckgespenst „Umgang mit dem Computer“ entmystifiziert wurde. Die LISA benimmt sich nicht wie ein Mikrocomputer, der vom Benutzer die in der Regel intime Kenntnis seiner Details verlangt, sondern wie ein Schreibtisch, auf dem die Arbeitspapiere ausgebreitet sind.

Anwendung im Vordergrund

Die von Apple als Computer der zweiten Generation bezeichnete Maschine, benimmt sich wie ein B√ľroger√§t und „denkt“ wie ein Mensch. Dadurch wird der Zugang zu der von Apple vorgestellten Technologie wesentlich erleichtert. Allerdings ist das Konzept, das hinter LISA steht, keine Apple-Erfindung. Die Idee reifte fr√ľher und wurde von Xerox mit dem Star vorgestellt. W√§hrend der Star klassische Minicomputertechnologie nutzt und einen Anschluss an Ethernet ben√∂tigt, kommt die LISA mit einem modernen Mikroprozessor aus und kann, im einfachsten Fall, mit den beiden integrierten Diskettenlaufwerken arbeiten. Die Technologie, auf der das Konzept basiert, ist preiswerter geworden, wenn auch mancher Anwender fragen wird, warum er rund 10000 Dollar, mit diesem Preis wird in den USA gerechnet, ausgeben soll, um einen komfortablen Personal-Computer nutzen zu k√∂nnen.

Diese Entwicklung in der Technologie als auch im Preis zeigt deutlich, dass Personal-Computer inzwischen zu Softwaremaschinen geworden sind, bei denen die Hardware nicht mehr die dominierende Rolle spielt. Der Benutzer muss auch ber√ľcksichtigen, dass er mit dem Grundger√§t bereits ein Softwarepaket bekommt, das Daten- und Textbearbeitung sowie die Verkn√ľpfung von diesen beiden Grundarbeitsformen mit grafischen Darstellungen verbindet. Dazu kommt eine Datenbank und der Zugriff auf Gro√ürechner.

Mit diesem Konzept „Smalltalk auf Mikros“ steht Apple nicht mehr allein. Zwei Softwarelieferanten stellten auf der Comdex in Las Vages Produkte vor, die den gleichen Weg gehen, allerdings auf unterschiedlicher Hardware eingesetzt werden.

Der Schl√ľssel zum leichten Umgang mit der Maschine liegt in der Mause, die dem Benutzer den Umgang mit der Tastatur abnimmt. Die Tastatur ist nur noch zur Eingabe von Zahlen und Buchstaben n√∂tig, alles andere wird mit¬† der Mause erledigt, die nichts anderes ist als ein Zeigefinger, der √ľber den Bildschirm wandert und auf die gew√ľnschte Funktion zeigt. Mit einem Knopfdruck wird die Funktion ausgel√∂st. In diesem Punkt unterscheidet sich das Apple-Konzept von der Xerox-Maschine, die mehrere Druckkn√∂pfe auf der Mause hat. Die Technologie ist noch benutzerfreundlicher geworden.

Mit dieser Technologie ist die Computer-Industrie dabei, neue Standards zu schaffen. Bereits heute ist es so, dass jemand, der mit Xerox Star und Apple LISA arbeitet, was die amerikanische Version betrifft, nicht umdenken muss. Die Benutzeroberfl√§che sieht bei beiden Ger√§ten gleich aus. Die Sprache Smalltak, die die Grundlage f√ľr die Entwicklung schuf, wurde von Alan Kay 1972 entwickelt. Um die Programme kompatibel zu gestalten, mussten Werkzeuge entwickelt werden, die bei allen Programmentwicklungen eingesetzt werden konnten. Um Datenfelder in Textprogramme zu √ľbertragen, d√ľrfen sie nicht mehr als Ziffern dargestellt werden, sondern m√ľssen als Buchstabenfolge interpretiert werden. Um Grafik und Texte in einem Bild zu verbinden, darf der Buchstabe nicht als Zeichen, sondern als Bitmuster dargestellt werden. Dies sind einige der Grundprobleme, die hinter dem Integrationskonzept stehen.

Flexible Bitmuster

Daraus ergeben sich aber auch viele Vorteile. Schriften können nun auf dem Bildschirm von Zeichen zu Zeichen wechseln, da sie ja keine ASCII-Codierung mehr benötigen, sondern individuelle Bitmuster sind. Dadurch stellen sich  aber auch ganz andere Forderungen an die Ausgabe, denn sie kann jetzt auch nicht mehr uniform sein, also an einen spezifischen Schrifttyp angepasst. Das Ziel des Dokumentdrucks ist, jetzt den Bildschirminhalt darzustellen, wozu Drucker nötig sind, die die gleiche Auflösung wie der Bildschirm bringen. Speziell zu diesem Zweck wird von Apple mit der LISA ein neuer Drucker vorgestellt, der trotz seiner Leistung, angemessene Druckgeschwindigkeiten bei hoher Qualität, preiswert ist.

Mit zu dem LISA-Konzept kommt die uniforme Benutzeroberfl√§che der Einzelprogramme Bis auf Sonderfunktionen, die f√ľr das verwandte Programm spezifisch sind, sind alle gleich zu bedienen. Wer einmal ein Programm gelernt hat, findet sich leicht in einem anderen zurecht. Darin steckt auch der Grund, dass in weniger als einer Stunde mit dem System erfolgreich gearbeitet werden kann. Zun√§chst lernt der Benutzer den Umgang mit der Mause und den Grundfunktionen, die in jedem Programm wieder auftreten. Daran anschlie√üend ist es leicht, die Besonderheiten von Text- oder Kalkulations- Grafikprogrammen einzu√ľben, denn das Wesentliche ist allen Programmen gemeinsam.

Wer mit der mitgelieferten Software nicht auskommt und selbst programmieren will, dem stehen unter dem Betriebssystem (Lisa Operating System, einem UCSD-Derivat) die drei Sprachen BASIC, COBOL und Pascal zur Verf√ľgung, Damit haben die Softwareh√§user, die bislang ihre Programme f√ľr Apple-Computer entwickelt haben, einen schnellen Weg, um ihre Anwendungen zu √ľbertragen. Dazu kommen Hilfen zur Steuerung der Mause und der BenutzerSchnittstelle, so dass auch diese Programme in das Software-Konzept eingebunden werden k√∂nnen.

Neuer Standard f√ľr Mikrocomputer

Insgesamt gesehen setzt die LISA von Apple einen neuen Standard f√ľr die Personal-Computer der 16-bit-Generation Entscheidend ist nicht die Hardware, sondern die Benutzeroberfl√§che der Software, die daf√ľr sorgt, dass der Anwender, ohne tief in die Technologie einzusteigen, mit einem B√ľrocomputer so arbeiten kann, wie er es bisher ohne Computer-Hilfe gewohnt war. Der Schreibtisch wird auf den Bildschirm √ľbertragen. Der Benutzer wird beim Umgang mit den Programmpaketen zu einer gewissen Disziplin gezwungen, wenn die Architektur der Programme auch denen entgegenkommt, die gewohnt sind, in einem Papierberg zu arbeiten. Wirklich effizient wird die Arbeit mit den Programmen allerdings erst, wenn sich der Benutzer auf die wichtigsten Dinge beschr√§nkt. Dann kann er mit wenigen „Mause-Strichen“ schnell und effizient arbeiten. Wenn umfangreichere Datenmengen bearbeitet werden sollen, steht die Festplatte Profile oder ein Anschluss an einen Gro√ürechner zur Verf√ľgung.

Mit den Softwarepaketen von Apple stehen die Werkzeuge bereit, um im B√ľrobereich alle anfallenden Arbeiten schnell und effizient zu erledigen. – der