Sinclair

Reviews

Copyright: CHIP Magazin, September 1981
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Vogel-Verlags!


Vier ICs machen einen BASIC-Rechner

Autor: der

Die Integration elektronischer Bauteile macht auch vor Kleincomputern nicht halt. Eines der Beispiele, die auf dem Markt Furore machen ist der Sinclair ZX 81. Er ist zwar voraussichtlich bis zum Jahresende auf dem deutschen Markt nicht zu kaufen, setzt jedoch einen Meilenstein, was Integration von Computertechnologie betrifft.

Der neue Sinclair ist zwar nicht leichter geworden, daf├╝r aber stabiler. Die Platine, die beim ZX 80 noch mit 21 IC best├╝ckt war, weist jetzt nur noch 4 auf und auf der Platine ist ein IC-Platz frei, dessen Verwendung vorl├Ąufig noch offen zu sein scheint. Der ZX 81 BASIC-Befehlssatz ist umfangreicher geworden. Gegen├╝ber dem ZX 80 BASIC ist der Befehlssatz erweitert und in der Lage real Arithmetik zu betreiben. Statt wie bisher in Integer rechnet der neue Interpreter in Gleitarithmetik mit einer Genauigkeit von sechs Stellen. Damit ist zwar keine Buchhaltung f├╝r Gro├čunternehmen m├Âglich, aber als Lehr- und Lernhilfsmittel wird der ZX 81 voll verwendungsf├Ąhig. Darin liegt auch das Interesse der deutschen Kunden an dem 8 K BASIC-ROM begr├╝ndet, das die deutschen Sinclair Fans in die Lage versetzt, auch mit dem ├Ąlteren Modell 80 den gleichen Komfort wie auf dem 81er zu haben.

Was unterscheidet nun den ZX 81 von seinem Vorg├Ąnger? Zun├Ąchst einmal das ├Ąu├čere Erscheinungsbild. War der ZX 80 noch in einem relativ einfaches Plastikgewand gesteckt, so hat der ZX 81 einen schwarzen Ma├čanzug bekommen, der sogar mit Schrauben zusammengehalten wird. Die Tastatur ist gleich gro├č, oder besser gleich klein geblieben und hat den Nachteil, dass die Tasten mit bis zu f├╝nf Funktionen belegt sind.

Das Geh├Ąuse aus schwarzem Plastik macht einen recht vertrauenerweckenden Eindruck und ist sogar noch kleiner geworden. Kleiner geworden ist auch die Computerplatine, die jetzt nur noch vier statt wie bisher 21 IC enth├Ąlt. Nur noch die CPU, das 8-KB-BASIC-ROM, 1-KBRAM und der Sinclair-Customer-Logic (SCL) Chip tummeln sich auf der kleinen Platine, die nicht einmal Europaformat hat.

Das Geheimnis der komprimierten Computertechnologie steckt in dem SCL, der nach Sinclair-Angaben 18 Chips ersetzen soll. F├╝r den Neuen aus dem englischen Minicomputer-Haus soll es in absehbarer Zeit auch einen Thermodrucker geben, mit einer Druckbreite von 32 Zeichen, der auch Bildschirmgraphik als Hardcopy zug├Ąnglich macht. Allerdings, die Aufw├Ąrtskompatibilit├Ąt des neuen „Earl of Sinclair“ ist nicht ├╝berall gewahrt. Zwar sind Programme, auf Kassette gespeichert, zwischen ZX 80 und 81 kompatible, aber auch nur dann, wenn beide ├╝ber den gleichen BASIC-ROM verf├╝gen, doch bereits beim 16-KB-RAM-Erweiterungsmodul beginnt das Dilemma. Zwar ist das Modul steckerkompatibel, doch die Geh├Ąuse sind sich im Weg. Ganz aus ist der Programmaustausch zwischen altem ZX 80 und neuem 81er. Die BASIC-Interpreter sprechen eine andere Sprache und obwohl das alte ROM eine Teilbefehlsmenge des neuen enth├Ąlt, k├Ânnen Programme nicht ├╝berspielt werden.

Neu am ZX 81-BASIC-Interpreter ist zun├Ąchst einmal, dass die Zahlendarstellung wesentlich erweitert wurde. Zahlen werden in f├╝nf Bit-Bin├Ąrdarstellung im Bereich zwischen 10^-44 und 10^43 verarbeitet. Die Statements READ, DATA und RESTORE sind in der Standardform verf├╝gbar. Grunds├Ątzlich erweitert wurden die Grafikm├Âglichkeiten. PLOT, UNPLOT, DRAW und UNDRAW erlauben es auf dem Bildschirm, Punkte zu setzen, zu l├Âschen, oder zu verbinden. Die Grafik-Betriebsart erlaubt alle Zeichen und deren invertierte Darstellung auf den Bildschirm zu bringen. Allerdings konnte dem Bildschirm eine Untugend noch nicht abgew├Âhnt werden. Jedesmal wenn eine neue Bildschirmzeile geschrieben wird, macht der Schirm einen Satz.

Bei der Programmierung erleichtert die M├Âglichkeit, den Programmen Namen zu geben, die Arbeit wesentlich. Erweitert wurde auch die M├Âglichkeit, FOR…NEXT-Schleifen zu programmieren. Der Sinclair ZX 81 kennt nun auch das Statement STEP mit dem die Schrittweite des Schleifenindexes bestimmt werden kann. Neu ist auch die wesentliche Erweiterung der mathematischen Funktionen.

ARCOS, ARCSIN, ARCTAN, COS, SIN, TAN, EXP, INT, LN, PI, SGN und SQRT stehen nun zur Verf├╝gung. Dazu lassen sich durch INKEY$ Strings einlesen. Erweitert wurde die Verwendung von Vergleichsoperatoren: <=, >= und <> sind nun erlaubt.

Die M├Ąngelliste des Sinclair ZX 80 ist kleiner geworden. Verf├╝gte er bisher nur ├╝ber Integer-BASIC, so sticht dieses Argument nicht mehr. Andere W├╝nsche sind noch offen. Allerdings, das sei betont, es gilt den sehr g├╝nstigen Preis des Basis-Sinclair zu beachten. F├╝r 500 Mark, der neue ist zumindest in England noch preiswerter, k├Ânnen nicht alle W├╝nsche erf├╝llt werden. Trotzdem bleibt zu kritisieren:

Die Tastatur ist sehr einfach, f├╝r ernsthafte Anwendung zu einfach ausgelegt und entspricht keiner Norm. Der BASIC-Interpreter ist Marke Sinclair und recht langsam.

Die CPU entspricht der bekannten Z 80 und soll mit 3,2 MHz getaktet sein. Daf├╝r ist die Geschwindigkeit, die der Interpreter im Berichtest vorlegt, recht bescheiden. Von den physikalischen Daten sollten Zeiten wie beim TRS 80 Model 1 zu erwarten sein. Doch selbst im „Gel├Ąndegang“ ist der ZX 81 langsamer. Um das Flimmern des Bildschirms zu unterdr├╝cken, kann der Sinclair zwischen den Betriebsarten SLOW und FAST umgeschaltet werden. In der Geschwindigkeitsstufe SLOW zeigt der ZX 81 jede Zeile an, wie es die ZX 80er Fans gewohnt sind. Dann ist er aber auch nur noch ein Viertel so schnell. In Zahlen: eine Z 80-CPU mit Microsoft-BASIC ben├Âtigt um eine leere Schleife 1.000mal zu durchlaufen, sogar bei niedriger Taktfrequenz, 2,5 Sekunden, der ZX 81 im Kriechgang 17,6 und im Schnellgang 4,4 Sekunden.

Wer von einem gro├čen Personalcomputer kommt, steht dem ZX 81 zun├Ąchst mit gemischten Gef├╝hlen gegen├╝ber. Dieser Winzling, dessen Elektronik ohne weiteres unter der Tastatur eines Tandy’s Platz h├Ątte, soll mit nur vier integrierten Schaltkreisen ein richtiger Computer sein? Nach dem Auspacken kommt dann die ├ťberraschung. Wenn an den Ma├čen 17 auf 18 Zentimeter, bei einer Leibesf├╝lle von vier Zentimetern Netzteil, Fernseher und Kassettenrekorder angeschlossen sind, meldet sich der Winzling auf der Fernsehr├Âhre, die er in 24 Zeilen mit je 32 Zeichen einteilt, mit einem inversen K. Er ist bereit, Kommandos entgegenzunehmen und auszuf├╝hren.

Augenzwinkern auf Befehl

Bereits bei der ersten Befehlszeile f├Ąllt auf, dass der ZX 81, wie der ZX 80 ├╝ber kein eigenes Video-RAM verf├╝gt, Mit einem zuckenden Bildschirm zeigt er an, dass er die Zeile gefressen hat, wenn sie richtig war, was die Syntax betrifft. Sind Fehler in der Zeile, meckert der kleine Bursche und ├╝bernimmt die Programmzeile nicht. So l├Ąsst sich leicht das erste Programm schreiben. Was etwas st├Ârt, ist dass die eine oder andere Taste erst auf massiven Druck reagiert, und dass ohne Speichererweiterung bereits nach knapp 20 Programmzeilen Schlu├č ist. Mit dem Speichererweiterungsmodul lassen sich nat├╝rlich gr├Â├čere Programme schreiben, doch dieses Modul kostet auch weitere 250 Mark.

Die Nervosit├Ąt des Bildschirms l├Ąsst sich unterbinden, wenn das Programm eingegeben ist und der Rechner von SLOW nach FAST umgeschaltet wird. Dies hat allerdings den Nachteil, dass der Bildschirm erst am Programmende zeigt, was die CPU gearbeitet hat. Wer ganz raffiniert programmiert, der schaltet den Rechner w├Ąhrend des Programmablaufs in der Betriebsart um, und erh├Ąlt so rasch jedes errechnete Ergebnis, doch ohne RAM-Erweiterungsmodul muss mit dem Platz gegeizt werden, um wenigstens einige Programmzeilen unterzubringen.

Basic-Statements werden nur fehlerfrei akzeptiert

Der BASIC-Interpreter kommt dem unge├╝bten Benutzer entgegen. Ist die Programmzeile nicht korrekt, so wird sie nicht ├╝bernommen. Erst wenn alle Fehler beseitigt sind, stimmt der ZX 81 zu, indem er die Zeile akzeptiert und┬á Ausf├╝hrbereit ablegt. Der p├Ądagogische Effekt des Sinclair ist dabei nicht zu untersch├Ątzen, er h├Ąlt sich bei der Syntaxpr├╝fung sehr exakt an den ANSI-Standard, ohne ihm allerdings, was den Umfang des Befehlsvorrats betrifft, zu folgen.

Einige Besonderheiten sind zu beachten. Was andere Interpreter gro├čz├╝gig ├╝bersehen, will er ganz genau wissen. Ohne LET-Zuweisung werden keine Variablenzuweisungen akzeptiert, Schleifen m├╝ssen mit Laufindex korrekt abgeschlossen sein, „IF … THEN“ muss als „IF… THEN GOTO“ ausgeschrieben werden, und GOSUB Anweisungen d├╝rfen keinen R├╝cksprung veranlassen. Also z.B. 40 GOSUB 10 f├╝hrt zum „Aufh├Ąngen“ des Programms.

Daf├╝r entsch├Ądigt der penible BASIC-Interpreter mit seinen graphischen F├Ąhigkeiten. Damit ist der ZX 81 zum Lernen und f├╝r Spiele hervorragend ausger├╝stet. Allerdings, dar├╝ber m├╝ssen sich die Sinclair-Fans im klaren sein: Erweiterungen sind nicht ohne weiteres m├Âglich. Wer davon ausgeht, dass das Keyboard ├╝ber zwei mehradrige Verbindungskabel dekodiert wird und damit der Anschluss eines anderen Boards kein Problem sei, der wird bereits dann auf Schwierigkeiten sto├čen, wenn er feststellt, dass die Sinclair-Zeichen nicht dem ASCII-Standard folgen.

Detaillierte Dokumentation von Hard- und Software

Wer ernsthaft mit dem Sinclair ZX 81 BASIC lernen will und nicht nur mit wenigen Zeilen Statements mit etwas Zuckergu├č ├╝ben will, der muss f├╝r den Winzling, unterstellt man englische Preisverh├Ąltnisse, knapp 700 Mark ausgeben. Mit dieser Hardware l├Ąsst sich dann schon einiges anstellen, die durch ein neues Handbuch sehr gut dokumentiert wird.

Doch der Computerfan, der auf der untersten Preisebene einsteigen will, muss in Rechnung stellen, dass er einen Rechner vor sich hat, der praktisch nicht erweitert werden kann und dessen Tastatur wirklich nur f├╝r den Hobbyisten gedacht ist. Zwar bietet Sinclair in England eine Programmcassette an, die drei Programme enth├Ąlt, mit denen ein Telefonregister, ein Terminkalender und ein Haushaltsbuch gef├╝hrt werden k├Ânnen, doch die sehr einfache Tastatur setzt hier Grenzen. Als Lernhilfe zum Einstieg in die Computerei ist der ZX 81 sicher eine gro├če Hilfe, besonders dann, wenn das Handbuch in deutsch vorliegt, ansonsten l├Ąsst sich aber nur an den Einsatz als Spielpartner oder als Nachhilfelehrer f├╝r Kinder denken.

CHIP-Wertung

was uns gef├Ąllt:

– erweiterter BASIC-Interpreter
– komprimierte Hardware
– g├╝nstiger Preis
– ausf├╝hrliche Dokumentation (zur Zeit in englisch)

was uns weniger gef├Ąllt:

– bedingt erweiterbar
– keine Standardtastatur
– keine ASCII-Zeichen

Technische Daten

CPU: NEC 708 C-1 (Z-80 A)

Speicher: 8-KB-BASIC-INTERPRETER 1-KB-RAM, erweiterbar auf 16 KB

Bildteil: UHF-Modulator 24 Zeilen mit je 32 Zeichen

Tastatur: 40 druckempfindliche Tasten, Mehrfachbelegung, Zeichen, Grafik-Symbole, BASIC-Kommandos

Schnittstelle: f├╝r Drucker und RAM-Erweiterung

Netzteil: 9V, Regler IC auf der Platine