Sinclair

Reviews

Copyright: CHIP Magazin, Januar 1981
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Vogel-Verlags!


Der Winzling aus England

Auf den ersten Blick gar nicht als Personal-Computer zu erkennen ist der neue ZX-80 von Sinclair. Mit seinen sehr geringen Abmessungen verschwindet er neben jedem anderen Personal-Computer, steht aber in der Leistungsf├Ąhigkeit den anderen nicht viel nach. Und die Kr├Ânung bildet der erstaunliche Preis von nur etwa 500 DM.

Der st├Ąndige Preisverfall in der Halbleiterindustrie sowie die steigende Integrationsdichte der IC machten diesen kleinen, billigen und doch so leistungsf├Ąhigen PersonalComputer m├Âglich. Erh├Ąltlich als Bausatz oder Fertigger├Ąt bietet er seinem Anwender einen hervorragenden Einstieg in die Mikrocomputertechnik. F├╝r den Anschluss an jedes handels├╝bliche Fernsehger├Ąt geeignet beseitigt er das Problem eines Monitors oder eines speziell anzuschaffenden Ausgabeger├Ątes. Der anschlie├čbare Kassettenrecorder dient als billiger, jedoch nicht allzu schneller Massenspeicher f├╝r die Ablage von Daten und Programmen.

Die Hardware des Ger├Ątes

Wenn man den ZX-80 als Bausatzversion kauft, liegt der Sinclair noch unter 500 Mark. Die Bauanleitung ist sehr einfach, jedoch vollkommen ausreichend f├╝r den Aufbau des Computers. Grundkenntnisse der Elektronik sollten aber beim Bastler unbedingt vorhanden sein, da sonst der Einschalterfolg ausbleiben k├Ânnte. Die Anleitung ist in Englisch geschrieben. Sie beginnt mit der Erkl├Ąrung und Definition der einzelnen Bauteile und geht dann zur eigentlichen Best├╝ckung der einzigen Zentralplatine nach Best├╝ckungs- und Schaltplan ├╝ber. Nach erfolgter Best├╝ckung wird die Platine, an deren unterem Ende sich die ber├╝hrungssensitive Tastatur befindet, in das wei├če Kunststoffgeh├Ąuse eingesetzt.

Das Herz des ZX-80 ist der NEC 780C-1-Mikroprozessor, bei dem es sich um eine Kopie des Z-80A handelt. Dieser Prozessor wird mit einer Taktfrequenz von 3,2 MHz betrieben. Der Maschinensprache-Befehlssatz entspricht dem des Z-80-Mikroprozessors von Zilog.

Als Arbeitsspeicher steht dem Anwender ein Bereich von 1 KB statischem RAM zur Verf├╝gung. Dieser Speicher l├Ąsst sich mit der lieferbaren Speichererweiterung um maximal 3 KB auf insgesamt 4 KB-RAM erweitern. Eine f├╝r sp├Ąter angek├╝ndigte Speichererweiterung erh├Âht die Kapazit├Ąt auf max. 16 KB.

Das Betriebssystem, also der BASIC-Interpreter, der Editor und die Systemsoftware, befinden sich zur Zeit in einem 4K-ROM, welches sp├Ąter einmal durch ein 8K-ROM ersetzt werden kann, womit das BASIC erweitert werden soll. Es steht dem Anwender jedoch frei, ein eigenes mit Programmen versehenes ROM oder PROM einzusetzen. Das ROM ist zu 4K x 8 bit organisiert.

Auf der Platine befinden sich au├čerdem noch der Modulator f├╝r das Fernsehsignal, oder Spannungsregler sowie die Baugruppen f├╝r das Kassetteninterface.

An der R├╝ckseite des Computers befindet sich ein 46poliger Platinstecker, auf den alle f├╝r eine Erweiterung bestimmten Systemsignale herausgef├╝hrt sind. Momentan gibt es lediglich die 3K-Erweiterung, die den Arbeitsspeicher des ZX-80 auf 4K erweitert.

Im Lieferumfang des ZX-80 befinden sich ein 9-V-Netzteil, das UHF Fernsehkabel, diverse Kabel f├╝r den Anschluss des Kassettenrecorders sowie die Bedienungsanleitung.

Die Tastatur

Das Eingabemedium Tastatur besteht aus einer billigen Drucktastatur, was angesichts des insgesamt g├╝nstigen Preises nicht weiter erstaunt. Andererseits wird bei dieser Tastatur einiges durch die Software wieder wettgemacht.

Die Tasten sind zum gr├Â├čten Teil dreifach belegt. Die jeweilige Funktion der einzelnen Tasten ergibt sich aus der momentanen Betriebsart des Computers, welche im Cursor angezeigt wird. Wenn sich der Rechner im „K“-Modus befindet, so sind alle BASIC- und Editier-Befehle, die auf die Tastatur herausgef├╝hrt sind, aktiv und erzeugen bei deren Druck auf diese Tasten das entsprechende BASIC-Wort auf dem Bildschirm. Dies erleichtert die Eingabe von Programm (BASIC-Programmen) ganz erheblich, da fast alle BASIC-Funktionen als direkte Kommando-Tasten verf├╝gbar sind. Wenn sich der Computer nach dem Druck auf eine solche Kommandotaste jetzt im „L“-Modus befindet, so sind die normalen Funktionen erreichbar und in Verbindung mit „SHIFT“ auch die Grafiksymbole. Mit den vier CursorSteuertasten, HOME und RUBOUT kann man im Editor das Programm leicht und schnell korrigieren. Sollte sich in einer gerade eingegebenen Zelle ein syntaktischer BASIC-Fehler befinden, so ├╝bernimmt der Rechner diesen erst gar nicht in den Speicher, sondern markiert die gefundene Stelle mit einem „S“ – die Aufforderung, den Fehler zu korrigieren.

Die Bildschirmaufteilung

Als Bildschirm kann jeder normale S/W-Fernseher verwendet werden. Der Rechner stellt die Informationen in 24 Zeilen mit je 32 Zeichen dar. Der Zeichensatz des Rechners umfa├čt dabei alphanumerische Zeichen, 22 Grafiksymbole sowie die inverse Darstellung aller Zeichen (d.h. wei├č auf schwarz).

In der untersten Zeile des Bildschirms befindet sich immer die Kommandozeile, in welcher sich der Cursor mit der angezeigten Betriebsart und dem gerade auszuf├╝hrenden Kommando befindet. Der Rest des Bildschirms ist ein Fenster in den Arbeitsspeicher, wobei die Programminformationen dargestellt werden.

Bei unseren Test empfanden wir als st├Ârend, dass bei einem laufenden Programm immer der Bildschirm mit den darauf enthaltenen Informationen verschwindet. Daf├╝r gefiel uns der ZX-80 durch das sehr ruhig stehende und scharfe Bild.

Der BASIC-Interpreter

Dieser Interpreter ist eine etwas abgemagerte Version von den gr├Â├čeren bekannten Interpretern (wie z.B. Apple). Trotzdem ist der gut ausgew├Ąhlte Befehlssatz als sehr leistungsf├Ąhig und flexibel zu bezeichnen. Der Zahlenbereich deckt nur die Integer-Zahlen von – 32 767 bis 32 767 ab. Strings sind ebenfalls m├Âglich. Deren L├Ąnge ist nur durch den verf├╝gbaren Speicherplatz begrenzt (nicht wie bei vielen anderen Interpretern auf nur 255 Zeichen). Eine weitere Besonderheit dieses BASICInterpreters ist die M├Âglichkeit, die Zeilennummer bei Sprungbefehlen wie GOTO oder GOSUB nicht durch eine Konstante, sondern durch eine Variable angeben zu k├Ânnen. Somit lassen sich auch berechnete Spr├╝nge leicht ausf├╝hren.

Die Speicherung der Programme geschieht beim ZX-80 sehr speichersparend, d.h. dass jeder BASIC-Befehl nur ein Byte an Speicherplatz ben├Âtigt (PRINT braucht nur ein Byte). Mehr Speicherplatz wird allerdings f├╝r FOR … NEXT-Schleifen und Unterprogramme ben├Âtigt, da hier einige zus├Ątzliche Parameter vom Interpreter abgelegt werden m├╝ssen. Trotzdem lassen sich mit dem 1K-Grundarbeitsspeicher nicht allzu viele Programmzeilen abspeichern. So wird man sehr bald nach mehr Speicher verlangen. Mit der 3K-Erweiterung hat man jedoch f├╝r einige nette Programme schon ausreichend Platz.


CHR$(x)  TL$(s)  STR$(x)  PEEK(x)  CODE(s)  RND(x)   Der Befehlssatz
USR(x)   ABS(x)  AND      OR       NOT               des Interpreters
NEW      LOAD    SAVE     RUN      CONTI-   REM      ist nicht sehr
                                   NUE               umfangreich, aber
IF       THEN    INPUT    PRINT    LIST     STOP     trotzdem sehr
DIM      FOR     TO       GOTO     POKE     RANDO-   leistungsf├Ąhig
                                            MISE
CLEAR    CLS     GOSUB    RE-      NEXT
                          TURN

Das Bedienungshandbuch

Das Bedienungshandbuch des ZX-80 ist nicht nur ein einfaches Handbuch f├╝r die Bedienung des Computers, sondern es ist auch ein kleiner Kurs f├╝r die Einf├╝hrung in die Programmiersprache BASIC integriert. Mit Hilfe dieses 128 Seiten umfassenden schriftlichen Materials zum ZX-80 d├╝rfte auch einem Anf├Ąnger der Einstieg in die Computerei nicht allzu schwer fallen. Die Voraussetzung dazu ist momentan allerdings noch das Beherrschen der englischen Sprache. Nach Auskunft des Herstellers wird es aber bald ein deutschsprachiges Handbuch geben.

Mit Software f├╝r den Computer, die speziell auf den ZX-80 zugeschnitten ist, sieht es noch ein wenig mager aus. Es existiert zur Zeit zwar schon ein kleines Softwarepaket mit allgemeinen Programmen, jedoch ist dies noch nicht (zur Zeit des Testberichtes) auf dem deutschen Markt erh├Ąltlich, soll aber auch demn├Ąchst kommen. Ansonsten steht es dem Anwender nat├╝rlich frei, auf das ├╝beraus umfangreiche BASIC-Angebot (Programme und Literatur) zur├╝ckzugreifen.

Erfahrungen mit dem Ger├Ąt

Ein wenig Einarbeitungszeit ist notwendig, um mit der etwas andersartigen Tastatur zurechtzukommen. Zum einen sollte man keine allzu gro├čen H├Ąnde haben, da die Fl├Ąche der Tastatur aufgrund der allgemein kompakten Bauweise nat├╝rlich auch recht klein geraten ist. Zu erlernen ist die genaue Beobachtung des Cursors, um sich zu vergewissern, in welcher Betriebsart man sich gerade befindet (wichtig wegen der unterschiedlichen Tastaturfunktionen).

Als sehr erfreulich stellte sich die recht hohe Rechengeschwindigkeit des ZX-80 heraus. Diese lag in keiner Weise hinter den anderen g├Ąngigen „gro├čen“ Personal-Computer zur├╝ck und konnte sich durchaus mit diesen messen (es wird ja auch eine Z-80 CPU mit 3,2-MHz-Takt verwendet). Mit dem Kassetteninterface hatten wir nach der richtigen Lautst├Ąrkeeinstellung keine Schwierigkeiten mehr. Die H├Ąufigkeit der Schreiboder Lesefehler war sehr gering. Die ├ťbertragungsgeschwindigkeit konnte unserer Meinung nach ruhig ein wenig h├Âher liegen (sie liegt jetzt bei 250 Baud). Ausf├Ąlle, die auf Spannungsspitzen des Stromnetzes zur├╝ckzuf├╝hren waren, hatten wir nur selten. Die W├Ąrmeentwicklung des Ger├Ątes hielt sich trotz fehlender L├╝ftungsschlitze in Grenzen.

Schlu├čbetrachtung

Der ZX-80 ist ein kleiner, billiger und leistungsf├Ąhiger Personal Computer. Jeder, der in die schwierige und umfangreiche Materie der Computer f├╝r einen sehr geringen Preis einsteigen will, sollte sich den ZX-80 unbedingt genauer betrachten. Unserer Meinung nach eignet sich dieses kleine Ger├Ąt sehr gut f├╝r den Einstieg in die Computerbranche, wenn man mit den Grundlagen und der Arbeitsweise eines Computers erst einmal vertraut werden will, ohne dabei die Finanzen ├╝berm├Ą├čig strapazieren zu wollen.

tk

CHIP-Wertung

Was uns gef├Ąllt:

– klein, preiswert, leistungsf├Ąhig
– guter BASIC-Interpreter
– sehr gute umfangreiche Dokumentation

Was uns weniger gef├Ąllt:

– wenig Speicher in der Grundausstattung

Technische Daten

CPU: NEC 780C-1 (Z-80A), Taktfrequenz 3,2 MHz
Arbeitsspeicher: IK statisches RAM (Typ 2114), erweiterbar (momentan) auf 4K (extern)
Festwertspeicher: 32-Kbit-ROM, organisiert zu 4K x 8 bit mit BASIC Interpreter, Editor und Systemprogramm
Bildteil: UHF-Modulator, 24 Zeilen á 32 Zeichen, alle Zeichen auch Reverse darstellbar
Tastatur: Druckempfindliche Tastatur, 40 Tasten, BASIC-Kommandos herausgef├╝hrt, Grafiksymbole (22), Cursorsteuertasten
Netzteil: 9 V, Reglerbaustein 5 V auf der Platine, Stromaufnahme max. 500 mA