Sharp

Reviews

Copyright: CHIP, Ausgabe August 1983
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Vogel-Verlags!


Bewährtes Konzept verbessert

Das Konzept des MZ-700 von Sharp ist einfach: Bekanntes aus dem Vorläufer MZ-80A plus den neuesten Entwicklungen auf dem Horne-Computer-Markt.

Den MZ-700 unterscheiden drei wesentliche Punkte von der Konkurrenz. Das Konzept des „Clean-Computer“ mit 64K-Arbeitsspeicher, die Verwendung des leistungsf√§higen 8-bit-Prozessors Z-8OA, sowie die Integration eines 4-Farb-Plotters und eines Kassettenrekorders in die Zentraleinheit.

„Clean“ bedeutet, dass nach dem Einschalten des Ger√§ts der 64 KByte umfassende Hauptspeicher v√∂llig frei („sauber“) ist. Man muss daher das gew√ľnschte Programm zuerst von einem externen Speichermedium, also von Kassette oder Diskette in den Computer laden. Da dies auch die Programmiersprache umfa√üt, erscheint dieses Konzept auf den ersten Blick recht umst√§ndlich und zeitaufwendig. Die Vorteile liegen jedoch auf der Hand: Man ist nicht auf den mitgelieferten BASIC-Interpreter angewiesen, durch einfaches Einlegen einer neuen Kassette kann mit Pascal, Assembler oder Maschinensprache gearbeitet werden.

Wie das Beispiel der bisherigen MZ-Serie (MZ-80K/A/B) gezeigt hat, entsteht sehr rasch eine Vielzahl verschiedener Programme, vom verbesserten und erg√§nzten BASIC-Interpreter √ľber Compiler bis zu sehr schnellen Spielen in Maschinensprache. Um dieses Softwarepotential nutzbar zu machen, verf√ľgt der MZ700 √ľber eine MZ-80K/A-Betriebsart. Die Maschinenprogramme laufen ohne jede √Ąnderung, f√ľr BASIC-Programme ist im Interpreter des MZ-700 eine automatische Konvertierung eingebaut. Durch diesen Aufbau ist auch die Verwendung von CP/M ohne √Ąnderung oder Erweiterung des Computers denkbar.

Der MZ-700 wird in drei Ausbaustufen angeboten: Als MZ-711 (Grundger√§t), als MZ-721 mit integriertem Kassettenrekorder und als MZ-731 mit Kassettenrekorder und Farbplotter. Die Ausstattung des Grundger√§ts ist in allen F√§llen dieselbe, so dass hier keine Probleme mit der Software entstehen k√∂nnen. Das Grundger√§t enth√§lt eine Z80A-CPU (4 MHz), 64 KByte dynamischen RAM (freier Programmspeicher), 2KByte-Bildschirmspeicher und 4KByte-ROM f√ľr das Monitorprogramm.

Das Monitor-ROM ist nur bei Bedarf in den Hauptspeicher eingeblendet, so z.B. nach dem Einschalten zum Laden der Systemprogramme (BASIC) oder in der MZ-80K/A-Betriebsart. Dieser Monitor umfa√üt Befehle zur Erstellung und √Ąnderung kleiner Maschinenprogramme, zum Laden und Speichern von Programmen und zur direkten Steuerung des Plotters.

Umfangreicher BASIC-Interpreter

Der mitgelieferte BASIC-Interpreter ist wesentlich umfangreicher und schneller als die bisher f√ľr die MZ80-Serie gelieferten Versionen. Neben den schon bekannten Bildschirm-Editorfunktionen sind die Befehle RENUMBER und DELETE vorhanden, und Programme k√∂nnen mit MERGE nachgeladen werden.

Die Arrayanweisung DIM ist nicht mehr auf 255 Elemente und zwei Dimensionen beschr√§nkt, und man hat sogar Anweisungen zur Fehlerbehandlung (ON ERROR) implementiert, die bisher nur mit dem Diskettenbetriebssystem vorhanden war. Daneben wurde die Zahl der mathematischen Funktionen erweitert, um die M√∂glichkeiten des Plotters voll ausn√ľtzen zu k√∂nnen.

Als gelungen muss auch das deutsche Handbuch bezeichnet werden. Es enth√§lt die Beschreibung des BASIC-Interpreters mit vielen Beispielen und kann damit auch zum Erlernen der Sprache BASIC herangezogen werden. Ein weiteres Kapitel enth√§lt ein kommentiertes Assembler-Listing des Monitors eine Beschreibung der verwendbaren Monitor-Unterprogramme und den Z80-Befehlssatz Auch eine Beschreibung der Plotteransteuerung √ľber Maschinenprogramme, die auch selbst geschrieben werden k√∂nnen, fehlt nicht.

Der Anhang im Handbuch enth√§lt zus√§tzlich Hinweise f√ľr den Anschluss externer Drucker, Kassettenrekorder und Bildschirme. Ein kompletter Schaltplan gibt auch den Bastlern die M√∂glichkeit, ihre F√§higkeiten unter Beweis zu stellen.

Als Erg√§nzung wird von Sharp ein Programmierkurs angeboten, Lehrprogramme mit verschiedenen Schwerpunkten sollen dazukommen. Ebenfalls in Vorbereitung befindet sich der schon f√ľr den MZ-80A und MZ-80B lieferbare Pascal-Interpreter mit deutschem Lehrbuch.

Text- und Grafikplotter

Der Plotter kann in zwei Betriebsarten eingesetzt werden: Im Textmodus mit Schriftbreiten von 26, 40, 80 und 136 Zeichen pro Zeile und einem Grafikmodus mit einer reproduzierbaren Aufl√∂sung von 0,1 mm √ľber einen Koordinatenbereich von 2000 mal 480 Punkten. Alle Druckm√∂glichkeiten sind in den vier Farben Rot, Gr√ľn, Blau und Schwarz m√∂glich. Der Zeichenvorrat des Plotters enth√§lt 136 Zeichen, die im Grafikmodus beliebig vergr√∂√üert und gedreht werden k√∂nnen. Maximal 64 Schriftgr√∂√üen sind vorhanden.

Die Plotterbefehle sind in drei Gruppen einteilbar: Druckbefehle zur Textdarstellung, Punkt- und Linienbefehle sowie Makrobefehle.
Druckbefehle lassen sieh sowohl im Text- als auch im Grafikmodus einsetzen, man kann damit Programmlistings und Rechnerergebnisse drucken lassen. Da sich im Grafikmodus alle Zeichen drehen lassen, k√∂nnen aber auch Funktionsgraphen senkrecht beschriftet werden. Mit den Punkt- und Linienbefehlen lassen sich Geraden, Punktmuster und Figuren erzeugen. Alle Linien k√∂nnen durchgehend, aber auch in 15 verschiedenen Arten gestrichelt dargestellt werden. Weiterhin geh√∂ren zu diesen Befehlsgruppen Anweisungen zur Bewegung des Druckkopfs, Definition des Koordinatenursprungs und zum Papiervor- oder R√ľckschub.

Besonders interessant sind aber die Makrobefehle. Mit CIRCLE lassen sich in erster Linie Kreise zeichnen. Durch Angabe verschiedener Argumente können aber auch beliebige Kreisteile und Polygone mit frei wahlbarer Eckenzahl zu Papier gebracht werden. Wer oft Funktionsgraphen erstellen mochte, wird den Befehl AXIS bald zu schätzen wissen. Er erstellt Achsenkreuze beliebiger Größe und Skalierung. X- und Y-Achse können getrennt gezeichnet werden, womit sich diese Anweisung auch zur Angabe von Maßstäben und Markierungslinien eignet.

Es können bei allen Befehlen absolute und relative Koordinaten verwendet werden, d.h. entweder beziehen sich alle Angaben auf einen Koordinatenursprung, oder die jeweils letzte Druckkopfposition wird als Ausgangspunkt verwendet.

Betrieb auch ohne Bildschirm

Dank des Plotters kann der MZ-700 auch ohne Bildschirm verwendet werden. Mit der Anweisung PLOT ON wird der Schirm auf Papier simuliert. Diese Einrichtung ist zweifellos recht praktisch, da der Bildschirmeditor weiter verwendbar ist und der Druckkopf jeder Bewegung der Cursortasten folgt. Jede Tastatureingabe wird mitgeschrieben, lediglich die Funktionen DEL und INST sind gesperrt. Diese Plot-Betriebsart macht den MZ-700 auch f√ľr den transportablen Einsatz geeignet.

Da die Schnittstellen f√ľr Plotter und Kassettenrekorder bereits im Grundger√§t eingebaut und nach au√üen gef√ľhrt sind, kann der Besitzer eines MZ-711 oder MZ-721 bequem einen Fremddrucker und einen gew√∂hnlichen Audio-Kassettenrecorder an das Ger√§t anschlie√üen. Aber auch ein Nachr√ľsten der Originalteile ist einfach m√∂glich. Eingebaut sind femer zwei Joystick-Anschl√ľsse, die von BASIC √ľber die JOY-Anweisung zu kontrollieren sind.

Zeichen und Grafik in Farbe

Als erster Kleincomputer von Sharp ist der MZ-700 farbf√§hig. Alle Buchstaben und Symbole des 40 x 25 Zeichen gro√üen Bildschirms k√∂nnen in sieben verschiedenen Vorder- und Hintergrundfarben dargestellt werden. Neben dem Standard-ASCII-Zeichensatz mit deutschen Umlauten enth√§lt der Zeichengenerator 128 zus√§tzliche Grafikzeichen und Symbole. Der Videoteil umfa√üt Anschl√ľsse f√ľr ein PAL-Farbfernsehger√§t (ein S/W-Ger√§t tut’s im Notfall auch), f√ľr ein Fernsehger√§t mit Videoeingang (dieser Eingang wird auch f√ľr Videorekorder verwendet und liefert eine bessere Bildqualit√§t) und einen Anschluss f√ľr einen RGB-Farbmonitor.

Die Ansteuerung der Farbe ist sehr einfach: mit der Anweisung COLOR werden Vorder- und Hintergrundfarbe des gesamten Bildschirms eingestellt, will man einzelne Zeichen farbig darstellen, kann der gew√ľnschte Farbwett direkt in der PRINT-Anweisung mit angegeben werden. Leider verf√ľgt der MZ-700 √ľber keine hochaufl√∂sende Bildschirmgrafik. Es wurde hier die SET-RESET-Grafik der MZ-80-Serie √ľbernommen, die nur √ľber die geringe Aufl√∂sung von 80 x 50 Punkten verf√ľgt. Jeder Einzelpunkt ist jedoch immerhin farblich steuerbar.

Zur Bedienung des Computers hat man sich eine praktisch aufgebaute Tastatur ausgedacht. Gro√ü-und Kleinbuchstaben sind wie auf einer Schreibmaschinentastatur zu erreichen, mit einer GRAPH-Taste wird in den Pseudografikmodus umgeschaltet, mit dem auch Cursor- und Bildschirmsteuerbefehle in Strings eingegeben werden k√∂nnen. √úber der Haupttastatur sind funf Funktionstasten angeordnet, sie k√∂nnen von BASIC doppelt belegt werden, so dass bis zu zehn Funktionen √ľber diese Tasten abgerufen werden k√∂nnen. Vier gro√üe Cursorsteuertasten und zwei Editiertasten (INST/CLR und DEL/HOME) sind abgesetzt angeordnet. Man kann sie zur Steuerung von Spielen einsetzen, aber auch beim Editieren von Programmen ist diese Anordnung recht praktisch, da der Editor zwei Bildschirmseiten umfa√üt (50 Zeilen).

Das Besondere am MZ-700 ist ohne Frage der Farbplotter. Ein Ger√§t, das die fehlende hochaufl√∂sende Bildschirmgrafik des Computers wett macht, zumal die einmal berechnete Grafik auch gleich zu Papier gebracht ist. Ein kleiner Bruder dieses Plotters wird von Sharp schon seit l√§ngerem f√ľr den Pocket-Computer PC 1500 eingebaut. Durch die gr√∂√üere Papierbreite (11,5 cm) lassen sich aber beim MZ-700 im Textmodus bis zu 80 Zeichen pro Zeile darstellen, zudem ist die Rechenleistung des MZ700 viel h√∂her, womit sich komplexere Grafiken in k√ľrzester Zeit berechnen lassen.

Der Preis f√ľr das Grundger√§t liegt knapp unter 1000 Mark, und das Topmodell MZ-731 mit Kassettenrekorder und Text-/Grafikplotter soll unter 1500 Mark ohne Mehrwertsteuer erh√§ltlich sein. – Uwe Pansow

CHIP-Wertung

Was uns gefällt:

РBetrieb mit Drucker auch ohne Bildschirm möglich
– Umfangreiche Ausstattung

Was uns weniger gefällt:

РGeringe Grafikauflösung des Bildschirms

Technische Daten:

Prozessor: Z-80A mit 4 MHz Systemtakt
Speicher: 64-KByte-Arbeitsspeicher, 4-KByte-Monitor-ROM
Bildschirmaufbau: 25 Zeilen mit jeweils 40 Zeichen, sieben verschiedene Farben
Optionen: Grundgerät mit Kassettenrecorder (MZ-721), sowie mit Recorder und Vierfarben-Printer/Plotter (MZ731)