Level 3: Technische Erweiterungen

Berzerk - Stern 1981In den 80er Jahren haben die Videospiele ihren Unterhaltungswert bewiesen. Während einige Experten schon das Ende der Automatenspiele, wegen des wachsenden Heimcomputermarkts, voraussehen, kommen neue Automatenspiele auf den Markt: Spiele in Farbe und mit Sprachausgabe!

Nun in fantastischen 8-Bit Farben!

Galaxian - Namco/Midway 19791955 wird die „Nakamura Manufacturing Company of Tokyo, Japan“ als Aufsteller und Betreiber von Karussells von Masaya Nakamura gegründet. Das Unternehmen ändert 1972 seinen Namen in Namco  und gründen 1974 eine Abteilung für Videospiele durch den Einkauf des japanischen Ablegers der Atari Inc. 1979 werden die Ingenieure im gesamten Unternehmen zusammen gelegt, um ihr erstes Videospiel zu entwickeln. Mit dabei sind Akira Takundai und Hurashi Nagumo. Sie entwerfen ein Spiel, welches RGB Farben darstellen kann, im Gegensatz zu den bisher üblichen Farbschablonen, die wie z.B. bei Space Invaders über den Bildschirm gelegt werden.

Wie schon bei Space Invaders kontrolliert der Spieler bei Galaxian ein Raumschiff am unteren Rand des Bildschirms und feuert auf ein paar Reihen von Aliens, die sich über den Bildschirm hin- und herbewegen. Diesmal sind die Feinde aber aggressiver und fliegen in Formation auch Angriffe gegen den Spieler, wobei sie ihn ständig bombardieren.

Galaxian

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Die furiose Action mit den vielen Feinden, die sich schnell über den Bildschirm bewegen, ist vermutlich die wichtigste technische Innovation in Galaxian. Diese wird dadurch erreicht, dass Takundai und Nagumo die bisherige Methode, um Grafiken auf den Bildschirm zu zeichnen, das Bitmapping, meiden. Dieses entlastet die CPU und erlaubt es mehr Objekte auf dem Bildschirm zu kontrollieren. Das Galaxian Team verwendet anstelle von Bitmapping sogenannte „Sprites“. Mit diesen können einzelne Objekte erzeugt werden, die dann individuell auf dem Bildschirm bewegt werden können und sehr viel weniger Rechenarbeit von der CPU verlangen.

Das Spiel ist schon während seiner Entwicklung ein kleine Sensation bei Namco und nach seiner Veröffentlichung beginnt Namco mit der Produktion eines der erfolgreichsten Spiele aller Zeiten. Ihr erstes Videospiel hat einen großen Einfluss auf die Szene, u.a. auch auf das Team bei Nintendo, das ein paar Jahre später das Famicom in Japan entwickeln wird.

Zahlreiche Nachfolger zu Galaxian folgen, darunter 1981 Galaga, ein ebenfalls sehr bekannter Titel. Für dessen Entwicklung gesellt sich Namcos Programmierer Shigeru Yoyogi zu Takundai und Nagumo, um mit ihnen an dem neuen Spiel zu arbeiten. Es soll über einige Verbesserungen gegenüber dem Original verfügen, wie detailliertere Grafik und die Einführung eines Traktorstrahls, den die Aliens verwenden, um das Raumschiff des Spielers zu erfassen. Durch das Abschießen der Feinde kann der Spieler sein Raumschiff zurückgewinnen und seine Feuerkraft verdoppeln. Galaga bringt ebenfalls unzählige Nachfolger mit sich, darunter Galpus (Galaga 3) und das drastische Remake Galaga ’88 im Jahr 1988. Von Galaxian erscheint 1981 auch ein sehr beliebtes LED Mini-Tisch Arcade von Coleco, zusammen mit anderen Umsetzungen wie Frogger, Pac-Man und Donkey Kong.

Galaga

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Galaga - Namco/Midway 1983Galaxian - Namco/Midway 1979Als Space Invaders groß in die Spielhallen einschlägt, entscheidet sich sein japanischer Entwickler Taito dafür, seine Spiele in Nordamerika ohne die Mitwirkung von Midway, ihrem U.S. Partner, herauszubringen. Midway schließt sich daraufhin mit Namco zusammen und mit Hilfe eines Lizenzabkommens zwischen der japanischen Firma und Midway, gelingt es Midway enorme Profite in Nordamerika aufgrund der hohen Popularität von Namcos Spiele einzufahren. Galaxian und Galaga folgen Space Invader und werden im April 1983 auf Ataris VCS/2600 portiert. Diese beiden Spiele werden für fast jede Konsole und Heimcomputer in dieser Zeit portiert.

Der Status von Galaga als Nachfolger zu Galaxian könnte durch die Veröffentlichung der tragbaren Konsole Galaxian 2 von Entex im Jahr 1981 in Frage gestellt werden. Untergebracht in einem Plastikgehäuse, ist Galaxian 2 eine LED Version des klassischen Arcade Spiels, das auch einen Zwei-Spieler-Modus bietet: Eine Reihe von Tasten auf der einen Seite steuert das Galaxy Raumschiff, und auf der anderen Seite befinden sich Kontrollen zur Steuerung der angreifenden Aliens. Ein Ein-Spieler-Modus mit zwei Schwierigkeitsstufen ist ebenfalls vorhanden. Auf dem japanischen Markt ist das Spiel unter Astro Galaxy bekannt und in Europa als Astro Invader. Das Spiel wird später von Futuretronics hergestellt (diese Version wird in dem Film Doom aus dem Jahr 2005 von einem Space Marine gespielt).

Von einem einem etwas größeren Maßstab sind die Galaxian 3 Theater Games, die von Namco in den 90ern produziert werden. Diese japanische Freizeitpark Attraktion ist auch bekannt unter dem Namen Galaxy 3: Project Dragoon und startet 1990 mit der Version GH-28. Bis zu 28 Personen können in einem 360 Grad Kino ausgestattet mit einem 6 Meter hohen Bildschirm Platz nehmen. Die Sitze sind im Kreis angeordnet und sitzen auf einer hydraulischen Plattform die sich mit der Aktion auf dem Bildschirm bewegt. Jeder Sitz verfügt über ein eigenes Gewehr, womit der Spieler schießen kann. Das Spiel ist ein reiner Shooter bei dem der Spieler die Bewegung nicht selbst steuern kann, praktisch die 90er Ausgabe einer alten Schießbude. Die Teilnehmer befinden sich mitten in der Schlacht, in der sie das Flagschiff Dragoon beschützen sollen. Galaxian 3 ist praktisch ein recht spät erscheinendes Laserdisc-Spiel, bei dem die Hintergrundgrafiken von einer Laserdisc geliefert und mit zwei RGB Projektoren projiziert werden. Das Laser-Feuer und die Ziele werden vom Computer generiert. Das GM-16 ist eine vereinfachte Version für maximal 16 Spieler und ohne hydraulische Effekte, die kurz nach der Veröffentlichung des größeren Bruders erscheint. Diese Groß-Systeme werden von Namco bis ins Jahr 2000 hergestellt.

Das Namco Theater System 1992 noch in einer kleinen Version als Galaxian 3 Theater 6 veröffentlicht. Die Stellfläche ist nur 5m breit, 4,90m lang und 2,40m hoch. Diese Version ist in zahlreichen Spielhallen rund um die Welt zu finden. Sie verfügt über sechs Sitzplätzen vor einem ca. 5,50m Bildschirm und kostet den Spielhallenbetreiber ca. US$ 150.000. Als Anreiz für diese Investition verspricht Namco, dass Galaxian 3 noch weitere Spiele für dieses System folgen sollen, aber nur eines wird schließlich veröffentlicht: Attack of the Zolgear. Eine Version für Sonys Playstation, die vier Spieler unterstützt und Filmmaterial aus dem Arcade-Spiel nutzt, kommt 1995 auf den Markt.

Namco geht 2005 in den japanischen Spielzeug und Videospiel-Hersteller Bandai auf, als Namco Bandai. Neuauflagen von Galaxian und Galaga, mit aktueller Grafik aufgepeppt, erscheinen 2011 als App für iOS Geräte unter dem Titel Galaga 30th Collection. Heute ist Namco eine der wenigen frühen Videospielunternehmen, die auch heute noch Spiele produzieren.

Danksagungen & Links

Einige Bilder und Informationen stammten aus folgenden Quellen:

arcade-history
namcoArcade 8.0 ))) Corporate Philosophy
Vintage Computer and Gaming

Nur Sound? Nein, danke!

Stratovox - Taito 1980Stratovox - Taito 1980Sprachausgabe wird erstmals in dem Galaxian Ableger Stratovox eingesetzt. Entwickelt wurde es von den japanischen Softwarehaus Sun Electronics unter dem Titel Speak and Rescue und 1980 in Lizenz von Taito veröffentlicht. Das Ziel dieses Spieles ist es zu verhindern, dass Aliens Kolonisten von einer Planetenoberfläche entführen. Die Sprachsynthese verbraucht Unmengen an Speicher und die Hardware, die dazu verwendet wird eine männliche Stimme nachzubilden, benötigt einen zusätzlichen mit 1,25 MHz getakteten Chip, den SN76477 von Texas Instruments. Trotzdem sind die verzerrten Hilferufe auf nur vier Phrasen beschränkt: „Help me!“, wenn gerade ein Kolonist entführt, „Very good!“, falls man ihn befreien konnte, für jeden befreiten Kolonisten und am Ende des Levels ertönt ein „Lucky!“ und ein „We’ll be back!“, falls ein Alien zerstört wurde.

Danksagungen & Links

Einige Bilder und Informationen stammten aus folgenden Quellen:

The Arcade Flyer Archive – flyers.arcade-museum.com/?page=home
Stratovox – Wikipedia, the free encyclopedia – en.wikipedia.org/wiki/Stratovox
Farmington Daily Times, “Pinball’s Electronic Wizardry”, by George Johnston, pg. 3, Jan. 1981
Looking Forward to It, by Stephen Elliot, pg. 106, macmillan 2004

Ein neues Genre

Space Panic - Universal 1981Die in Tokyo ansässige Universal Co. Ltd. (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Filmstudio) bringt mit Space Panic 1981 einen weiteren Meilenstein heraus: Das erste Plattformspiel.

Space Panic

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Plattformspiele sind generell Spiele, bei denen der Spieler Leitern erklimmen und Plattformen entlanglaufen muss, wobei er Zusammenstöße mit irgendwelchen Monstern oder anderen Objekten tunlichst vermeiden sollte. In Space Panic sind die Feinde kleine teuflische Weltraumäpfel, die versuchen, den Helden zu beißen. Glücklicherweise ist unser Kämpfer mit einer Schaufel bewaffnet und kann damit Löcher in die Plattformen buddeln, in die die Aliens hineinfallen können. Mr. Do's Castle - Universal 1983Anschließend kann unser Held das Loch wieder zuschaufeln und so das Alien beseitigen. Er muss aber immer auf seinen Sauerstoffvorrat achten, der ihn zu ersticken droht, sollte er zuneige gehen.

Das Spiel das Vorbild für das Apple II Spiel Apple Panic von Brøderbund, das 1983 erscheint, und ebnet den Weg für hunderte von weiteren Plattformspielen, u.a. Donkey Kong von Nintendo und gefühlten Millionen von Spielen für Konsolen. Auch wenn es nur ein zweitklassiges Arcade-Spiel ist, wird auch Space Panic sehr originalgetreu für Colecos Heimkonsole ColecoVision umgesetzt.

Universal produziert recht viele Spiele, bis sie sich 1985 auflösen. Ihre größten Erfolge sind wahrscheinlich die fünf Mr. Do Varianten, die alle auf dem Original „Mr. Do!“ basieren, wie z.B. Mr. Do’s Castle (in Asien bekannt unter Mr. Do vs. the Unicorns) und Mr. Do’s Wild Ride. Die Serie bietet vermutlich eines der wohl fesselndsten Spielprinzipen aller Zeiten.

Mr. Do

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Willkommen: Seid gegrüßt Gorfianer!

Gorf - Midway 1981Jay Fenton, der die Bally Professional Arcade für Bally/Midway entwickelte, schreibt 1981 Automaten-Geschichte mit dem Spiel Gorf, dessen Chipsatz auf dem der Heimkonsole beruht.

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Während das Spielprinzip mit mehreren Level an sich nicht besonders originell ist, wird dieses jedoch in Gorf zum ersten Mal verwendet. Gorf bietet zusätzlich auch noch einen „Quark Laser“, der es dem Spieler erlaubt, einen missglückten Schuss durch erneutes Feuern abzubrechen. Auch kann der Spieler im unteren Drittel der Bildschirmfläche frei umher fliegen. Die Geschichte handelt von einer Invasion der Gorfianer, eines blutrünstigen Roboter-Imperiums, das darauf bedacht ist die Erde zu erobern. Der Spieler muss den Planeten über fünf Level hinweg verteidigen: Zum einen eine Space Invader Nachahmung mit einem zusätzlichen Energieschutzschild für den Spieler; zwei Galaxian Nachahmungen (eines mit einem Laser-Schiff, das versucht den Spieler abzuschießen), einer Warp-Sequenz, in der die Aliens aus dem Nichts in der Bildschirmmitte erscheinen und dem Finale gegen das gefürchtete Mutterschiff der Gorfianer. Wird das Finale gemeistert, beginnt das Spiel wieder von vorne, diesmal etwas schwieriger.

Gorf - Midway 1981Gorf - Midway 1981Gorf ist auch eines der Vorreiter von Spielen mit Sprachausgabe, die hierzu den Synthesechip mit Namen Votrax nutzen. Dieser Chip simuliert die menschliche Sprache mit Hilfe von Phonemen und benötigt so wesentlich weniger Speicher, als wenn Phrasen direkt digitalisiert werden würden. Der Votrax erlaubt eine qualitativ bessere Sprachausgabe als bei Stratovox mit einer erstaunlichen Anzahl von 25 Sätzen. Tatsächlich sind die recht brutalen Bemerkungen der Grund dafür, warum das Spiel so populär wurde; unter den Ausrufen befinden sich Ausdrücke wie „I devour coins!“, „Your end draws near“ und „You will meet a Gorfian doom!“. Jay Fenton entwickelt noch eine Fortsetzung: Ms. Gorf (1982). Dieses Spiel findet man aber nur recht selten in den Spielhallen. Gorf zieht die übliche Flut von Umsetzungen für Heimsysteme, wie das Atari VCS/2600, nach sich. Insbesondere die ColecoVision Umsetzung ist eine echte Besonderheit: Eine fast perfekte Umsetzung, allerdings ohne den ersten Galaxian Bildschirm und der Sprachausgabe.

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Einige Bilder und Informationen stammten aus folgenden Quellen:

arcade-history
namcoArcade 8.0 ))) Corporate Philosophy
Vintage Computer and Gaming

Mr. Do! - Universal 1982

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