Video Technology

Reviews

Copyright: CHIP, Ausgabe Juni 1983
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Vogel-Verlags!


Sinclairs Spectrum das Fürchten lehren

Der VZ 100 von Video Technologie hat einen Bruder VZ 200 bekommen. Dieser neue Rechner besitzt Farbe und Ton. Markteinführung: Im Herbst dieses Jahres.

Nicht nur auf den ersten Blick sieht der VZ 200 seinem nur schwarzweißtüchtigen Vorgänger VZ 100 täuschend ähnlich. Auch beim näheren Hinsehen bestätigt sich der erste Eindruck: Die beiden haben weitgehend übereinstimmende Funktionsmerkmale. Lediglich durch Farbe, einem eingebauten Tongenerator, eine etwas anders gestaltete Tastaturbelegung und durch einen zusätzlichen Farbmonitorausgang unterscheiden sich die beiden Rechner.

Ein zusätzlicher Netzschalter und einige Symbole mehr am Tastaturgehäuse sind die äußerlichen Unterscheidungsmerkmale.

Bei der Inbetriebnahme eine kleine Neuerung: Bei der Betätigung einer Taste erklingt ein leiser Piepton. Ansonsten hat der VZ 200 dieselbe Hartgummitastatur mit 45 Tasten wie der VZ 100. Die Maximalbelegung der einzelnen Tasten ist hier nur vierfach; allerdings sind beim VZ 200 auch nur 16 Grafiksymbole direkt ansprechbar gegenüber allen 64 möglichen wie beim VZ 100. Dafür sind alle 16 Grafiksymbole des VZ 200 in insgesamt acht Farben darstellbar. Über die ASCII-Codes 128-191 sind diese 4 x 16 Blöcke direkt vier Farben zugeordnet.

Neu mit Monitorausgang

Besitzen Sie einen Farbmonitor? Wenn ja, dann wird Ihnen der VZ 200 bestimmt Freude machen, denn die Farbqualität ist über den Monitorausgang zufriedenstellend auf einen Farbbildschirm zu bringen. Alle Tasten haben eine automatische Wiederholfunktion. Diese Einrichtung macht sich besonders beim Arbeiten mit dem bildschirmorientierten Editor bezahlt. So erreicht man mit den vier Cursor-Steuertasten schnell jede Stelle des Bildschirms. Unterstützt werden die Editorfunktionen durch eine Zeichenlöschtaste (RUBOUT) und eine Taste zum Einfügen von Zeichen (INSERT).

Der Zugriff auf die Einzeltastenbefehle erfolgt über die CTRL-Tastenfunktion. Etwas umständlicher sind einige Funktionen, wie z.B. COLOR n (n = 1-8) oder SOUND, auszuführen. Hier muss zuerst mit gedrückter CTRL-Taste die RETURN-Taste (= FUNCTION) betätigt werden. Danach kann man mit noch gedrückter CTRL-Taste die mit der gewünschten Funktion unterlegte Taste betätigen.

Geschwindigkeit ist Trumpf

Der umfangreiche Befehlssatz des BASIC-Interpreters und seine Schnelligkeit gehören zu den bemerkenswertesten Eigenschaften des getesteten Color-Computers.

Daß in dem Befehlssatz alle wichtigen mathematischen, logischen und Zeichenkettenfunktionen enthalten sind, ist beinahe schon selbstverständlich geworden. Zum Erlernen der Programmiersprache BASIC ist das Gerät deshalb sehr gut geeignet.

Außergewöhnlich bei Computern dieser Preisklasse ist, dass die Prüfung von Befehlseingaben auf richtigen Satzbau (Syntax) sofort nach dem Drücken der RETURN-Taste erfolgt. Das erspart so manche Programmunterbrechung durch einen “Syntax Fehler”. Im Unterschied zum VZ 100 hat der VZ 200 den Befehl “CRUN” eingebaut. Das bedeutet, dass auf Kassette abgespeicherte Programme automatisch nach dem Laden gestartet werden können. Als nachteilig wurde es empfunden, dass der Ladevorgang durch keine Meldung auf dem Bildschirm verfolgt werden kann. Wie schon sein Vorgängermodell kann auch der VZ 200 16 Zeilen mit je 32 Zeichen auf dem Bildschirm darstellen. Der Zeichenvorrat besteht aus allen gebräuchlichen ASCII-Symbolen und den schon erwähnten 16 Grafiksymbolen. Es ist nur Großschreibung möglich. Allerdings sind alle Zeichen auch invers darstellbar.

Im sogenannten Grafikmodus (MODE 1) ist die Farbtüchtigkeit des VZ 200 eingeschränkt Hier sind mit einer Auflösung von 64 x 128 Punkten nur noch drei Farben generierbar. Dazu dienen die Befehle SET, RESET und POINT. Beeindruckend ist die Geschwindigkeit, mit der sich unter BASIC hier Grafiken aufbauen lassen, Aufgrund dieser Eigenschaft lässt sich der VZ 200 als Kaleidoskop für Videobegeisterte einsetzen.

Erweiterunsmöglichkeigen

Ab Ende 1983 wird eine ganze Palette von Erweiterungen angeboten werden. Neben den Arbeitsspeichererweiterungen, für die auf der Gehäuserückseite ein 44poliger Stecker vorhanden ist, können über ein 30poliges Peripherieport ein Centronics-Drucker angeschlossen werden. In dieselbe Buchse passen auch Lichtgriffel, Telefonmodem und noch weitere Module.

Natürlich wird es noch eine Weile dauern, bis es für den VZ 200 eine so umfangreiche Programmsammlung geben wird wie für den ZX 81 von Sinclair, zur Überbrückung wird der zukünftige Käufer eines VZ 200 auf die von der Vertriebsfirma angebotene “Null-Acht-Fünfzehn”-Anwendersoftware zurückgreifen müssen.

Der getestete Farbcomputer VZ 200 von Video-Technology kostet 349 Mark.

Was den Umfang und die Geschwindigkeit des BASIC-Interpreters betrifft, ist der neue Winzling eine Herausforderung an seine Konkurrenten. Wenn das angekündigte Systernzubehör und die Dokumentation das halten, was die Vertriebsfirma verspricht, kann der VZ 200 einen Einstieg ins Mikrocomputerhobby ermöglichen.

In Deutschland zwei Versionen

Auf der diesjährigen Hannover-Messe trat der VZ 200 erneut ins Rampenlicht. Die Firma Sanyo Video in Hamburg, bekannt durch den Creativision von Video Technology, stellte zwei Rechner vor: Laser 110 und Laser 210. Und nach genauerem Hinsehen entpuppten sich diese beiden Rechner als VZ 100 bzw. VZ 200. Der Laser 210 besitzt im Unterschied zum VZ 200 den doppelten RAM-Speicher und 16-KByte-ROM-Speicher. Sein Preis: 388 Mark. – Heinz Buchert

CHIP-Wertung

Was uns gefällt:

– schneller BASIC-Interpreter
– umfangreicher Befehlssatz
– günstiger Einsteigerpreis

Was uns weniger gefällt:

– im Grafikmodus nur drei Farben

Technische Daten

CPU: Z 80 A, Systemtakt
Festwertspeicher: 12 KByte (16 K beim Laser 210)
Arbeitsspeicher: 4-KByte-RAM in der Grundausführung, auf 16 oder 64 KByte erweiterbar (8 KByte in der Grundausstattung beim Laser 210)
Systemsoftware: BASIC-Interpreter und Betriebssystem im ROM
Tastatur: 45 Druckpunkttasten (Hartgummi), Großschreibung, bis 4fach belegt, BASIC-Eintastenbefehle, 16 Grafiksymbole direkt ansprechbar
Bildschirmdarstellung: helle Zeichen auf grünem Hintergrund, 16 Zeilen mit je 32 Zeichen, im Textmode 16 Grafiksymbole mit acht Farben darstellbar, im Grafikmode 64 x 128 Punkte mit drei Farben ansprechbar, Inverse Zeichendarstellung, Wiederholfunktion eingebaut
Peripherie: in der Grundversion handelsüblicher Kassettenrekorder, eingebauter Monitorausgang, eingebauter HF-Modulator
Erweiterungen: Speichererweiterungs- und Peripheriestecker auf der Geräterückseite, Minifloppylaufwerk in Vorbereitung, Lichtgriffel, hochauflösender Monitor sowie Centronics-Drucker
Abmessungen: 29cm x 16cm x 5cm
Gewicht: 770 g (ohne Netzteil)
Stromversorgung: Steckernetzgerät 10 V, 800 mA