Die Rechner des VEB-Mikroelektronik

Mikrorechnerbausatz Z1013

Im DezemberZ1013 1985 bringt das VEB Robotron-Elektronik Riesa den Mikrorechnerbausatz Z1013 in zwei Versionen auf den Markt. Ausgeliefert wird dieser entweder mit 16KByte RAM und 1MHz Takt (Z1013.01) oder 1KByte SRAM und 2MHz Takt (Z1013.12). Der Rechner wird über eine Folientastatur bedient und erlaubt den Anschluss eines Fernsehgeräts, Kassettenrekorder, Erweiterungskarten. Wie auch die meisten späteren DDR-Rechner, wird der UB880 als Prozessor verwendet. Die graphischen Fähigkeiten beschränken sich auf 32×32 Zeichen in Monochrom. Das Betriebssystem ist in einem 2KByte großen ROM untergebracht, das auch einen Z80-Assembler beinhaltet). Drei Jahre später kommt noch der Z1013.16 auf den Markt, der mit 2MHz getaktet wird, 64 KByte RAM und ein erweitertes ROM besitzt.

Der MC80

Auch die Abteilung “Konsumgüter Produktion” des VEB Elektronik Gera bringt 1982 einen eigenen Computer, den MC80, heraus – dabei ist dieser Betrieb eigentlich ein Hersteller für Bauelemente wie z.B. Kondensatoren. 1988 wird von diesem VEB ein weiterer Typ zusammengebaut, der sehr stark an den PC1715 erinnert, aber über zwei Vorteile verfügt: Zum einen ist er erweiterbar (mind. 4x K1520-Slot), zum anderen besitzt er einen echten Grafikmodus. Dieser Rechner stößt, als er auf der “Messe der Meister von Morgen” (MMM) präsentiert wird, auf reges Interesse. Da aber 1-2 Floppys eingebaut waren, musste man mit Robotron in Verhandlung treten, da dieser Betrieb der einzige war, der innerhalb der DDR diese hochbegehrten Teile besorgen durfte. Mehr Computer wurden vom VEB Elektronik Gera nicht mehr entwickelt, da man die Konkurrenz fürchtet, offiziell “es besteht kein Bedarf” und ein Bauelementehersteller keine Computer bauen durfte.

Die KC85-Serie

1984 wird der KC85/2 von dem VEB Mikroelektronik “Wilhelm Pieck” Mühlhausen, zunächst unter dem Namen HC900, vorgestellt. Dieser Rechner ist zwar als Heimcomputer konzipiert, aber da keine anderen brauchbaren Rechner den Betrieben, der öffentlichen Verwaltung und Armee zur Verfügung stehen, ist der Bedarf an diesem Modell so hoch, dass für private Anwender einfach keine Geräte übrig bleiben. Die Bezeichnung HC900 (Heimcomputer 900) wird in KC85/2 (Kleincomputer 85/2) geändert. Erst 1987 können vereinzelt auch private Anwender diesen Rechner erstehen.

KC85/1KC87Knapp ein halbes Jahr nach Vorstellung des HC900 erscheint der Z9001 vom VEB Robotron-Meßelektronik “Otto Schön” in Dresden, der aber als KC85/1 auf den Markt kommt. Wie auch der KC85/2 verwendet er den U880 (ein Z80 Nachbau). Er ist als Kompaktgerät in einem Tastaturgehäuse ausgelegt. Das BASIC muss umständlich von Kassette nachgeladen werden. Erst mit dem Nachfolger, dem KC87, ist der Interpreter im ROM integriert. Von diesem Rechner erscheinen zwei Versionen, der KC87.30 und der KC87.31, der über die Farboption mit RGB-Anschluss verfügt.

KC85/3 Der KC85/2 wird 1987 durch den KC85/3 ersetzt, der zusätzlich einen eingebauten BASIC-Interpreter im 16 KByte großen ROM beinhaltet, aber noch kompatibel zum KC85/2 ist. Erst jetzt gibt es auch ein Diskettenlaufwerk für die KC85-Serie.

KC85/4 1989 erscheint der KC85/4. Die Unterschiede zu den “alten” KC85-Modellen machen ihn auch teilweise Inkompatibel zu diesen (u.a. wegen geänderter Hardwareadressen). Er besitzt jetzt 64 KByte RAM und 20 KByte ROM und kann wie die anderen Modelle über Module erweitert werden.

Die KC-Computer sind für Heimanwender fast gar nicht erhältlich. Die einzige Möglichkeit an einen Heimcomputer zu kommen ist selbst 1987 noch immer, entweder der Z1013-Bausatz, oder ein legal (oder auch illegal) importieren West-Heimcomputer: C64 (ca. 6000 DDR-Mark), ZX-Spectrum (ca. 5000 Mark), ZX81 (ca. 2000 Mark) oder Atari-ST (ca. 50.000 Mark).

KC Compact

KC CompactZum 40. Republikgeburtstag am 7.10.1989, wird vom VEB Mikroelektronik “Wilhelm Pieck” Mühlhausen, ein Amstrad CPC Nachbau präsentiert. Wie auch das Original, handelt es sich um einen Rechner in einem Tastaturgehäuse. Der KC Compact lässt sich irgendwo zwischen den CPC464 und 6128 einordnen und kann ca. 90% der verfügbaren Softwaretitel verarbeiten. Er besitzt einen SCART und TV-Anschluss.

Die Büro- und Bildungscomputer

A5120 Zeitgleich mit den Computern aus der KC-Serie, werden auch einige Bürocomputer entwickelt. Die ersten PCs verwenden ebenfalls den U880 (Z80 Nachbau), später wird dann der K1810WM86 (8086 Nachbau) eingesetzt. 1982 wird der A5120 vom VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadtauf auf den Markt gebracht. Der Rechner verfügt über einen U880 und 64KByte RAM.

1985 wird der Nachfolger des A5120 vorgestellt, der PC1715, entwickelt vom VEB Robotron Büromaschinenwerk “Ernst Thälmann” Sömmerda. Auch dieser Rechner verfügt über einen U880 Prozessor und 64KByte RAM und ist zu seinem Vorgänger softwarekompatibel. Er wird Anfang 1987 vom PC1715W, der 256Kbyte Arbeitsspeicher besitzt, abgelößt.

A5105 BIC Mit dem A5105 wird ab Juli 1989 ein weiterer Rechner mit UA 880 D Prozessor in Serie produziert. Dieser ist als BIC (Bildungscomputer) konzipiert und wird vom VEB Robotron Messelektronik “Otto Schön” in Dresden gebaut. Der Rechner soll zur Ausbildung im Fach Informatik, in der Berufsausbildung und an Hoch- und Fachschulen eingesetzt werden. Als die Produktion im April 1990 eingestellt wird, sind ca. 5.000 Geräte produziert worden. Davon werden ca. 3.000 Geräte zum Stückpreis von anfänglich 11.000 Mark an Bildungseinrichtungen verkauft. Die Z80-kompatible CPU wird mit 3,75 MHz getaktet und verfügt über 64 KByte RAM, 128 KByte Videospeicher und 48 KByte ROM.

Zu dieser Zeit erscheinen auch die ersten “PC-kompatiblen”. Mit dem A7100 kommt ein Rechner auf den Markt, der die CPU K1810WM86, einen 8086 Nachbau, einsetzt und fast PC kompatibel ist. Es erscheinen einige weitere Rechner, die nun “PC/XT-kompatibel” sind. Mehr hierzu findet man auf der Homepage des KC-Clubs.

Der MPC 2 und MPC 4

Gegen Ende der 1980er Jahre entwickelte der VEB Kombinat Mansfeld (Kupferverarbeitung) aus purer Not (es wurden von Robotron nicht genügend Rechner geliefert) eine eigene Serie von Z80-PCs mit einem eigenen CP/M-Klon (SCP). So erschien 1986 der MPC 2 (ein Tastaturcomputer mit 2-3 Diskettenlaufwerken) und zwei Jahre später der MPC 4 (ein PC-ähnliches Gerät mit abgesetzter Tastatur, 2 Diskettenlaufwerken, Grafikfähigkeit).

Der MPC 4 entsprach von der Leistungsfähigkeit ungefähr dem PC 1715. Die Tastatur (ein Westnachbau der K-Serie) war der des PC1715 jedoch überlegen.

Quelle: u.a. KC-Club Deutschland u.a.