Oric

Die Vorgeschichte

Dr.Paul Johnson

Barry MuncasterIm Oktober 1979 gründen Dr.Paul Johnson und Barry Muncaster Tangerine Computer Systems Ltd in der Nähe von Cambridge. Beide arbeiteten bis zu diesem Zeitpunkt bei Cambridge Consultants Ltd (CCL), Johnson als Hardware-Ingenieur, Muncaster als Platinenlayouter. Johnson erhält seinen Doktortitel für seine Forschung bezüglich High-Speed Analog/Digital-Konverter im Einsatz von Digitalfernsehern und einen Adapter um Mikroprozessor-Prüfstände mit Bildschirmgeräten zu verbinden. Den Adapter verkaufte er Mitte der 70er Jahre an die Universität unter dem Namen Digital Designs. Digital Designs wird unter Mitwirkung von Johnsons früheren Schulfreunden Mark Rainer und Nigel Penton Tilbury schließlich zu Tangerine. Sie veröffentlichen den Videoadapter TAN1648 VDU, benannt nach der Anzahl der Zeichen, 16 x 48, die er darstellen kann.

Microtan 65

1977 wird Tangerine beauftragt auf Basis des TAN1648 ein Video-Subsystem für den Nascom-1 Mikrocomputer zu entwickeln. Johnson prahlte schon immer damit, einen vollwertigen Computer mit einem Startkapital von gerade einmal £10.000 bauen zu können, nun, zwei Jahre später, fordert Muncaster, dieses auch zu beweisen. Sie erwerben die Namensrechte an Tangerine vom Johnsons Partnern und gestalten das Unternehmen um mit Muncaster als Geschäftsführer. Mit dem entsprechenden Risikokapital beginnen sie ihrer Arbeit an dem neuen System am 1. Oktober 1979. Im darauf folgenden Jahr verlässt Johnson CCL und arbeitet Vollzeit bei Tangerine.

Microtan 65Das Ergebnis ihrer Arbeit ist der Microtan 65, eine Platine mit 6502 CMOS Prozessor, so entworfen, dass sie zusammen mit Erweiterungskarten in ein gr0ßes Chassis eingebaut werden kann. Der mit 750 KHz getaktete 6502 verfügt über 1 KByte RAM und 1 KByte ROM. Das ROM enthält die System Monitor Software Tanbug, die von Mike Rose, ein Freund von Johnson, der bei Sinclair arbeitet, geschrieben wird. Der Computer verfügt zudem über einen UHF Modulator und kann 32×16 Zeichen mit je 8×8 Pixeln auf dem Fernseher darstellen.

Tangerine veröffentlicht auch das Tanex, eine Erweiterungsplatine mit Platz für zusätzliche 7 KByte RAM, Kassetten- und Serielle-Schnittstelle, sechs ROM Steckplätze für feste Programme, darunter einen 6502 Assembler und Disassembler und Microsoft Basic. Es werden noch weitere Erweiterungskarten, von hochauflösender Grafik bis hin zu Interface-Karten, von Tangerine und anderen Unternehmen entwickelt.

Microtan 65Der Microtan 65 ist im Dezember 1979 als Bausatz für £59,95 und fertig aufgebaut für £69,95 erhältlich. In den darauf folgenden zwei Jahren baut sich um das System eine kleine Gemeinschaft von Anwendern auf. Was schließlich dazu führt, dass auch ein Magazin herausgegeben wird: Im Sommer 1981 stößt Paul Kaufman zu Tangerine und wird der Herausgeber der Tansoft Gazette im Oktober 1981.

Tangerine richtet auch schon bald ein Softwarelabel, Tansoft, ein, das später von Tandata Marketing akquiriert wird, um das von Johnson entwickelte Tantel 170 zu verkaufen. Mit diesem kann ein TV mit British Telecoms Online Service Prestel verbunden werden. Das Tantel 170 ist praktisch ein Computer, Teletext Adapter, PAL Encoder und 75-1200 Baud Modem für nur £170, zu einem Zeitpunkt, wo ein 1200 Baud Modem normalerweise schon £1500 kostet. September 1981 gibt Tandata bekannt, dass sie mit dem Tantel einen Marktanteil von 78% halten. Es wird noch ein Adapter entwickelt, der einen Computer mit Prestel verbinden kann. Tandata wird schließlich an Applied Petroleum verkauft. Inzwischen arbeitet Johnson schon an dem Nachfolger zum Microtan.

Das Ergebnis ist Ende 1981 ein Entwurf für den Tangerine Tiger, ein Desktop-Computer für den geschäftlichen Einsatz mit drei Prozessoren: Z80 für CP/M, 6809 für I/O und der Grafikchip NEC 7220. Der Z80A wird mit 4 MHz getaktet, der 6809 mit 2 MHz. Es stehen 64 KByte RAM für Programme zur Verfügung und weitere 96 KByte für das Farbgrafiksystem, welches 512 x 512 Pixel darstellen kann, der 6809 verfügt über 2 KByte. Der mitgelieferte 14″ Farbmonitor hat Einschübe für zwei Floppylaufwerke. Es gibt zudem eine Centronics-Schnittstelle und ein eingebautes Modem. Da John Tullis für ein teures System aber keinen Markt sieht, schlägt er Tangerine vor, dass sie sich lieber auf günstige Heimcomputer konzentrieren sollen. Zwar kündigt Tangerine im August 1983 noch den TD-3000 Tigress an, aber letztendlich wird der Tiger an H.H. Electronics verkauft. Da deren Mutterkonzern nur drei Monate später Konkurs anmeldet, wird der Tiger nie produziert. Er bildet aber u.a. die Grundlage für den Oric-1.

Im Frühjahr 1982 zieht Tangerine in den Cambridge Science Park um. Aufgrund des immer größer werdenden Heimcomputermarktes, bildet sich im April 1982 die Oric Products International Ltd (OPI) und beginnen mit der Arbeit an dem Oric-1, wobei Tangerine als Forschungs- und Entwicklungshaus für die neue Firma Oric fungiert. Das Ziel ist es eine Desktop Maschine zu entwerfen. Paul Kaufmann schreibt eine Notiz, in der er die Features eines Microtan 2 festlegt, wie z.B. Sound, Grafik, TV-Modulator usw.

Paul Kaufman John Tullis und Peter Harding Zu diesem Zeitpunkt, ist Sinclair mit seinem ZX81 schon ein fester Begriff. Der Oric-1 wird in der August (1982) Ausgabe der Tansoft Gazette angekündigt, zusammen mit einem Vorzugsgutschein, der bis zum ersten November gültig ist. Der Name Oric ist ein Anagramm aus den letzten vier Buchstaben des Wortes ‚micro‘ und wird von Tullis erdacht.

Die Anteile an Oric teilen sich: John Tullis (Manager), Peter Harding (Verkaufsdirektor), Ted Plumridge (BCA Finanzdirektor), Paul Johnson und Barry Muncaster (Direktoren von Tangerine). Das Geld kommt von British Car Auctions, dessen BCA Finanzdirektor und Vorsitzende David Wickens mit John Tullis befreundet ist. Wickins wird dazu überredet, £350.000 in die Entwicklung des Rechners zu investieren (vermutlich ist das das einzige Mal, dass Oric in den schwarzen Zahlen ist), was aber auch von der Gründung eines neuen Unternehmens für die Vermarktung des Rechners abhängig ist.

Tangerines Aufgabe liegt in der Entwicklung des neuen Rechners und lizenzieren die Entwicklung an OPI für das sie £100.000 berechnen und zusätzlich 50 Pence für jedes der ersten 100.000 verkauften Geräte, also insgesamt £150,000. Tangerine steht als Hersteller auch auf der Computerplatine: „ORIC-1 Designed by TCS Ltd“. Tangerine stellt danach seine Tätigkeit ein und Tansoft wird weiter ausgebaut mit Paul Kaufman als Manager.

Die ersten Vorserienmodelle werden im Dezember 1982 an Journalisten ausgeliefert. Diese Rechner sind teilweise derart fehlerhaft, dass sie gar nicht erst in Betrieb genommen werden können und erst ein zweites oder drittes Ersatzsystem funktioniert. Dazu kommt, dass diese Systeme teilweise noch ohne Handbuch bzw. mit mangelhafter Dokumentation geliefert werden. Es wäre besser gewesen, wenn Oric die Werbung für den neuen Computer etwas zurückgehalten hätte und auch die Hardware erst bei Verfügbarkeit des Handbuchs ausgeliefert hätte. So wird in Reviews sogar teilweise von einem Kauf abgeraten, nicht weil der Oric-1 einen Fehler hat, sondern weil die passende Dokumentation fehlt.

Der Oric-1

Oric-1 Nach vielen Verzögerungen, ist der Oric-1 im Januar 1983 mit 16K für £129, der mit 48K für £169,95 zu haben. Der Oric-1 besitzt einen 6502 Prozessor, der zu dieser Zeit der am meist verkaufte Chip ist und auch in vielen anderen Rechnern noch eingesetzt wird. Als Soundchip wird der General Instruments 8912 eingesetzt. Farbgrafik wird mit 240 x 240 Pixeln bzw. 40 x 28 Zeichen dargestellt. Weiterhin verfügt der Oric über einen Kassetten-, TV- und RGB-Monitor-Anschluss, einen Centronics-Anschluss und den obligatorischen Userport.

Das Betriebssystem im 16 KByte großen ROM wurde fast komplett von zwei professionellen Programmierern, Andy Brown und Chris Shaw, geschrieben. Peter Halford, Angestellter eines Fernsehgeschäfts in Northampton, schrieb die Kassettenroutinen, die wochenlang von Geoff Phillips entwanzt werden mussten. Paul Kaufman schrieb die Soundfunktionen auf einem Microtan in der Programmiersprache Forth und kodierte diese per Hand in Maschinencode; abschließend reichte er sie an Andy Brown weiter, der sie ins ROM packte. Das Anzeigendesign wird von Paul Sample gestaltet, der auch die Illustrationen für die Bücher von Tom Sharpe erstellt. Der Oric besitzt auch eine ULA, die 80 TTL Gattern ersetzt und dabei hilft die Kosten niedrig zu halten. Das Design stammte vom Industriedesigner Paul Durgin.

Oric-1 PCBZum ersten Mal wird die neue Maschine in Popular Computing Weekly (PCW) am 13. January 1983 unter der Überschrift „Oric-1 – not just a Tangerine dream“ getestet und ist der erste Heimcomputer mit Farbgraphik, der unter £130 zu haben ist. Jedem Oric-1 liegt eine Ausgabe des Oric Owner Ausgabe 1 (Jan/Feb 1983), verlegt von Tansoft (als Nachfolger der Tansoft Gazette), bei.

Das erste Programm von Tansoft ist Zodiac (eine Konvertierung der Microtan-Version), Oric Chess und OricBase. Paul Kaufmann kündigt an, dass eine Basic-Version, die dem BBC Basic ähnlich ist, fast fertig gestellt sei. Auf der Eröffnungsparty von Oric Products International Ltd am 27. Januar 1983 für den Oric-1 in ihrem Hauptquartier am Coworth Park Mansion (Sunninghill, nahe Ascot in England) gibt Peter Harding den Abschluss von sechs großen Verträgen bekannt über den Verkauf von 200.000 Einheiten. Auf dieser Party wird auch Pascal, ein Modem und ein 5,25″ Laufwerk für den Oric angekündigt.

Peter Halford

Peter Halford, Andy Brown, Chris Shaw, Barry Muncaster und Paul Kaufman

Schon kurz nach der Markteinführung treten die ersten Probleme auf: Hardwareprobleme, wie z.B. Kabel, die einen schlechten Kontakt haben (z.B. der Netzstecker), und Softwareprobleme mit dem Basic-Interpreter „Oric Extended Basic 1.0 © 1983 Tangerine“, wie z.B., dass „IF…THEN“ funktioniert, „IF…THEN…ELSE“ aber nicht, es sei denn das erste Kommando im ELSE-Zweig ist das PRINT Kommando.

Im April gibt Barry Muncaster, der John Tullis ersetzt hat (Tullis ist nun Vorsitzender) und nun Manager von Oric ist, bekannt, dass die Probleme mit dem Basic ausgeräumt seien und ein neues ROM unterwegs sei. Er kündigt für den Mai ein Modem, für Juni ein Diskettenlaufwerk und einen AD/DA-Wandler mit Relaissteuereinheit für Ende des Jahres an. Oric will weiterhin einen 10″ Farbmonitor für unter £240 anbieten. Ein weiteres Problem mit dem UHF-Modulator ist in den neueren Maschinen schon behoben. Im Mai kommt weitere Kritik wegen der Laderoutinen im Oric auf. Oric kündigt daraufhin den Vertrag mit Cosma Sales in Witney, Oxfordshire, welche die Kassetten für Tansoft kopiert. Diese beteuern aber, dass die Laderoutinen im Rechner schuld seien. Viel später gibt Oric bekannt, dass ein fehlerbereinigtes ROM auch die Kassettenroutinen verbessern soll.

In der Juni Ausgabe 1983 des Oric Owner werden weitere Versprechen gemacht. Es werden Joysticks, Lichtgriffel, I/O Karten, Speichererweiterungen und ein Sprachmodul angekündigt. Software gibt es immer noch sehr wenig, da Programmierer kaum Informationen über das ROM haben, wie z.B. Einsprungpunkte; vermutlich weil Tangerine zwar eine Lizenz für das Microsoft-Basic im ROM besaß, Oric sich aber keine eigene angeschafft hatte, um Geld zu sparen und deshalb Stillschweigen über das ROM bewahrte (offiziell wird bekanntgegeben, dass der Code sich noch ändern und sich so Einsprungpunkte noch verschieben könnten).

Am 1. Juli 1983 wird Allan Castle der neue Finanzdirektor. Das versprochene Modem wird jetzt vermutlich aber erst im September erscheinen, dafür gibt es aber von I.J.K. ein Joystick-Interface. Im September tritt Philip Denyer als Verkaufsdirektor der Firma bei und Mike Prymaka wird Produktionsmanager. Rosalind Zawadska steigt von der Ausbildungsmanagerin zur Handelsmanagerin auf und Greg Wood von Tandata wird Exportmanager (viele Manager für eine kleine Firma). Bis September 1983 sind in Frankreich gerade einmal 35.000 Geräte verkauft, in Großbritannien 21.500 Geräte und in Übersee insgesamt 72.500 Geräte. Das ist weit von den 400.000 Geräten entfernt, die Harding angekündigt hat bis 1984 zu verkaufen. Immerhin schafft es Oric bis Mai 1984 nach Analysen des Marktforschungsunternehmen MRIB auf den dritten Platz in Großbritannien, schafft es aber nie dem ZX Spectrum wirklich gefährlich zu werden.

Oric ist Mitte 1983 schon in Schwierigkeiten. Aber Barry Muncaster will 2,25 Millionen Pfund in Oric investieren. Im Oktober ist der Oric-1 sogar der am meist verkaufte Heimcomputer in Frankreich. Am 13. Oktober 1983 brennt die Fabrikationshalle von Kenure Plastics in Berkshire, in der der Oric.1 produziert wird, ab. Knapp 7000 Orics und zig unverarbeitete Komponenten fallen dem Feuer zum Opfer.

Da Oric seine Finanzreserven aufgrund der gestiegenen R&D Kosten, hauptsächlich aufgrund der versprochenen Diskettenlaufwerke, ein Modem und ein Drucker, zu schnell aufbraucht,  sieht sich John Tullis nach Investoren um. Am 18. November 1983 erwirbt Edenspring Investments PLC Oric zu einem Gegenwert von 4 Millionen Pfund. Peter Jones und Nicholas de Savary von Edenspring werden neue Direktoren bei Oric.

Der Atmos

Oric Atmos MicrodiscDiejenigen, die ihren Oric-1 direkt bei Oric erstanden haben, bekommen Weihnachten 1983 ein besonderes Weihnachtsgeschenk: Sie sollen ihren Oric-1 für £49,95 gegen einen Atmos eintauschen können. Im Februar 1984 wird der neue Oric Atmos für £170 vorgestellt. Er ist aber nicht wirklich ein Upgrade, sondern ein Oric-1 mit Issue-4 Platine in einem neuen Gehäuse, das auch wieder von Paul Durgin entworfen wurde. Die Tastatur ist etwas größer und besitzt zusätzliche Funktionstasten, aber nicht unbedingt besser als die des Oric-1. Der Atmos wird mit einer aktualisierten Firmware, ROM Version 1.1, ausgeliefert, in der zwar immer noch einige Fehler enthalten sind, aber zumindest die schlimmsten 1.0 Bugs beseitigt wurden. Der neue Oric ist ein wenig schneller als der alte Rechner. Allerdings sind die Laderoutinen für Kassetten immer noch fehlerhaft und man benötigt mehrere Versuche um ein Oric-Tape zu laden. Erst als Oric alle alten (fehlerhaften) ROMs verkauft hatte, setzte man korrigierte ROMs ein.

Zugleich erscheint von M.C.P. ein Sprachsynthesizer, ein programmierbares Joystickinterface, eine Echtzeituhr und ein RS232-Interface. Obwohl bis zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 50% der erhofften Oric-1 verkauft worden sind, spricht Oric schon über einen weiteren Nachfolger, den Stratos.

Im April 1984 erscheint das Byte Drive 500, das einen erweiterten Befehlssatz gegenüber der Microdisc (wird im selben Monat im Oric Owner beworben) besitzt. Das BD 500 DOS wurde von Peter Halford geschrieben. Im Sommer 1984 sieht es für Oric recht gut aus…

Oric Modem Protek Joystickinterface Im Juni 1984 ist endlich das versprochene Microdisc für £299 lieferbar. Ein 80 Zeichen/Zeile Drucker wird angekündigt. Am 4.August 1984 wird in P.C.N. berichtet, dass Oric über 2 Millionen Pfund Schulden bei 12 großen Zulieferern hat. Allerdings wäre dieses, so Oric, völlig normal. In den nächsten zwei Monaten wird klar, dass Oric ernste finanzielle Probleme hat. Im Oktober 1984 ist nun auch endlich das Modem, 18 Monaten nach Ankündigung, für £100 lieferbar. In diesem Monat erscheint auch ein programmierbares Joystickinterface von Protek.

Anfang November 1984 kaufen Muncaster und Johnson die Mehrheit der Aktien an Tansoft. Paul Kaufman und Cathie Burrell verlassen Oric, um die Firma Orpheus zusammen mit Geoffrey Guy und Geoff Phillips zu gründen. Nun wird Tansoft von Adrian Rushmore geleitet, der den Atmos weiter supporten möchte. Im Laufe des Jahres tritt John Tullis auch als Vorsitzender zurück und wird durch den Vorsitzenden von Edenspring, David Duguid, ersetzt.

Am 15. November werden in der P.C.W. Pläne von Oric vorgestellt, drei neue Mikrocomputer zu veröffentlichen: Den Stratos für £250 (auch bekannt als IQ164), einen 8086 PC für £400 (mit Kassetteninterface) und einen portablen 8086 für £3000.

Im Januar schließt das Oric Hauptquartier in Ascot, da nach vielen Entlassungen nicht mehr viele Angestellte übrig sind. Die Zukunft der Oric Produktion in England hängt nun von den Verkäufen im ersten Quartal ab. In Frankreich geht es Oric ein wenig besser, dort soll ab Februar der Stratos verkauft werden.

Der Stratos

Oric Stratos Im Januar 1985 sind die Magazine in Frankreich voll mit Artikeln über den neuen Oric Stratos, auch wenn der tatsächliche Erscheinungstermin noch nicht feststeht. Ab dem 1. Februar ist es dann soweit, der Stratos ist erhältlich und ausgestattet mit zwei Cartridge-Slots, davon einer für den Basic-Interpreter, und anderen Features. Trotzdem ist er nichts anderes als ein etwas erweiterter Atmos, der wiederum auf dem Oric-1 basiert. Das Basic wurde etwas erweitert und nennt sich jetzt Extended BASIC.

Am 2. Februar 1985 stellt Edenspring Oric unter Konkursverwaltung. Oric schuldet nun über 5,5 Millionen Pfund, besitzt aber nur Immobilien im Wert von 3 Millionen Pfund.

ITL geht ebenfalls in den Konkurs. Gerade als ITL untergeht, hat Peter Halford für den Oric eine Z80 Prozessorkarte fertiggestellt, die es erlaubt CP/M 2.2 auf dem Oric laufen zu lassen. Inzwischen bieten sechs Firmen für Oric: A.S.N., Denis Taieb, Eurohard SA (die Besitzer des Dragon), Eureka Informatique (eine französische Firma), eine indische Firma und Barry Muncaster mit Paul Harding. Über drei Monate verhandeln sie alle mit dem Konkursverwalter Dennis Cross von Chater & Myhill.

Zwar ist Oric sehr gewachsen (120.000 Orics wurden inzwischen alleine in Frankreich verkauft), trotzdem wird am 5. März Oric zum Verkauf von Dennis Cross in der Financial Times ausgeschrieben. Im Mai ist es mit Tansoft vorbei – sie gehen in Liquidation und Opelco, die lange die Distributoren für Oric in Europa außerhalb von Frankreich gewesen sind, kaufen die gesamten Tansoft Aktien und U.K. Copyrights auf Software auf. Weiterhin übernehmen sie ITLs Z80 Board und produzieren weiter für den Export nach Ost-Europa. Fabrice Broche Im Juni ist Oric in England nicht weiter existent. Die Fabrikationshalle ist geschlossen und zu Oric France besteht keine Verbindung mehr. Es scheint, dass die Pläne die Produktion wieder anlaufen zu lassen, gestoppt wurden.

Am 1. Juni 1985 kauft Eureka Informatique Oric für einige hunderttausend Pfund auf und die Produktion soll nun in die Normandie bis zum Ende des Monats verlegt werden; bis Ende September will Eureka entscheiden, wie es mit dem Stratos weitergeht.

Von nun an geht es mit Oric hauptsächlich in Frankreich weiter. Im August 1985 stellt Oric International (Eureka hat den Namen beibehalten) Fabrice Broche, der schon zu Oric-1 Zeiten das Oric-ROM disassembliert hatte, und Dennis Sebbag ein, um das neue DOS für den Oric mit Namen Sedoric fertig zu stellen. Die neu aufgelegte Maschine, der Atmos, erscheint pünklich und hat zwei wesentliche Verbesserungen, zum einen ist das Kassetteninterface verbessert, zum anderen wurde das Taktsignal verstärkt.

Der Telestrat

Oric Telestrat In der Zwischenzeit will Oric International mit dem Stratos weitermachen. Leider hat sich A.S.N. den Namen inzwischen schon schützen lassen. Der Stratos soll als Terminal für das französische Minitel dienen. Im November 1985 beginnt Fabrice Broche am Telestrat zu arbeiten. Das neue DOS Sedoric ist fertiggestellt und wird im Herbst ausgeliefert. Im Winter 1985 verabschiedet sich A.S.N. vom Oric Markt. In Anzeigen werden noch alle Teile für den Atmos angeboten, aber kein Wort mehr über den Stratos. Anfang 1986 wird der Telestrat in Frankreich in Anzeigen beworben, allerdings verfrüht. Trotzdem sind die Zeitschriften wieder voll mit Previews. Der Telestrat verfügt über ein zweiseitiges 3″ Diskettenlaufwerk, 11 I/O Ports, BASIC und die nötige Software, um ein Minitel Board anzusteuern.

Bis April ist der Telestrat immer noch nicht erhältlich, da nun ATV in der Normandie bankrott ist. Eureka baut nun eine Produktionsstraße in Livarot auf, um die Produktion bis Ende Mai zu beginnen.

L'Oric a Nu Im April erscheint das wohl beste Buch über den Oric von Fabrice Broche: L’Oric a Nu (der nackte Oric), ein komplettes Disassembly der 1.0 und 1.1 ROMs. Endlich, im September, erscheint der Telestrat zum Preis von £399. Der Atmos wird weiterhin für £99 verkauft. Der Telestrat ist aber zu speziell auf einen Markt fixiert und zu teuer. Wenn nur der Stratos im Juni 1985 für £200 verkauft worden wäre… Wenn Eureka den Atmos nur weiter supportet hätte… Aber im März 1987 wird die Produktion des Atmos eingestellt.

Im April 1987 eröffnet Oric einen Shop in Paris und bring ein doppelseitiges Diskettenlaufwerk auf den Markt (18 Monate zu spät). Weiterhin werden einige Cartridges und Peripherie für den Telestrat produziert, darunter Tele-Ass (ein Assembler), Tele-Forth und eine 64KByte RAM Erweiterung.

Im September 1987 kündigt Oric International den Telestrat 2 für November an. Er soll ein Metallgehäuse besitzen, zwei 800KByte Diskettenlaufwerke, ein separates Keyboard und eine 80 Zeichen/Zeile Karte… Der Atmos kostet zu diesem Zeitpunkt £49 bei Opelco. Im Dezember 1987 kommt es dann zum zweiten Crash. Oric International meldet Konkurs an und schuldet dem Finanzamt hohe Summen. Ken Smalldon kündigt einen Ausverkauf an und im März 1988 schließt Oric die Pforten zusammen mit Phildata. Im Dezember 1988 schließt auch der Shop in Paris. Die Firma I.R.I. sichert sich den verbleibenden Lagerbestand und den Namen. Bis jetzt hat Oric gerade mal 6000 Telestrats verkauft.

Danksagungen & Links

Einige Bilder und Informationen stammten aus folgenden Quellen:

Oric World
Oric FAQ
Microtan 65 Information Site