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  Coleco

Lange Zeit verkauft Coleco Leder und Schwimmbäder, dann Spielzeug, bis sie sich einen weiteren Namen in der Videospieleindustrie mit der ColecoVision machen. Aufgrund des Erfolgs expandiert Coleco in den Heimcomputermarkt, aber ihr Rechner, der Adam, erfüllt nicht die Erwartungen, was sich als Katastrophe für die Firma erweist.




Die Vorgeschichte

Coleco Industries (Connecticut Leather Company), wird bereits 1932 von dem russischen Immigranten Maurice Greenberg als Lederwaren-Unternehmen in West Hartford (Connecticut) gegründet und hat eine recht abenteuerliche Geschichte. Anfangs verkauft Coleco Leder an Schuhmacher, aber Leonard Greenberg, Maurice Sohn, ist so fasziniert von der Produktion, daß er eine kleine Firma im hinteren Teil des Ladens seines Vaters einrichtet. Dort baut er eine Laderschneidemaschine, deren Lederzuschnitte sich als ein gutes Geschäft erweisen.

Ermutigt durch diesen Erfolg, entwirft Leonard eine Formmaschine für Plastik, die er dazu benutzt, um Wasserbecken herzustellen. Bis 1960 überragen die Erlöse von 1 Million Dollar aus der Platikwarenproduktion, sogar die Lederwaren im Hauptgeschäft. 1962 wird die Lederwaren-Abteilung verkauft und Coleco expandiert weiter in der Herstellung von Schwimmbecken und Ende 1960 ist die Firma sogar der weltgrößte Hersteller von aufstellbaren Schwimmbecken.

Besorgt darum, daß seine Firma nur ein Saison-Produkt herstellt, sucht Leonard, zusammen mit seinem Bruder Arnold, nach neuen Investitionsmöglichkeiten. Einige davon, wie Puppenwagen und Tischhockeyspiele, erweisen sich als profitabel. Andere, wie Schneemobile und Fahrräder, erweisen sich als Katastrophe. Schließlich sind ihre Verdienste in den 70er Jahren sehr unregelmäßig und 1978 geht die Firma bankrott.

Coleco Telstar

Telstar Das Produkt, das für den Untergang der Firma verantwortlich ist, entsteht in der 70er Jahren. 1972 entwirft Nolan Bushnell ein Videospiel mit Namen Pong, das einen riesigen Erfolg im ganzen Land hat. Coleco will eine Heimversion dieses Spieles herausbringen, aber die Entwicklung verläuft sehr langsam. 1974 wird Pong im Heimbereich vermarktet. Da Coleco immer noch entschlossen ist, den Videospielemarkt zu betreten, bringt Coleco 1975 ein ähnliches Produkt unter dem Namen Telstar auf den Markt und verkauft es günstiger. Das System ist sofort sehr erfolgreich und Coleco verbucht ein Umsatzplus von über 65%.

Coleco entwirft neun weitere Produkte für den Telstar und bringt diese Weihnachten 1977 auf den Markt. Aber alles läuft schief. Coleco hat Probleme bei der Produktion, es gibt eine Knappheit an Chips aus Asien, und ein Streik an der Ostküste verhindert, daß die Geräte rechtzeitig zu Weihnachten in den Regalen der Läden zu finden sind. Zudem hat sich der Markt verändert und Coleco verpaßte den Anschluß. 1978 macht die Firma einen Verlust von 22,3 Millionen Dollar und verschrottet über eine Million Telstar.

ColecoVision

ColecoVision 1982 steht Coleco von den Toten wieder auf. Die beliebtesten Geräte auf dem Markt sind Videospiele, die an den Fernseher angeschlossen werden und mit Hilfe von Cartridges verschiedene Spiele laufen lassen können. Atari und Mattel haben beide Produkte auf den Markt und während sich diese beiden Giganten bekämpfen, veröffentlicht Coleco am 1. Juni leise eine eigene Maschine. Coleco bietet nicht nur eine bessere Graphik als die beiden anderen Produkte, sondern das Gerät ist auch erweiterbar. Coleco benutzt einen Trick beim Marketing, das die anderen beiden übersehen haben. Die ColecoVision Konsole wird mit zwölf sehr bekannten Spielen ausgeliefert, u.a. Donkey Kong, Venture, Mouse Trap und Lady Bug, anstelle der unbekannten Spiele, die anderen Konsolen beiliegen. Coleco lizensiert viele Arcade-Spiele, anstelle selbst welche zu entwickln und die Umsetzungen sind sehr nahe am Original.

Arcade Mouse Trap - Exidy 1981 ColecoVision Mouse Trap - Coleco 1982

Ein Katalog zeigt zehn weitere Spiele (von denen aber einige nicht mehr veröffentlicht werden). Die ersten 1 Million CelecoVisions, mit über 8 Millionen Cartridges, werden in Rekordzeit verkauft und Coleco ist wieder im Geschäft.

Das System basiert auf einer Z80A CPU mit 3,58 MHz mit 8KByte RAM und 16KByte VideoRAM, der eine Bildschirmauflösung von 256x192 Pixeln in 16 (von 32) Farben erlaubt. Die ColecoVision kann gleichzeitig bis zu 32 Sprites darstellen und besitzt einen 3-Kanal-Soundgenerator.

Expansion Module #1 - Coleco 1982 Das Gehäuse sieht recht klobig aus: Ein großes schwarzes Gehäuse mit zwei Controllern, die, wie bei der Intellivision, mit Schablonen für das 12-Tasten-Keypad versehen werden können. Aber die ColecoVision hebt den Unterschied zwischen Joystick (Atari) und Keypad (Intellivision) auf. Die neuen Controller besitzen, außer dem Keypad, noch einen kleinen Stick. An der Vorderseite befindet sich hinter einer Klappe ein großer Erweiterungsslot und Coleco verspricht, daß die ColecoVision mit vielen Geräten erweiterbar ist und hält dieses auch. Noch im selben Jahr erscheint das Expansion Module #1, ein Atari 2600 Konverter für $60 Dollar. Mit diesem können Cartridges des VCS auf der ColecoVision gespielt werden. In den ersten drei Wochen werden 150000 Konverter verkauft.

2600 Donkey Kong - Coleco 1982 ColecoVision Donkey Kong - Coleco 1982

Man fragt sich heute aber, warum das Modul einen derartigen Erfolg hatte, vergleicht man einmal die Atari 2600 Spiele mit denen der ColecoVision. Im Gegensatz zu den pixeligen Spielen des Atari, sehen die der ColecoVision fast wie das Original aus. Ein gutes Beispiel hierfür ist Donkey Kong. Mario sieht hier tatsächlich wie Mario aus und Kong auch wie Kong. Diese Erweiterung, zusammen mit dem Standalone Clone Gemini, ist aber der Anfang eines heftigen Rechtsstreit mit Atari und beginnt mit einer 350 Millionen Dollar Lenkrad Klage von Atari. Die beiden Firmen einigen sich aber schließlich, daß Coleco Lizenzgebühren an Atari für jeden verkauften Konverter und Gemini-Konsole bezahlt. Ein weiter Adapter, der erlaubt Intellivision Spiele zu verwenden, ist zwar geplant, aber kommt nie aus der Entwurfsphase heraus.

Das zweite Modul ist ein Lenkrad mit zusätzlichen Padalen für Autorennen, das mit dem Spiel Turbo verkauft wird. Die 55 Dollar teure Hardware ist ebenfalls mit den Spielen Dukes of Hazzard und Bump'n'Jump kompatibel. Es wird an den Joystickport 1 angeschlossen und an Port 2 angeschlossender Controller wird als Schaltknüppel benutzt.

Super Game Module - Coleco 1983 1983 führt Celeco die Verkaufscharts in den USA an, sogar noch vor Atari und Mattel, was zum größten Teil auf das beigepackte Donkey Kong zurückzuführen ist. Über 29 Firmen produzieren Spiele für die Konsole und mit dem Atari-Konverter hat das System die größte Spielebibliothek auf dem Markt. Als nächstes kündigt Coleco das Super Game Module an, das mehr Speicher für Spiele verspricht. Aber Coleco läßt dieses Projekt fallen und steckt 34 Millionen Dollar in die Entwicklung des nächsten Systems, den Coleco Adam.

Coleco Adam

Coleco Adam Aber mit all den erfolgreichen Produkten, wird der Markt heiß umkämpft. Atari und Mattel sind gewaltige Gegner und Coleco nimmt diese nicht ernst genug. Der Videospielemarkt bricht zusammen und Coleco plant sein Videospielabenteuer noch weiter zu treiben. 1983 wird ein $200 teueres Modul angekündigt, das den ColecoVision in einen Computer verwandelt. Coleco wirbt damit, daß der neue Rechner vergleichbar ist mit dem Atari 400, TI 99/4A bzw. Commodore VIC-20 und hoffen darauf, daß Eltern so ihre Kinder eher in die Welt der Computer einweisen.

Der Adam ist ein 3,58MHz getakteter Z80 Rechner, dessen 32KByte ROM (bis 144 KByte) eine eingebaute Textverarbeitung besitzt, aber kein BASIC, das von Cassette oder Disk geladen werden muß. Als Hauptspeicher verfügt er über 64KByte RAM, der bis auf 128KByte aufgerüstet werden kann. Display Weitere 16KByte sind als Bildschirmspeicher vorhanden, wobei der ungenutzte Bildschirmspeicher von der CPU als Zwischenspeicher verwendet werden kann (wie auch beim TI-99/4A, der denselben Graphikchip benutzt). Das macht auch Sinn, denn zu dieser Zeit ist es undenkbar auch nur 16KByte zu verschwenden... Mit dem TMS-9918A kann er 256x192 Pixel in 16 Farben darstellen, bzw. 32x24 oder 40x24 Zeichen; auch Sprites sind möglich. Der Adam wird in zwei Gehäusen ausgeliefert: Als Upgrade für die ColecoVision und als eigenständiger Computer.

Cassettenrecorder Im Gehäuse sind zwei normale Cassettenrecorder (300 bps) vorhanden, die keine Bedienelemente besitzen, da sie vom Rechner gesteuert werden. Die Cassetten müssen allerdings vorformatiert von Coleco gekauft werden. Das Inhaltsverzeichnis wird irgendwo in der Mitte des Bandes gespeichert und jede Cassette kann 256KByte speichern. Der Drucker ist für den Adam unbedingt notwendig, da er das Netzteil des Adam beinhaltet. Die Tastatur wird an die Haupteinheit über das ADAMnet angeschlossen. Das ADAMnet ist ein 62400bps serieller Halbduplex-Bus, an den auch die gesamte andere Peripherie angeschlossen wird. Die Soundfähigkeiten sind die gleichen wie beim Acorn BBC Modell B. Der SN76489 kann Dreikanalsound produzieren plus einem Kanal weißes Rauschen. Die Lautstärke kann in 16 Stufen gesteuert werden und der Sound wird über das TV-Gerät oder Monitor ausgegeben. Optional können zwei 160KByte 5,25" Diskettenlaufwerke am ADAMnet angeschlossen werden. Anschlüsse hat der Adam reichlich: TV Anschluß (HF-Modulator), Composite Video, Audio-Ausgang, ColecoVision Cartridge Port, 2xColeco Joysticks/Controller, ADAMnet, Expansionsport.

Electronic Typewriter - Coleco 1983 Und wieder einmal sind die Erwartungen zu hoch geschraubt. Obwohl die versprochenen Computermodule und Peripherie entwickelt werden und auch unter dem Namen Adam beworben werden, kann Coleco die Erwartungen nicht erfüllen.

Ende 1983 bekommt Coleco die verspätete FCC Zuteilung und beginnt mit der Massenproduktion, um die bereits 400.000 georderten Geräte herzustellen. Die Geräte werden per Luftpost an die Shops ausgeliefert und sind für $600 Dollar (Komplettsystem) bzw. $400 Dollar (ColecoVision Add-On) erhältlich. Weihnachten 1983 kommt der Adam nicht rechtzeitig in die Läden und andere Kleinrechner sind schon erhältlich. Von den 400.000 Geräten können gerade mal 100.000 verkauft werden. Auch ist der Adam etwas "buggy". Hinterläßt man eine Cassette im Laufwerk und wird der Rechner eingeschaltet, so zerstört der Stromimpuls die auf der Cassette gespeicherten Daten. Coleco kann die verlorenen Marktanteile nicht mehr aufholen und 1984 belaufen sich die Verluste auf über $258 Millionen Dollar. Anfang 1985 wird der Adam wieder vom Markt genommen. Aber sogar noch heute gibt es Hardware für den Adam: Parallel-Ports, IDE Interfaces für Harddisks, 2 MByte RAM Disks, uvm.

Die Personal Arcade

Personal Arcade Telegames kauft die Rechte auf und vertreibt die Geräte per Postversand. Telegames stellt auch noch einige unfertige Spiele fertig und 1985 bringen sie unter dem Namen DINA bzw. Personal Arcade ein auf der ColecoVision basierendes System für $40 Dollar auf den Markt. Dieses ist ein sehr kleines Gerät mit Joypads anstelle von Joysticks. Es ist aber nur noch ein fest montiertes Joypad vorhanden, das auch noch inkompatibel mit den bisherigen Keypad-Schablonen ist. Das Spiel Meteoric Shower ist fest eingebaut. Die Personal Arcade besitzt auch einen Expansionsport, der aber nicht zum Coleco Expansionsport kompatibel ist.

Das Ende von Coleco

Immer noch stark angeschlagen, widmet sich Coleco wieder dem Spielzeugmarkt. Und wieder einmal hat Coleco die richtige Idee zur richtigen Zeit. Diesmal mit einer Puppe, die ein molliges Gesicht besitzt. Aber auch hier kann Coleco die nötige Anzahl nicht rechtzeitig produzieren. Eltern stehen in langen Schlangen, um die Puppe für ihre Kinder zu kaufen, aber es gibt nicht genug. Obwohl viele Eltern die geringe Versorgung verfluchen, klettern die Einnahmen 1985 auf über 600 Millionen Dollar. Coleco hat aber nicht aus der Vergangenheit gelernt und expandiert weiter. 1986 fallen die Verkäufe auf 250 Millionen Dollar und Coleco verliert 111 Mio. Dollar. 1987 verliert die Firma weitere 105 Mio. Dollar. 1988 ist Coleco bankrott. (Momentan besitzt übrigens Mattel die Rechte an der Puppe.)

Coleco plant durch eine Umstrukturierung weiterhin im Geschäft zu bleiben: Als Distributor von Scrabble und Parcheesi, zwei sehr bekannte Brettspiele. Aber die Reoganisation ist nicht der einzige Plan. Im April 1989 kündigt Hasbro Inc zusammen mit anderen Gläubigern an, Coleco zu kaufen. Im Juni 1989 verliert Coleco den Kampf im Geschäft zu bleiben und verkauft seine Immobilien an Hasbro.