Das MIST Board: Klassische Computer per FPGA neu implementiert (Teil 3)

Im dritten Teil (Teil 1 hier und Teil 2 hier) möchte ich noch kurz über meine Erfahrungen mit der Implementierung des ZX Spectrums, Apple II und Colecovision berichten.

ZX Spectrum

MIST ZX SpectrumFür kaum einen anderen Rechner gibt es so viele Emulatoren wie für den ZX Spectrum. Damit ist es eigentlich schon logisch, dass es auch einen ZX Spectrum Core gibt. Ich benutze den Core spectrum_150319_r894.rbf – ein ZX Spectrum ROM wird nicht benötigt, dieses ist bereits integriert.

Wird der Core gestartet, muss als nächstes ein Reset oder NMI über das MIST Menü ausgelöst werden, damit sich der ZX Spectrum wie gewohnt meldet. Anschließend kann der Tape Loader angewählt werden, das zu ladende Tape wird danach im MIST Menü ausgewählt. Anschließend heißt es geduldig warten bis das Programm im Originaltempo geladen wurde. Leider akzeptiert der Core nur Tapes im *.csw Format. Die verbreiteten Formate wie TAP, Z80 oder TZX werden nicht unterstützt. Vorhandene TAP-Dateien müssen mit einem Tool erst konvertiert werden, was leider unnötig umständlich ist.

MIST ZX SpectrumEs gibt aber eine Möglichkeit auch andere Formate zu laden. Hierzu müssen jedoch einige Vorbereitungen getroffen werden. Zunächst wird wieder der Core auf die SD-Karte kopiert. Danach benötigt man ESXDOS, welches von dieser Website heruntergeladen werden kann. Aus dem Archiv benennt man die Datei ESXMMC.BIN in spectrum.rom um und kopiert sie zusammen mit der ESXMMC.TAP in das Hauptverzeichnis der SD-Karte. Weiterhin müssen die kompletten Ordner BIN und SYS auf die SD-Karte kopiert werden. Nachdem der MIST gestartet wurde, kann durch Auslösen eines NMI über das MIST Menü (oder F11) das ESXDOS Menü aufgerufen werden. Lohn der Mühe: Es ist nun möglich Z80-, SNA-, TRD-, SCR- und TAP-Dateien direkt zu lesen. CSW-Dateien werden jetzt nicht mehr erkannt. Möchte man diese wieder laden, muss die Datei spectrum.rom umbenannt werden.

Die Implementierung ist an sich gut. Der Core bildet einen 128K Speccy nach. Auch ein General Instrument AY-3-8912 Soundchip wird nachgebildet. Spiele für einen ZX Spectrum 128K und +2/+3 sollten daher laufen. Die PC-Tastatur simuliert eine ZX Spectrum Tastatur, indem die SHIFT-Tasten in CAPS SHIFT und STRG in SYMBOL SHIFT umgesetzt werden. Wer noch nie mit der speziellen Tastaturbelegung (immerhin sind die Tasten bis zu 6-fach belegt) eines ZX Spectrums zu tun hatte, wird es zunächst schwer haben die richtigen Kommandos zu finden. Leider kann nicht zwischen den verschiedenen ZX Spectrums, wie 16K, 48K oder 128K etc., gewählt werden. Perfekt wäre die Implementierung, wenn jetzt noch Nachbauten, wie SAM Coupe, ausgewählt werden könnten.

Ein großer Minuspunkt muss noch erwähnt werden: Leider werden die Joystickports des MIST nicht unterstützt. Hier wäre eine Kempston-Simulation wünschenswert gewesen, so ist man bei Spielen auf die PC-Tastatur angewiesen. Auch wäre es wünschenswert, wenn über das MIST Menü die Tastaturbelegung eingeblendet werden könnte.

Apple II

MIST Apple IIDie Konfiguration des Apple II Cores ist wieder einfach: Den Core appleii_150415_r1008.rbf (ggf. umbenannt in core.rbf) zusammen mit der gewünschten Apple Software als Diskettenimage *.nib auf die SD-Karte kopieren. Im MIST Menü kann ein Image ausgewählt werden, was dann automatisch startet. Die Implementierung ist gut gelungen. Es wird aber keine der zahlreichen Zusatzhardware des Apple II nachgebildet, für die meiste Software dürfte die Kompatibilität aber reichen.

Colecovision

MIST ColecovisionDie Implementierung der Colecovision ist nahezu perfekt. Einfach den Core colecovision_150324_r933.rbf auf die SD-Karte kopieren, das MIST Board starten und das gewünschte Cartridge im MIST Menü auswählen.

Von den ausprobierten Cartridges liefen alle problemlos. Video und Sound werden gut nachgebildet. Auch ein Joystick wird am MIST Board unterstützt.

Fazit

Nachdem ich nun mehrere Systeme ausprobieren konnte, muss ich dem MIST Board bescheinigen, dass in der Nachbildung eines Rechners per FPGA viel Potential steckt. Leider sind die Cores nicht so flexibel wie ein Software-Emulator und sie bilden längst nicht jede Peripherie nach. Auch die unterstützten Tape- oder Disketten-Formate sind sehr eingeschränkt, was zusammen mit dem Preis für das FPGA-System den größten Nachteil darstellt. Andererseits benötigt man keinen Windows- oder Linux-Rechner, möchte man einmal ein klassisches Spiel starten. Fans klassischer Konsolen und Computer, die etwas Kleingeld übrig haben, sollten ruhig einen Blick auf das MIST Board werfen. Zu den knapp 200 EUR für das MIST Board sind aber noch ca. 20 EUR für Maus, Tastatur und Netzteil einzuplanen. Dazu kommen weitere 10-30 EUR für ein Joystick oder Gamepad. Möchte man den C64 Core betreiben kommen ggf. auch noch 30 EUR für einen “CGA/EGA/YUV to VGA” Umsetzer dazu. Letzteren kann man aber auch noch dazu verwenden Geräte mit einem CGA- oder EGA-Ausgang an einem aktuellen Monitor zu betreiben.

Das MIST Board: Klassische Computer per FPGA neu implementiert (Teil 2)

In diesem Beitrag hatte ich über das MIST Board und dessen Implementierung des C64 berichtet. Das MIST Board kann aber auch noch zahlreiche weitere Systeme implementieren, wie z.B. den Atari ST, Atari 2600, Atari 5200 oder Atari 800 (XL/XE).

Atari ST

MIST Atari ST DesktopDie Konfiguration des Atari ST ist einfach: Den gewünschten Core von der Projektseite herunterladen und ihn zusammen mit einem Image des TOS Betriebssystems auf einer SD-Karte ablegen. Für meinen Test verwendete ich den Core core_150413_r1017.rbf und ein amerikanisches TOS 2.06. Damit das System direkt startet wurde der Core in core.rbf umbenannt, das TOS muss als tos.img auf der SD-Karte gespeichert werden. Damit der Systemstart nicht ewig dauert, sollte zudem auch das Diskettenimage disk_a.st und (optional) das Harddiskimage harddisk.hd vorhanden sein. Vorbereitete Images bekommt man ebenfalls von der Projektseite. Sinnvoll ist auch noch die Datei system.fnt, damit der originale Atari ST Zeichensatz angezeigt wird.

MIST Atari ST LemmingeDer Atari Core kann Programme nicht direkt von der SD-Karte laden, sondern nur aus Disketten- oder Harddiskimages. Man muss also vorher seine Software entsprechend in einem solchen Image speichern. Mit dem Atari Emulator „Hatari“ ist das recht leicht möglich. Mit diesem legt man zunächst ein leeres Image an, mountet dann ein Windows-Verzeichnis als zweites Laufwerk und kopiert die gewünschten Dateien auf das Image. Das ist unnötig umständlich, aber derzeit leider nicht anders möglich.

Der Core bildet den ST sehr gut nach. Sowohl die Monochrom-Auflösung als auch die beiden Farbauflösungen funktionieren wie erwartet. Anwenderprogramme, wie 1st Wordplus oder Calamus, liefen problemlos. Auch Spiele (inklusive Sound) funktionieren fehlerfrei und verwenden die angeschlossene USB-Tastatur bzw. USB-Maus als Eingabegeräte. Eine Atari-Maus kann am MIST nicht verwendet werden. Hat man das MIST Board um MIDI-Anschlüsse erweitert, sollen diese ebenfalls unterstützt werden, austesten konnte ich dieses Feature nicht.

Atari 2600

MIST Atari 2600

Sehr viel einfacher als ein Atari ST ist der Atari 2600 zu implementieren. So waren mit dem verwendeten Core a2600_141212_r719.rbf auch keine Probleme zu erwarten. Erfreulich ist, dass der Core *.a26 Dateien direkt von der SD-Karte lesen kann. Es reicht also aus die Spiele auf die SD-Karte zu kopieren.

Die Implementierung ist fehlerfrei. Alle getesteten Spiele liefen problemlos. Die Steuerung erfolgt über die Tastatur oder über einen Joystick bzw. Gamepad.

Atari 5200 / Atari 800 (XL/XE)

MIST Atari 5200Die Atari 5200 / Atari 800 (XL/XE) Implementierung ist etwas komplizierter einzurichten. Es müssen mehrere Verzeichnisse angelegt werden: \atari800, \atari800\rom, \atari800\user, \atar5200, \atar5200\rom, \atar5200\user (man beachte das fehlende „i“ bei „atar5200“). In den rom-Ordner gehören beim Atari 800 die Dateien ataribas.rom, atariosb.rom und atarixl.rom und beim Atari 5200 nur die Datei 5200.rom.

Die Spiele werden in den jeweiligen user-Ordner kopiert. Dabei sind mehrere Formate möglich: *.a52, *.atr, *.xfd, *.xex sowie *.car und *.bin. Die Core Datei liegt wieder im Hauptverzeichnis. Ich benutzte den atari5200core.rbf Core vom 22.4.2015.

Die Implementierung ist tadellos. Auch hier funktionierten alle getesteten Programme problemlos. Gewöhnungsbedürftig ist die Simulation eines Atari 5200 Gamepad über die Tastatur. Es kann aber auch ein normaler Atari Joystick angeschlossen werden.

Fazit

Als Fazit ist festzuhalten, dass die Implementierung der Atari-Systeme sehr gut gelungen ist. Bei der Implementierung des Atari STs würde ich mir noch wünschen, dass der Core direkt Dateien aus dem Dateisystem der SD-Karte lesen könnte bzw. die SD-Karte als Harddisk zur Verfügung stellen könnte. Die MIST Menüs der 8-Bitter sollten zur Bequemlichkeit den Wechsel zurück zu einem anderen Core ermöglichen ohne extra einen Reset ausführen zu müssen.

Das MIST Board: Klassische Computer per FPGA neu implementiert

Vor einiger Zeit besorgte ich mir einen Raspberry Pi und experimentierte mit verschiedenen Emulatoren herum. Daraus wurde eine kleine Bastelei: Der Raspberry Pi wurde zusammen mit einem Tastatur-Interface (Keyrah V2 von Individual Computers) in ein C64 Gehäuse eingebaut und der Emulator VICE sorgte für die Nachbildung des C64. Die Vor- und Nachteile diese Lösung können hier nachgelesen werden.

Jetzt konnte ich ausprobieren, wie gut eine Re-Implementierung des C64 auf einem FPGA funktioniert. Es wird dabei der C64 nicht in Software nachgebildet, sondern die Funktion des gesamten Rechners wird auf einem FPGA neu implementiert. Es gibt verschiedene Projekte, die Rechner per FPGA nachbilden, wie z.B. C-One, Turbo Chameleon 64, FPGA-64, MEGA65, Commodore 64 on FPGA und ein paar weitere. Einige davon sind auf den C64 fixiert, andere erlauben es auch andere Rechner nachzubilden.

MIST Board Projekt

Ich habe mich für das MIST Board entschieden, das vollständig aufgebaut bei der polnischen Firma Lotharek gekauft werden kann (siehe auch hier). Mit 199 EUR ist es zwar nicht ganz günstig, bietet aber eine Unterstützung für mehrere Systeme, die über sogenannte FPGA-Cores nachgebildet werden:

Computer: Acorn Archimedes (in Arbeit), Amiga (AGA in Beta-Status), Amstrad CPC, Apple II+, Atari ST, Atari 800, Commodore 64, Commodore VIC-20, MSX, ZX Spectrum, ZX81

Konsolen: Atari 2600, Atari 5200, Bally Astrocade, Chip8, Colecovision, Sega Master System, NES, PC Engine, VideoPac

Arcades: Galaxian, Moon Patrol, Pacman, Pengo, Space Invaders

Der MIST wird von Lotharek in einem kleinen Metallgehäuse geliefert, welches über zahlreiche Anschlüsse verfügt: Micro USB-Anschluss (für die Stromversorgung und zum Flashen per USB-Kabel), VGA-Monitoranschluss, drei Signal-LEDs, drei Taster, 3,5 mm Stereo-Klinkenstecker (Audio-Out), Ein-/Ausschalter, SD-Karten Anschluss, zwei DB9-Stecker (für Joysticks) und vier USB-Anschlüsse (für Tastatur, Maus, Joysticks und Gamepads).

Wer noch etwas basteln möchte, der kann sich das Platinenlayout von der Projektseite besorgen, die Platine selbst ätzen und anschließend bestücken. Diese Arbeit habe ich mir diesmal erspart.

Betrieb des MIST Boards

Zum Betrieb des MIST Boards wird mindestens ein geeigneter VGA-Monitor (dazu später), eine Tastatur, ein USB-Netzteil (der MIST kann aufgrund der geringen Stromaufnahme auch aus einem USB-Anschluss versorgt werden) und eine Speicherkarte (am Besten 1-2 GB groß, es werden prinzipiell aber auch größere Karten unterstützt, wenn auch nicht zwangsweise vom verwendeten Core) benötigt. Je nach nachgebildeten System ist auch eine USB-Maus sinnvoll, z.B. beim Atari ST oder Amiga. Die Atari ST oder Amiga Maus können derzeit nicht verwendet werden. Leider gibt es derzeit keine Lösung die Originaltastaturen an dem MIST zu betreiben. Schön wäre ein einfacher USB-Adapter, der es ermöglichen würde z.B. eine C64- oder Atari-ST Tastatur an den MIST anzuschließen.

MIST C64 50 Hz ProblemAufgrund der vorhandenen Implementierung liefern einzelne Cores nicht ganz VGA-konforme Signale. So liefern die Cores im PAL-Betrieb 50 Hz, VGA setzt aber mindestens 56 Hz voraus. Auch liegen die 15 kHz des TV-Modus einiger weniger Cores weit unter den VGA-Anforderungen von mindestens 31,5 kHz. Entweder man hat Glück und der eigene Monitor verträgt diese geringen Frequenzen oder das Bild läuft durch (siehe Bild). Im letzteren Fall sollte man versuchen den Core auf NTSC (60 Hz) umzuschalten (ggf. auch den MIST noch ein oder zweimal neu booten). Teilweise muss auch noch ein geeignetes ROM (z.B. ein amerikanisches TOS für den Atari ST) verwendet werden. Ich setze einen etwas älteren Samsung SyncMaster 193T am MIST ein, der im NTSC Modus ganz gut funktioniert, im PAL Modus aber meistens nur ein flackerndes Bild liefert. Auf der Projektseite gibt es eine (sehr kurze) Liste von getesteten Monitoren.

Konfiguration

Die Konfiguration ist sehr einfach: Von der Projektseite lädt man den gewünschten Core herunter und legt ihn, ggf. zusammen mit einem Image des Betriebssystems, auf einer SD-Karte ab. Dazu kommt noch die Software, die je nach Core als Disketten-Image oder einzelne Programmdatei vorliegen muss.

Für die Implementierung des C64 benötigt man nur eine einzelne Datei: Den C64 Core. Derzeit ist der Core in der Version fpga64_140710_r298.rbf aktuell. Legt man diesen unbenannt in core.rbf auf der Speicherkarte ab, lädt das MIST Board ihn direkt nach dem Einschalten automatisch. Die C64-Programme landen als *.PRG Datei auf der Speicherkarte. Die populären D64 Disketten-Images werden leider nicht unterstützt. Mit dem kostenlosen Tool DirMaster können Programme aber sehr leicht aus einem D64 oder T64-Image extrahiert werden.

Die C64-Implementierung

MIST C64 CoreHat man den C64-Core (und ggf. einige Programme) auf der SD-Karte abgelegt, muss die Karte nur noch in den MIST eingelegt und dieser eingeschaltet werden. Nach ein paar Sekunden sollte dann der C64 Bildschirm erscheinen.

Die Implementierung des C64 ist erstaunlich gut gelungen, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Viele Programme laufen problemlos, es ist aber nicht möglich Programme, die aus mehreren Dateien bestehen, zu starten. Das liegt darin begründet, dass über das OSD (On Screen Display, mit F12 oder der mittleren MIST Taste aufrufbar) nur eine einzelne PRG-Datei ausgewählt werden kann, die dann direkt in den Speicher injiziert und damit gestartet wird. Hier ist das MIST Board also längst nicht so flexibel, wie ein herkömmlichen C64-Emulator in Software, der praktisch alles lesen kann.

CGA2VGADie Video- und Soundausgabe ist gut und auch die klassischen Joystick-Anschlüsse funktionieren. Es sollen auch einige USB-Joysticks und USB-Pads funktionieren, was ich mangels Peripherie nicht testen konnte. Auf der Projektseite gibt es dazu eine Aufstellung.

Falls der Bildschirm flackert wird der verwendete Monitor die 50 Hz des PAL Modus vermutlich nicht vertragen. Mit dem OSD kann auf NTSC (60 Hz) umgeschaltet werden und nicht vergessen über das OSD diese Einstellung zu speichern, damit beim nächsten Start direkt der NTSC Modus verwendet wird. Leider funktionieren aufgrund des etwas „kaputten“ Timings auch im NTSC-Modus noch längst nicht alle Monitore problemlos. Wer dann das VGA-Signal mit einem Adapter noch auf HDMI umsetzen möchte, wird ständig Bildaussetzer haben. Es gibt aber für ca. 25-30 EUR eine Lösung: Ein „CGA/EGA/YUV to VGA“ Umsetzer wandelt das etwas untertaktete VGA-Signal in ein sauberes VGA-Signal. Danach kann dieses mit einem „VGA auf HDMI“-Wandler in ein HDMI-Signal gewandelt werden. Diesen Umweg benötigt man aber nur für den C64 Core. Alle anderen Cores liefern ein sauberes VGA-Signal.

Die Belegung der Tastatur ist auch gut gelungen, diese ist aber natürlich nicht so komfortabel wie eine original C64-Tastatur, falls man Sonderzeichen verwenden möchte.

Fazit

MIST C64 Fort ApocalypseDie Re-Implementierung des C64 per FPGA ist eine interessante Lösung. Auf einer einzigen SD-Karte kann man die Cores verschiedenster Systeme mit zig Programmen unterbringen und komfortabel zwischen diesen wechseln. Das Retro-Feeling ist bei einer FPGA Nachbildung meiner Meinung nach höher als bei einem Windows-Rechner mit Software-Emulator. Aber man muss auch mit einigen Einschränkungen leben, wie z.B. der sehr eingeschränkten Unterstützung von Dateiformaten.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Stärken und Schwächen der C64 Re-Implementierung auf dem MIST Board im Vergleich zum Emulator per Software auf dem Raspberry Pi (mit Keyrah-Interface) bzw. einem Windows PC, z.B. mit VICE:

Bereich MIST Emulator (Raspberry Pi mit Keyrah V2) Emulator (Windows)
Vollständigkeit der Emulation bzw. Implementierung o [1] ++ ++
Videoausgabe + [2] ++ ++
Audioausgabe + [3]  ++  ++
Kompatibilität o [4] ++ ++
Kosten — (199 EUR) o (ca. 65 EUR) ++ (kostenlos)
Retro-Feeling + ++ [5] o
  • [1] Keine Unterstützung von virtuellen Diskettenlaufwerken (D64), Tapes (T64) oder Cartridges.
  • [2] Mögliche Probleme mit nicht 100% konformen VGA-Signal.
  • [3] Keine Auswahl verschiedener SID-Typen.
  • [4] Nur einzelne PRG-Dateien werden unterstützt, keine „Mehrteiler“.
  • [5] Umbau im C64-Gehäuse mit Tastatur-Interface.

Die Nachbildung eines Rechners per FPGA ist trotz der obigen Wertung sehr interessant und es macht Spaß sich damit zu beschäftigen. Ich habe auch die anderen Cores bereits ausprobiert und werde bestimmt in den kommenden Wochen über meine Erfahrungen berichten.

Bild: Platine – MIST Board Projekt

Retro: Computersendungen in den 1980er

Anfang der 1980er gab es einige Computersendungen im deutschen Fernsehen, die den Zuschauern den Umgang und die Einsatzmöglichkeiten eines Computers näher bringen sollten. In diesem Beitrag werden ein paar der erfolgreicheren Sendungen vorgestellt.

WDR ComputerClub

WDR ComputerclubVon 1981 bis 2003 lief der Computerclub im WDR, anfangs noch unter dem Titel eff-eff, ab 1983 dann als eigenständiges Sendeformat unter dem Titel Computerclub mit Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph als Moderatoren. Erdacht wurde das Sendeformat von den beiden Moderatoren zusammen mit Ulrich Rohde, der zum damaligen Zeitpunkt Redakteur der Computerzeitschrift mc war.

In der Sendung wurden allerlei Hardware-Bastelleien vorgestellt, die der Zuschauer nachbauen konnte. Besonders kurios war die Ausstrahlung von Programmen im BASICODE-Format über das Tonsignal der Sendung. Diese konnten mit einem handelsüblichen Kassettenrekorder aufgezeichnet werden und dann von vielen Heimcomputern geladen werden. Aufgrund des teilweise langen Hard-Bit-Rocks, zu dem keine Moderation möglich war, erfolgte die Ausstrahlung zum Ende der Sendung. Ab Januar 1986 wurden die Daten dann in der Austastlücke des Videosignals ausgestrahlt. Damit konnte während der Sendung mit Hilfe einer kleinen Zusatzhardware, dem Videodatdekoder, immerhin knapp 90 KByte (ca. 50 Byte/s) empfangen werden. Später wurde die Übertragungsgeschwindigkeit über 200 Byte/s (1988) auf bis zu 10 kbit/s (1993) gesteigert.

Nach 400 Sendungen wurde der WDR Computerclub eingestellt. Seit Mitte 2006 führen Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph die Sendung als Computerclub 2 im Internet als Audio-Podcast fort, seit Mitte 2007 auch als Video-Podcast.

YouTube: WDR ComputerClub Folge 399

ARD Computerzeit

ComputerzeitDie ARD-Sendung Computerzeit wurde zwischen 1983 und 1986 ausgestrahlt und von Claus Kruesken moderiert.

YouTube: ARD Computerzeit

ZDF Computer Corner

Computer CornerDie Computer Corner wurde von 1985 bis 1988 von Klaus Möller und Birgit Lechtermann moderiert.

YouTube: ZDF Computer Corner

WDR Highscore

WDR HighscoreHighscore lief von 1988 bis 1991 im WDR. Es gab hauptsächlich Spielvorstellungen, aber auch Informationen zu neuer Hardware und Interviews. Einzelne Ausschnitte der Sendung sind auf YouTube verfügbar, wie z.B. ein Interview mit Günter Werner Freiherr von Gravenreuth aus der dritten Sendung am 17.12.1988.

YouTube: WDR Highscore

SFB Computer Club

SFB Computer ClubAuch im SFB gab es eine Computersendung, den SFB Computer Club. Winfried Göpfert, der langjähriger Leiter der Wissenschaftsabteilung beim Sender Freies Berlin war, führte durch die fünf Folgen dieser Sendereihe, in deren Mittelpunkt der Heimcomputer stand mit seinen Anwendungs- und Programmiermöglichkeiten. Die einzelnen Folgen behandelten:

1. Folge: Computer – wofür? Sinnvolle Anwendungen des Heimcomputers, Handhabung des Computers, Schreiben von Programmen

2. Folge: Computer – was tut er? Programmieren eines Telespiels, Anwendung verschiedener Programme zur Textverarbeitung, Vorstellen verschiedener Programme: Karteikartenprogramm, Statistikprogramm, Rhetorikprogramm

3. Folge: Computer – doch welcher? Vergleich verschiedener Heimcomputer, Erstellen eines Textverarbeitungsprogrammes für Standardbriefe

4. Folge: Computer – was nun? Tricks und Tipps für das Programmieren, Feinheiten der Programmiersprachen, Strukturvergleich unterschiedlicher Programmiersprachen an einem Computer-Spiel, Vorstellen eines Vokabellernprogrammes

5. Folge: Computer – was weiter? Probleme beim Austauschen von Programmen, Die verschiedenen Standards, Datenfernübertragungen (Mailbox, Akustikkoppler), Diskussion der ethisch-moralischen Probleme des Raubes und Kopierens von Daten, Vergleich eines BASIC-Programmes mit einem compilierten Programm

YouTube: SFB Computer Club Folge 1Folge 4

ARD Computerspielshow Alpha 5

Alpha 5Alpha 5 war zwar keine Computersendung, aber als Computerspielshow trotzdem erwähnenswert. Erdacht wurde die Show u.a. von Wolfgang Rudolph, der besser bekannt wurde als Moderator des WDR-Computerclubs, den er zusammen mit Wolfgang Back moderierte. In der Show traten zwei Schülermannschaften in Computerspielen gegeneinander an.

Maskottchen der Show war „Alphi“, ein kleiner Roboter, der Ähnlichkeiten mit V.I.N.CENT aus dem Disney-Film „Das schwarze Loch“ (1979) aufwies.

Die Technik bestand aus drei vernetzten Apple IIe Rechnern, auf denen die selbstentwickelten Spiele und eine eigene Oberfläche liefen.

Die Show lief vom 14. Januar 1981 bis 1985 in der ARD.

YouTube: ARD Computerspielshow Alpha 5

Bilder: „ComputerClub“, „Highscore“ (c) WDR; „Computerzeit“, „Alpha 5“ (c) ARD; „Computer Corner“ (c) ZDF; „Computer Club“ (c) SFB

Retro: Vom Videospiel zum Brettspiel

Anfang der 1980er sind Videospiele fast überall vertreten. Aber die klassischen Weltraum-Action-Shooter werden bald langweilig. Schließlich geben zwei japanische Spieleentwickler, Namco und Nintendo, den Videospielen ein neues Gesicht: Pac Man und Donkey Kong erobern in kürzester Zeit die Spielhallen und auf den Erfolg aufbauend entstehen schnell weitere kreative Spiele, wie Frogger von Konami.

Pac-Man board game Pac Man wird so bekannt, dass es das erste Videospiel wird, welches eine Flut von Fan-Artikeln mit sich zieht: T-Shirts, Jacken, Sweater, Kaffeetassen, Stofftiere, Bettlaken, Frühstücksflocken, Brettspiele, Bücher, Handtücher… alle mit Pac-Man Aufdruck.

Gerade die Brettspiele sind kurios: Ist es heute eher so, dass erfolgreiche Brettspiele auch als Computerspiel umgesetzt werden, war es hier umgekehrt, man versuchte das Spielkonzept als Brettspiel zu vermarkten. Herausgekommen ist eine Art Mensch ärgere Dich nicht mit Pac Pan oder Mario.

Mehr über Pac Man und Mario gibt es in diesem Beitrag zu erfahren.